MotoGP™ Basics

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Geschichte

Mit ihrer sage und schreibe 65-jährigen Geschichte ist die MotoGP die älteste Motorsport-Weltmeisterschaft. Erstmals wurde sie 1949 initiiert.

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in verschiedenen Ländern Motorrad Grands Prix ausgetragen. Bereits im Jahre 1938 schrieb der Vorgänger der heutigen FIM, die FICM (Fédération Internationale des Clubs Motocyclistes), eine Europa-Meisterschaft aus. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurden auch die Motorradrennen ausgesetzt. Nach dem Krieg brauchte es einige Zeit, ehe wieder Kraftstoff und ähnliche essenziell wichtige Dinge frei verfügbar waren. Erst dann stand dem Entstehen von wirklich internationalen Rennserien nichts mehr im Wege.

ANFANGSJAHRE

Als 1949 die erste offizielle Weltmeisterschaft im Grand Prix Sport ausgerufen wurde, waren vier Solo-Klassen am Start. In der ersten Saison der Königsklasse bis 500ccm holte der Brite Leslie Graham auf einer AJS den Titel. Mit Freddie Frith (Velocette) holte ebenfalls ein Brite den WM-Titel bei den 350ern. Die ersten Weltmeister der Klassen bis 250- und 125-Kubikzentimeter kamen derweil aus Italien und hießen Bruno Ruffo (Moto Guzzi) und Nello Pagani (Mondial).

Die 600ccm starken Seitenwagen wurden in jener Saison ebenfalls von Briten gewonnen: Eric Oliver und Denis Jenkinson feierten den Titel auf Norton. Die Seitenwagen-Kategorie erlebte 1951 einen ersten Umbruch, als der Hubraum auf 500ccm reduziert wurde.

In den 1950er Jahren wurde die Weltmeisterschaft von italienischen Herstellern dominiert. Neben den bereits erwähnten Marken Mondial und Moto Guzzi mischten auch Gilera und MV Agusta ganz vorn an der Spitze mit – die italienische Motorradindustrie boomte zu jener Zeit. Gerade MV Agusta galt ab Ende des Jahrzehnts als die dominierende Marke schlechthin – Zwischen 1958 und 1960 gingen alle Titel in allen vier Kategorien an MV. Von 1958 bis 1974 dominierte MV Agusta die Königsklasse: Sage und schreibe 17 Titel in Folge gingen an die italienische Edelmarke.

DER SWING DER SIXTIES

In den 1960er startete der Boom der japanischen Motorradindustrie. In jenem Jahrzehnt traten einige der Hersteller auf die Weltbühne, die auch heutzutage in der MotoGP vertreten sind, darunter Honda, Suzuki und Yamaha. Die Japaner waren gekommen, um ihre ersten Weltmeister-Titel in den Klassen bis 125, 250 und 500ccm einzuheimsen. Dies war von Anfang an das erklärte Ziel. Gerade Suzuki feierte in der 1962 neu eingeführten 50ccm-Klasse große Erfolge.

Ende der 60er Jahre brach die große Zeit der MotoGP-Legende Giacomo Agostini an – dem erfolgreichsten Piloten in der Geschichte der Motorrad Weltmeisterschaft. Bis in die Neuzeit war es üblich, dass ein Fahrer in zwei, drei oder mehr Klassen gleichzeitig an den Start ging. Agostini holte 10 seiner 15 Weltmeister-Titel in fünf aufeinanderfolgenden Saisons und wurde Doppel-Weltmeister in den Klassen bis 350- und 500ccm. Seine goldene Ära – auf MV Agusta – begann 1968.

Zu jener Zeit uferten die Kosten im Grand Prix Rennsport so dermaßen aus, dass sich einige japanische Hersteller vom Wettbewerb zurückzogen. Ende der 60er Jahre war nur noch Yamaha aktiv dabei. Um dem entgegenzuwirken, führte die FIM Regeln ein, die die Zylinderzahlen vorschrieben: Einzylinder bei den 50ern, deren zwei bei den 125er und 250er, sowie vier Zylinder bei den 350ern und 500ern.

