MotoGP™ Basics

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Bremsen

Jedes Motorrad muss mindestens eine Bremse an jedem Rad haben, welche unabhängig von einander bedient werden können müssen. In der Moto3 und Moto2 sind nur Bremsscheiben aus Eisenwerkstoffen erlaubt. In der MotoGP-Kategorie aber kommen auch Karbon-Bremsscheiben zum Einsatz, allerdings dürfen die einen Durchmesser von 320 Millimetern nicht überschreiten.

Nur zwei Standard-Maße sind für die Bremsscheiben zugelassen. Lediglich für CRT-Maschinen gab es nur in der Saison 2012 eine Freigabe für andere Größen der Karbon-Bremsscheiben. Eine Ausnahmereglung gibt es derzeit nur noch für Motegi, wo aufgrund der Streckenführung besonders harte Bremsmanöver an der Tagesordnung sind. Nur dort dürfen Durchmesser von 340 Millimetern bei den Bremsscheiben verwendet werden.

Ein paar zuverlässige und funktionierende Bremsen sind ganz nützlich, wenn man mit einem Motorrad, welches über 340 km/h Spitzengeschwindigkeit erreicht, versucht, ein Rennen zu gewinnen.

Während Reifen nicht nur von Session zu Session gewechselt werden, werden Bremsen normalerweise nur dann ausgetauscht, wenn sie defekt oder nass geworden sind. Sie sind ein permanentes Werkzeug der Piloten und spielen beim Fahren durch Kurven mit der richtigen Geschwindigkeit und mit der optimalen Schräglage eine der wichtigsten Rollen.

KURVENGESCHWINDIGKEIT

Die Kurvengeschwindigkeiten spielen für den Erfolg in der MotoGP eine der wichtigsten Rollen: Wenn ein Fahrer aus höherem Tempo und später als seine Kontrahenten bremsen kann, kann er die vor ihm überholen und schneller als der Rest fahren.

Den meisten Teil der Bremslast tragen die Vorderbremsen. Auf dem Vorderrad wird in die Kurven eingelenkt und die Spur gehalten, beim Bremsen selbst verlagern sich rund 90 Prozent des Gewichtes auf das Vorderrad. Dabei ist es nicht unüblich, dass das Hinterrad vom Boden abhebt. Ohne Bodenkontakt wird nicht nur die Hinterradbremse nutzlos, sondern das Motorrad muss auf der Bremse hauptsächlich mit dem Vorderrad gesteuert werden.

KARBON ODER STAHL

MotoGP-Teams nutzen Scheibenbremsen. Diese Technologie feierte erstmals in den 1970er Jahren Einzug und wurde seither immer weiter entwickelt. Die ersten Varianten dieser Scheibenbremsen bestanden reinweg aus Stahl und funktionierten gerade im Nassen nicht besonders gut. Später wurde diese Technologie weiterentwickelt, sodass heute mit ihnen sowohl im Nassen als auch im Trockenen progressiv gebremst werden kann.

Im Gegensatz zur Anfangszeit werden die Stahlbremsen in der MotoGP nur noch im Nassen verwendet. Für trockenen Bedingungen gibt es eine modernere und effizientere Lösung: Karbon-Bremsen.

Die Vorteile der Karbon-Bremsen sind in verschiedenen Bereichen angesiedelt. Einer davon ist, dass sie mit dem gleichen Durchmesser zwischen 750 und 800 Gramm liegen, wohingegen ihre Stahl-Pendants dabei 1,2 bis 1,6 Kilogramm auf die Wage bringen. Diese Zahlen scheinen trivial, doch im Rennsport, wo jedes Gramm zählt, um schneller zu werden, kann ein halbes Kilogramm eine Welt bedeuten.

Scheibenbremsen bestehen aus Scheiben, die an der Felge des Rades befestigt sind, und den Bremssätteln, die an der Gabel sitzen. In den Bremssätteln sitzen die Bremsbelege. Die Beläge kommen mit den Scheiben in Kontakt und bremsen deren Rotation und damit das gesamte Rad. Der Pilot betätigt die Bremse mit seinem Hebel, der am Lenkerstummel befestigt ist. Für die Hinterradbremse sind sowohl eine Fußbetätigung, als auch eine Daumenbremse links im Einsatz üblich.

GEWICHTS-EINSPARUNGEN

Bei Karbon-Bremsen sind die Scheiben, Sättel und Belege alle leichter. Da meist ein Doppelbremsscheibensystem zum Einsatz kommt, bei dem eine Scheibe auf jeder Seite des Rades sitzt, können mit Karbon-Bremsen insgesamt also mehr als zwei Kilogramm eingespart werden.

