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Kawasaki´s Kaneyo spricht über Bremsen

Kawasaki´s Kaneyo spricht über Bremsen

Kawasaki´s Kaneyo spricht über Bremsen

Eines der auffälligsten Unterschiede zwischen den Motorrädern, die Kawasaki für die Straße produziert und ihrer Ninja ZX-RR ist dass die MotoGP Maschine anstelle der Metallscheiben und gesinterten Auflagen beim vorderen Bremssystem des Straßenmotorrades ein Set up bevorzugt, dass bei Karbon Polstern und Scheiben verwendet wird.

Es gibt einige Gründe, weshalb sie bei ihrem MotoGP Bike ein Karbon Bremssystem haben und nicht wie bei den traditionellen Straßenmotorrädern eines aus Eisen oder Stahl. Für einen Start bewiesen sich die Karbonscheiben als leichter, als die aus Stahl oder Eisen. Wieviel Gewicht sparen sie, wenn sie vorn ein teures Carbon Set up benutzen? Laut dem technischen Koordinator des Kawasaki Racing Teams, Naoya Kaneko, ist die Einsparung des Gewichts ziemlisch ausschlaggebend.

"Eine brandneue Stahlscheibe wiegt um die 1,6 kg, während eine Karbonscheibe etwa um die 800 g wiegt, oder eben nur die Hälfte einer Stahlscheibe. Mit einem Doppelscheiben-System, wie wir es bei der Ninja ZX-RR benutzen, bekommt man bei Karbon eine Gewichtseinsparung an der Vorderseite des Motorrades von 1,6 kg."

"Aber es geht nicht nur um die Scheiben. Weil sie keinen Schutzträger brauchen, sind die Karbonpolster auch bedeutend leichter als die Standard-Metallpolster. Es klingt vielleicht nicht besonders viel, aber alles zusammen zahlt es sich aus."

Weniger Gewicht ist gleich weniger Schwungkraft, was in den Kurven den gyroskopischen Effekt verringert, der sich auf die Anstrengung des Fahrers auswirkt, die er für den Richtungswechsel mit seinem Motorrad braucht. Und die Benutzung von Karbonscheiben bringt dabei definitiv einen spürbaren Unterschied.

Karbonscheiben bringen im Gegensatz zu Metallscheiben auch eine Verbesserung beim Bremsen und in der Konsistenz. Mit Stahl verändert sich das Gefühl, das ein Fahrer mit den Bremsen im Laufe eines Rennens hat, das Karbonsystem ist konsistenter und fühlt sich für den Fahrer am Ende des Rennens noch genauso an, wie zu Beginn. Das ist bei einem 30-ründigen MotoGP Rennen ein großer Vorteil.

Aber Karbonbremsen haben auch ihre Nachteile.

Es existiert keine sichtbare Bremskraft, bis die Scheiben und Polster ihre optimale Arbeitstempartur erreicht haben, welche je nach Wetterbedingungen, zwischen 450 und 670°C liegen kann. Die Polster und Scheiben heizen sich schnell auf, aber in der Warm up Runde sollte immer Extravorsicht geboten sein, wie auch in den ersten paar Runden des Rennens.

Auf schnelleren Strecken, wo die Bremsen nicht so regulär oder hart benutzt werden, können sich die Scheiben durch den Luftstrom abkühlen. Um diesen Hitzeverlust auszugleichen, haben manche Teams Bleche an der Vorderseite der Scheibe, um die Bremsreaktion bei niedrigen Temperaturen oder auf Strecken, wo man nicht so sehr bremsen muss, zu verbessern. Die Abdeckungen der Bremsen halten die Hitze nicht in den Bremsen, denn Karbon kühlt schnell ab; sie verringern aber die Geschwindigkeit der Abkühlung, indem sie die Luft, um die Scheibe herum leitet und nicht über die Scheibe drüber weg.

Aber der wahrscheinlich größte Nachteil der Karbonscheiben ist, dass sie im Nassen nicht funktionieren, da sich die Bremsen zu schnell abkühlen, wenn sie mit Wasser in Verbindung treten. Wenn ein Regenrennen bevorsteht, tauschen die Mechaniker die Karbonbremssysteme gegen ein konventionelles Stahl Set up aus.

Und die Frage, ob sie wegen des feuchten Wetters Karbon gegen Stahl austauschen sollen, hat den Teams diese Saison schon viel Kopfzerbrechen bereitet. Die Einführung neuer Regeln, durch die die Fahrer die Möglichkeit haben, in ihre Box zu fahren und die Reifen und Bremsen zu wechseln, sollte ein trockenes Rennen durch Regen unterbrochen werden, heißt, dass jetzt der Wechsel von Karbon in Stahl innerhalb von Sekunden entschieden werden sollte, im Gegensatz zu den ca. 10 Minuten, die das zuvor in Anspruch nahm.

Der Herstellungsprozess für die Karbonscheiben und Polster wird als Geheimnis bewahrt. Es ist etwas Militärisches. So wie bei Autos und Motorräder werden Karbon-Bremssysteme auch in High-Tech, bei den geheimen Kampfflugzeugen benutzt und daher wird sich das Militär hüten, Details über die Herstellung zu verraten.

Was man aber über den Prozess weiß, ist dass das blanke Material, welches für die Scheiben und Polster benutzt wird (sie werden zusammen produziert) in einem Karbondampf-Ablagerungsprozess in einem speziellen Ofen hergestellt wird. Die Dichte des Karbons ist für die Performance fundamental und wird während des Herstellungsprozesses genau kontrolliert.

Um die Dichte des Karbons hinzubekommen, aus dem dann die Scheiben und Polster geformt werden, brauch man durchschnittlich 12 Wochen, was auch erklärt, weswegen Karbon-Bremssysteme so teuer sind. Sie kosten um die 10.000 Euro nur für die Scheiben und Auflagen allein!.

Tags:
MotoGP, 2005, Kawasaki Racing Team

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