CHANCENGLEICHHEIT

In der folgenden Ära holten Hersteller aus Europa (Bultaco, Kreidler, Morbidelli, MV Agusta), Japan (Kawasaki, Suzuki, Yamaha) und Nordamerika (Harley Davidson) die WM-Titel. Die Japaner schafften Mitte der 1970er Jahre endlich, die Dominanz von MV Agusta in der Königsklasse zu brechen.

Nach fast zwölf Jahren Pause trat Honda Ende der 70er wieder in die Weltmeisterschaft ein. 1983 änderte das Unternehmen dann seine strategische Ausrichtung und setzte anstatt Viertaktern einen V3-500-Zweitakter ein. Bekannt wurde dieser unter dem Namen NS500, Freddie Sepencer holte damit den 500er-WM-Titel – seinen ersten und den ersten seit der Rückkehr von Honda in den Grand Prix Sport.

Ein Jahr zuvor wurde die 350er Klasse aus dem Wettbewerb genommen. Nach 34 Jahren verblieben nur noch vier Klassen in der Weltmeisterschaft: die 50er, die 125er, 250er und 500er. Im Jahre 1984 wurde die Klasse bis 50ccm auf 80ccm umgestellt. Tradition erlangte dieses Konzept keine, denn schon nach sechs Jahren wurde sie wieder eingestellt. Die erfolgreichsten bei den 80ern: vier Titel für Hersteller Derbi, drei davon eingefahren vom Spanier Jorge Martinez.

AMERICAN IDOLS

Die 80er und 90er des 19. Jahrhunderts gehörten zu den spannendsten Jahren der Königsklasse, gerade da Honda, Suzuki und Yamaha erbittert um den Titel kämpften - und das mit reihenweise Stars aus den USA: Eddie Lawson, Randy Mamola, Freddie Spencer, Wayne Rainey und Kevin Schwantz. Bei den 125ern und 250er nahmen es derweil noch einige europäische Hersteller wie Derbi, Garelli und später Aprilia mit den japanischen Giganten auf.

Seit Gründung der Motorrad Weltmeisterschaft waren die Seitenwagen ein fester Bestandteil der Grands Prix, doch diese Kollaboration endete nach der Saison 1996. Im Jahr darauf, 1997, wurden die Sidecars nur noch als World Cup ausgetragen.

Die späten 90er Jahre wurden in der 500er-Klasse von Honda und einem gewissen Mick Doohan dominiert. Mit seinen fünf aufeinanderfolgenden WM-Titeln avancierte er zum Helden und wurde später auch mit dem MotoGP Legends Status geehrt. 1999 endete die Karriere des Australiers aufgrund von Verletzungen vorzeitig.

DIE NEUZEIT

Im Jahre 2001, der letzten Saison vor dem wirtschaftlich sinnvollem Wechsel zu den 990ccm Viertaktern in der Königsklasse, holte sich ein junger Italiener namens Valentino Rossi den letzten 500ccm-WM-Titel auf einer Honda. Zuvor hatte er 1997 die 125er-Weltmeisterschaft gewonnen, 1999 folgte der Titel in der Viertelliterklasse, beide Male auf Aprilia.

Nachdem die Weltmeisterschaft 2002 in MotoGP umbenannt wurde und die 990er eingeführt wurden, holte Rossi vier weitere Königsklasse-Titel in Folge. Die ersten beiden Triumphe gelangen ihm noch auf Honda, dann wechselte er spektakulär zu Yamaha und fügte nahtlos zwei weitere WM-Kronen an.