Weniger Gewicht bedeutet auch weniger Trägheit. Damit wird die Kreiselwirkung reduziert, die dem Versuch des Piloten das Motorrad in eine andere Richtung zu bewegen entgegenwirken würde. Im Umkehrschluss wird es also einfacher, das Motorrad in eine andere Richtung umzulegen, denn die Räder, gerade das Vorderradrad, sind mit Karbon-Bremsen leichter.

Karbon-Bremsen bieten auch bei der grundsätzlichen Bremsleistung einige Verbesserungen und funktionieren dabei auch konstanter als Stahlbremsen. Wenn die optimale Betriebstemperatur der Karbon-Bremse erreicht ist, verändert sich das Gefühl des Fahrers für sie nicht mehr - sei es in Runde 25 oder 2. Bei Stahlbremsen verändert sich die Bremsleistung und das Gefühl des Piloten über ein Rennen hinweg ständig.

Auch wenn die leichteren Karbon-Bremsen aus den genannten Gründen bevorzugter eingesetzt werden, als die Stahl-Alternativen, gibt es Bedenken. Karbon-Bremsen funktionieren zwar besser, sind aber weitaus temperaturabhängiger. Solange die Bremsscheiben und -beläge nicht auf die optimale Betriebstemperatur gebracht sind, ist deren Funktionalität praktisch nicht vorhanden. Karbon-Bremsen heizen sich zwar schnell auf, doch die Piloten müssen während der Besichtigungs- und Aufwärmrunden und sogar auf den ersten Runden eines Rennens äußerste Vorsicht walten lassen.

WETTER

Wenn das Wetter trocken und nass ist oder wenn die Strecke zu den schnelleren gehört, wo die Bremsen nicht so oft benutzt werden, dann können sich die Bremsscheiben durch den Fahrtwind abkühlen.

In dem Falle werden dann Hitzeschützer angebaut, sodass die Karbon-Bremsen ihre Temperatur eben nicht verlieren. Kommt allerdings Wasser ins Spiel, ist das wieder eine andere Geschichte, dann können die Karbon-Bremsscheiben ihre Betriebstemperatur nicht erreichen. Und wie bereits beschrieben: Ohne die Betriebstemperatur funktionieren Karbon-Bremsen wenig bis überhaupt nicht. Dies wäre im Regen der Fall.

Im Falle von Regen und Nässe werden die Karbon-Bremsen durch ihr Pendant aus Stahl ausgetauscht. Dabei kommen auch andere Bremssättel und -belege zum Einsatz, die Motorräder werden wieder schwerer. Die Umbauarbeiten am Motorrad finden meist unter großem Zeitdruck statt, wodurch alle Teile des Bremssystems schnell und einfach austauschbar sein müssen.

Karbon-Bremsen sind aufgrund ihrer Herstellung alles andere als billig. Um sie zu produzieren dauert es zwischen drei und sechs Monaten, den die Bremsscheiben werden langsam aufgebaut und sie müssen gebacken werden. Hinzu kommt die limitierte Einsatzfähigkeit im Nassen, daher werden Karbon-Bremsen bei Serienmotorrädern für die Landstraße auch nicht eingesetzt.

REIBUNG

Es gibt in Punkto maximaler Bremsleistung bei bestem Handling nur einen Weg, dies zu erreichen: Durch Reibung. Sobald die Bremse betätigt wird, wird der Reifen auf die Strecke gepresst, wodurch effektiv seine Auflagefläche auf dem Asphalt größer wird. Im speziellen bedeutet das, dass die Reibung zwischen Reifen und Asphalt größer wird und damit auch die Bremsleistung ansteigt. Wenn ein Fahrer dies spät in der Kurve umsetzen kann, so dicht wie möglich am Scheitelpunkt, braucht er weniger Zeit, um das Motorrad zu verlangsamen. Er kommt damit schneller als alle anderen an den Punkt, wo er schon wieder aus der Kurve herausbeschleunigen kann.

HERSTELLER

Die in der MotoGP eingesetzten Bremssysteme kommen von zwei Herstellern: Brembo und Nissin. Jeder Satz Scheibenbremsen kostet mehrere Tausend Euro. Ein Glück für die Teams der MotoGP: Ein Motorrad braucht nur zwischen sechs und acht Karbon-Bremsscheiben pro Saison.

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