MotoGP™ Basics
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Eines der beeindruckendsten Dinge bezüglich der Motorrad-Weltmeisterschaft ist die Art, in welcher die Übertragung der phänomenalen Kraft der MotoGP Motorräder nur durch Reifenkontaktstellen, die nicht viel größer sind als die Größe einer Kreditkarte, stattfindet.
Im Vergleich zu Rennautos, den vierrädrigen Gegenstücken der Motorräder, profitieren diese von einem ungefähr zehnfach so großen Reifenkontaktfläche - daher ist es eine Untertreibung zu sagen, dass mit 240 PS, die zur Verfügung stehen, die Reifenwahl entscheidend für die MotoGP Fahrer ist. Die Leitungsentfaltung im Verhältnis zur Kontaktfläche ist deutlich größer als in jeglicher Form des Autorennfahrens.
Es gibt zwei Reifenhersteller, die in der Weltmeisterschaft arbeiten. Das japanische Unternehmen Bridgestone in der MotoGP und Dunlop aus Großbritannien für die Moto2 und die Moto3 Klasse.
Durch die neuen Reifenregularien, die 2009 aus Kosten- und Sicherheitsgründen eingeführt wurden, gab es in der MotoGP nur noch einen einzigen Reifenhersteller, zu dem Bridgestone ausgewählt wurde. Diese Einheitsreifenregel brachte die Notwendigkeit für Maßnahmen zur Sicherstellung der Gleichwertigkeit mit sich. Die neuen Regeln für das System wurden Ende 2008 bekanntgegeben. Das komplette Dokument kann gesehen werden unter auf der offiziellen FIM Website.
Bridgestone ist bei der Herstellung der Reifen, die in jedem Grand Prix verwendet werden, federführend. Aber ihre Zuteilung zu jedem der MotoGP Fahrer liegt bei dem Technischen Direktor und der Mannschaft, die die Reifen auf zufälliger Basis, beeinflusst von Bridgestone, den Team und den Fahrern zuteilen. Der Zuordnungsprozess findet einen Tag vor dem Start des Trainings (Donnerstag in der Mehrheit der Fälle) statt und kann nach fünf Uhr nachmittags nicht mehr geändert werden.
In der Moto2 und der Moto3 ist Dunlop alleiniger Reifenlieferant.
REIFENHERSTELLUNG
Die Mischungen, die in der MotoGP benutzt werden, sind Kombination aus synthetischem Material und aus der Natur stammendem Gummi, der vulkanisiert und in Latex umgewandelt ist. Ein typischer Rennreifen enthält Gummi, Hightech-Plastik-Fasern, Harz und Mineralien. Diese werden kombiniert, um das höchste Leistungslevel zu produzieren.
REIFENWAHL
Die exakte Wahl des Reifens, der während des Rennens benutzt wird, wird von den Teams anhand der Daten, die sie und der Reifenlieferant vorher auf der Strecke gesammelt haben, getroffen. Darüber hinaus beeinflussen Gespräche mit ihren Fahrern, bezogen auf das Wissen über den Kurs, Wetterbedingungen und das Gefühl auf dem Motorrad während der Testtage, dem Freien Training, Qualifying und dem Warmup vor dem Rennen, welcher Reifen ausgewählt wird.
An Testtagen und während der Trainingssitzungen unternehmen die Fahrer oft 'Rennsimulationen', in denen sie die Sorte von Reifen fahren, die sie erwarten während des Rennens, auf welchem Kurs sie es auch immer probieren, zu benutzen. Dabei fahren sie die Anzahl an Runden, die den jeweiligen Austragungsort ausmachen. Diese Übungen sind für ihre Teams und Hersteller entscheidend, in Bezug auf die Daten, die sie erbringen und dem Feedback das sie erzeugen.
Für das Rennen muss eine entscheidende Balance zwischen Grip und Durchhaltevermögens des Reifens gefunden werden - mit allen verfügbaren Daten im Einsatz, um die Entscheidung zu treffen. Entweder den weichen 'gripreichen' Reifen zu wählen, der schnellere Höchstgeschwindigkeiten und schnellere Rundenzeiten bietet, aber schneller kaputtgeht, einem härteren, weniger 'klebrigen' Reifen, der länger durchhalten wird, aber den Fahrern nicht dabei hilft, maximale Geschwindigkeit zu erlangen, oder eine Reifen irgendwo zwischen den beiden Extremen.
2009 hatte der neue Bridgestone Reifen in der MotoGP ein weiteres Funktionsfenster in Bezug auf die Streckentemperatur. Während das für mehr verschiedene Konditionen passte, brachte es dieser Fakt mit sich, dass die Anzahl an Reifen und Mischungen, die für jeden Fahrer bei jedem Grand Prix zur Verfügung stehen, eingeschränkt wurde.
Rennreifen wurden so gebaut, dass sie für eine Renndistanz von etwa 120km auf höchtem Niveau funktionieren.
Die normalen Rennreifen sind Slicks, welche sich von den Reifen, die auch alltäglichen Fahrzeugen verwendet werden, unterscheiden, da sie deutlich mehr am Untergrund haften, aber weniger haltbar sind. Rennreifen können sich untereinander enorm unterscheiden und werden anhand der erwarteten Temperatur, der Art des Asphalts, den Anforderungen des Bikes und dem Fahrstil des Fahrers ausgewählt.
Um die Belange weiterhin zu verkomplizieren, können die Anforderungen für Vorder- und Hinterreifen aus technischer Sicht massiv variieren und an beiden Ende die richtige Wahl zu treffen, ist entscheidend für den Erfolg auf der Strecke.
REGENRENNEN
Für nasse Bedingungen gibt es besondere Regenreifen mit vollen Laufflächen, die genutzt werden können, allerdings schnell abbauen, sobald die Strecke abtrocknet.
Die Rennen werden vor dem Start von der Renndirektion als nass oder trocken erklärt. Wenn früher ein Rennen trocken startete und Regen fiel, konnten Fahrer oder Offizielle das Rennen stoppen (rote Flagge) und entweder wieder starten, oder auf Regenreifen wieder aufnehmen. 2005 wurde eine Flag-to-Flag-Regel eingeführt, die besagt, wenn es bei einem eigentlich trocken ausgegebenen Rennen zu regnen beginnt, wird eine weiße Flagge gezeigt, die aufzeigt, dass die Fahrer einen Boxenstopp machen können, um das Motorrad, mit dem sie gestartet sind, in ein identisches zu wechseln, solange die Reifen unterschiedlich sind.
Das erste Beispiel, bei dem die Flag-to-Flag-Regel zum Tragen kam, war Phillip Island 2006, als es zum ersten Mal dazu kam, dass in der Mitte des Rennens das gesamte MotoGP Feld in die Boxengasse kam, um die Maschinen zu wechseln.