In den letzten Jahren wurden die kleineren Klassen von jungen europäischen Fahrern kontrolliert, die sich auf Aprilia- und Honda-Motorrädern auf die MotoGP vorbereiteten. Dani Pedrosa lag mit seinen drei Titeln in Folge voll im Trend: 125er-Weltmeister 2003 und 250er-Champion 2004 und 2005. Schon in den kleinen Klassen fuhr er für Honda, ehe er in die Königsklasse wechselten. In seiner ersten MotoGP-Saison 2006 teilte er sich die Repsol Honda Box mit dem Amerikaner Nicky Hayden, der sich in jenem Jahr dank seines aggressiven, aber konstanten Fahrstils den Titel holte. Damit endete die Sieges-Serie von Valentino Rossi.

Zu Beginn der Saison 2007 gab es erneut neue Regeln: Ab sofort wurden die Reifenzahlen an einem Grand Prix Wochenende limitiert, der Hubraum der Motoren sank von 990ccm auf 900ccm. Das MotoGP-Feld wurde neu aufgemischt. Bridgestone rüstete bei Ducati einen gewissen Casey Stoner aus der sich schließlich 2007 auch den WM-Titel in der Königsklasse holte. Stoner galt schon damals aus Ausnahmemann. Und dennoch: 2008 schlug Rossi zurück und holte sich seinen sechsten Titel in der Königsklasse, Stoner wurde etwas abgeschlagen Vizeweltmeister.

2009 wurden Einheitsreifen eingeführt, Bridgestone erhielt den exklusiven Zuschlag zur Belieferung der MotoGP. Rossi holte nach harten Kämpfen mit seinem Teamkollegen Jorge Lorenzo seinen siebenten Königsklassen-Triumph. Damit rückte der Italiener bis auf einen Titel auf den besten aller Zeiten, Giacomo Agostini mit 8 Titeln in der großen Klasse, heran.

2010 wurde ein weiterer neuer Name in die Geschichtsbücher der MotoGP-Klasse geschrieben, als sich Jorge Lorenzo nach einer langen und spannenden Saison die WM-Krone aufsetzte. Besonders spannend waren immer wieder die Fights mit seinem Teamkollegen Rossi. Lorenzo legte eine beeindruckende Konstanz an den Tag und hatte die Reife erlangt, die es für den MotoGP-Titel brauchte - und das mit gerade einmal 23 Jahren.

2011 wechselte Casey Stoner auf eine Werks-Honda, was sich als goldrichtiger Schritt herausstellen sollte. Mit seinem Sieg auf Phillip Island, seinem neunten - aber nicht letzten - der Saison, machte Stoner den Titel in der MotoGP-Klasse vorzeitig klar. Später gewann er noch das Valencia-Finale.

2012 erfolgte eine Hubraumanhebung auf 1000ccm und Jorge Lorenzo vom Yamaha Factory Racing Team holte sich mit einem zweiten Rang auf Phillip Island vorzeitig den Titel. Dabei fightete er bis zum Schluss mit Dani Pedrosa aus dem Repsol Honda Team. Dessen Teamkollege Casey Stoner beendete seine letzte MotoGP-Saison als Dritter, nachdem er sich Mitte der Saison verletzt hatte. Stoner zog sich anschließend vom aktiven Rennsport in der MotoGP zurück.

Den aktuellen Weltmeister stellt das Repsol Honda Team mit Marc Marquez, der sich 2013 den Titel in seiner Rookie-Saison sicherte. Auf dem Weg dorthin brach er zahlreiche Rekorde. Jorge Lorenzo vom Yamaha Factory Racing Team holte sich ganz knapp hinter ihm den Vize-Titel. Die beiden lieferten sich nahezu über die gesamte Saison hinweg immer wieder spektakuläre Fights.

HERSTELLER - DIE ERFOLGREICHSTEN DER MOTOGP

In der folgenden Liste sind die wichtigsten Statistiken und Hersteller zusammengefasst, die in über sechs Jahrzehnten an der Motorrad Weltmeisterschaft teilgenommen haben. (Statistiken Stand: Ende Saison 2013):

AJS 1 Herstellertitel, 9 Siege in allen Klassen

Aprilia 18 Herstellertitel, 274 Siege in allen Klassen

Derbi 8 Herstellertitel, 93 Siege in allen Klassen

Ducati 1 Herstellertitel, 32 Siege in allen Klassen

Garelli 5 Herstellertitel, 51 Siege in allen Klassen

Gilera 5 Herstellertitel, 59 Siege in allen Klassen

Kreidler 7 Herstellertitel, 71 Siege in allen Klassen

KTM 3 Hersteller WM-Titel, 24 Siege in allen Klassen

Harley Davidson 1 Herstellertitel, 28 Siege in allen Klassen

Honda 62 Hersteller WM-Titel, 667 Siege in allen Klassen

Kawasaki 9 Herstellertitel, 85 Siege in allen Klassen

Mondial 5 Herstellertitel, 18 Siege in allen Klassen

Moto Guzzi 6 Herstellertitel, 45 Siege in allen Klassen

MV Agusta 37 Herstellertitel, 275 Siege in allen Klassen

Norton 4 Herstellertitel, 41 Siege in allen Klassen

Suzuki 15 Herstellertitel, 155 Siege in allen Klassen

Yamaha Yamaha 37 Hersteller WM-Titel, 479 Siege in allen Klassen

MOTOGP LEGENDS

Im Jahre 2000 wurde die MotoGP Hall of Fame eingeführt. Hier werden die Fahrer aufgenommen und geehrt, die im ersten halben Jahrhundert des Grand Prix Sportes wichtige Schlüsselfiguren waren und Großes erreicht haben. Der erste Fahrer, der mit dem Status der MotoGP Legende bedacht wurde, war der fünffache Weltmeister Mick Doohan aus Australien. Er wurde im Mai 2000 in Mugello geehrt.

Seither sind verschiedene weitere große Namen aus den unterschiedlichen Epochen in die MotoGP Hall of Fame aufgenommen worden. Eine Übersicht:

Giacomo Agostini (Italien) 15 Weltmeistertitel, 122 Siege in allen Klassen

Mick Doohan (Australien) 5 Weltmeistertitel, 54 Siege in allen Klassen

Geoffrey Duke (GB) 6 Weltmeistertitel, 33 Siege in allen Klassen

Mike Hailwood (GB) 9 Weltmeistertitel, 76 Siege in allen Klassen

Daijiro Kato (Japan) 1 Weltmeistertitel, 173 Siege in allen Klassen

Wayne Gardner (Australien) 1 Weltmeistertitel, 18 Siege in allen Klassen

Eddie Lawson (USA) 4 Weltmeistertitel, 31 Siege in allen Klassen

Anton Mang (Deutschland) 5 Weltmeistertitel, 42 Siege in allen Klassen

Angel Nieto (Spanien) 13 Weltmeistertitel, 90 Siege in allen Klassen

Wayne Rainey (USA) 3 Weltmeistertitel, 24 Siege in allen Klassen

Phil Read (GB) 7 Weltmeistertitel, 52 Siege in allen Klassen

Kenny Roberts (USA) 3 Weltmeistertitel, 24 Siege in allen Klassen

Jarno Saarinen (FIN) 1 Weltmeistertiel, 15 Siege in allen Klassen

Kevin Schwantz (USA) 1 Weltmeistertitel, 25 Siege in allen Klassen

Barry Sheene (GB) 2 Weltmeistertitel, 23 Siege in allen Klassen

Freddie Spencer (USA) 3 Weltmeistertitel, 27 Siege in allen Klassen

John Surtees (GB) 7 Weltmeistertitel, 38 Siege in allen Klassen

Carlo Ubbiali (Italien) 9 Weltmeistertitel, 39 Siege in allen Klassen

Casey Stoner (Australien) 2 WM-Titel, 45 Siege in allen Klassen

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