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Sete Gibernau steht Rede und Antwort

Sete Gibernau steht Rede und Antwort

Sete Gibernau steht Rede und Antwort

In den letzten beiden Jahren als Zweiter hinter Valentino Rossi ist Sete Gibernau einer der "großen Waffen" in der MotoGP Klasse und einer der sehr wenigen Fahrer, die in der Lage sind, den Italiener an seine Grenzen zu treiben. Doch die erste Hälfte der Saison war für den Spanier, der noch immer nach seinem ersten Sieg jagt, enttäuschend. Er erwartet jetzt, dass sich die Dinge, wenn die Saison diesen Monat in Brünn weiter geht, für ihn wenden.

Gibernau, der gerade seinen 150. GP Start hatte – nur einen Monat vor seinem Erzrivalen Rossi, denkt zurück an sein Leben als MotoGP Fahrer.

Du bist momentan an der Spitze deiner professionellen Karriere und sagst, dass du jeden Moment ohne Sorgen über deine Zukunft genießen möchtest. Aber wenn du zurück blickst, was siehst du dann?
Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, für den Moment zu leben und ich kann Gott danken, dass ich mein Leben so intensiv leben konnte, ohne mir Gedanken über meine Zukunft machen zu müssen. Ich habe einige sehr spezifische Erinnerungen und ich habe immer genossen, was auch immer ich bekommen habe. Ich wollte noch nie, dass mir irgendjemand erzählt, dass ich Weltmeister sein könnte, weil ich auf diese Weise viele Dinge versäumt hätte, die am Rande des Weges liegen. Wenn es mein Schicksal ist, Weltmeister zu sein, dann werde ich es auch sein, aber ich möchte nicht, dass mir irgendjemand die Überraschung oder die Freude des Momentes stehlen könnte.

Disziplin ist in jedem Elite-Sport notwendig und beim Motorradrennsport ganz besonders, denn es sind so viele Menschen involviert. Was war das Härteste in all den Jahren: den Respekt der Menschen zu erlangen oder eine Gruppe ganz verschiedener Menschen um dich herum zu koordinieren…?
Das Schwierigste ist, eine so große Sache zusammen zu fügen. Über all diese Jahre habe ich viele Dinge durchgemacht und es gab Zeiten, in denen ich nicht in bester Form war. 1997 bin ich zum Yamaha Werksteam gekommen, mit nur einem Jahr GP Erfahrung und das war nicht die richtige Zeit dafür. Ich war noch nicht bereit für diesen Grad an Verantwortung… Aber ich bin erwachsen geworden und die Gelassenheit hat es mir möglich gemacht, immer mein Bestes zu geben. Das Schwierigste ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein und alles unter einen Hut zu bekommen.

Wie sieht dein körperliches Trainingsprogramm aus?
Ich bin da nicht so besessen, auch wenn ich Sport immer gern gemacht habe und mich auch gern gut vorbereite. Stück für Stück baut man sich eine Basis auf, man findet dann den Arbeitsrhythmus, der zu einem passt, aber jeder ist da anders. Im Moment ist mein Trainingsprogramm eine Kombination von Fahrradfahren, Joggen und etwas Gewichtetraining, aber nicht zu viel, denn ich bin schon ziemlich muskulös und ich muss mehr an der Aerobic arbeiten als an der Stärke.

Ist es also fair zu sagen, dass du nicht zu sehr leidest, wenn du trainierst...
Ich leide, aber draußen mit meinem Fahrrad ist das anders. Es wäre viel schlimmer für mich, wenn ich acht Stunden am Tag in einem Büro sitzen müsste. Am Ende des Tages denkt man darüber nach und realisiert, wie viel Glück man doch hat.

Wie arbeitest du an deiner mentalen Vorbereitung?
Das ist etwas, woran ich gerne arbeiten würde, wenn ich mit dem Rennenfahren fertig bin – meine Erfahrungen teilen, meine Strategie, die Art wie ich an meiner Konzentration arbeite, wie man durch schwierige Zeiten kommt, wie man seine Füße auf dem Boden behält, wenn alles gute geht… Ich mache viel Selbst-Therapie. Ich analysiere mich selber und ich würde das gern an andere Menschen weiter geben, wenn ich mit dem Rennenfahren fertig bin. Es ist wichtig, dass man den Hang zur Realität nicht verliert.

Hat dir jemand diese Denkweise vermittelt oder bist du immer so selbst-analytisch?
Ich war immer schon hart zu mir selbst, weil ich noch nie meine Verantwortung von mir gewiesen habe. Ich denke, das währe ein Fehler. Wenn man selbstkritisch sein kann, kann man auch die Menschen, mit denen man arbeitet kritisch betrachten. Ich weiß gern, dass ich die Person bin, die das ganze Projekt kontrolliert.

Ist es möglich, sich an Ruhm zu gewöhnen?
Man lebt auf die bestmögliche Art damit. Ich habe schon immer gedacht, dass kein Geld der Welt glücklich macht, auch wenn es definitiv hilft! Sete war glücklich, bevor er ein Weltmeisterschaftsfahrer war und er ist es auch jetzt. Wenn man die Einstellung hat, dass man bestimmte Dinge nicht tun kann, verzerrt man die Realität und man kann nicht mehr das genießen, was man hat. Es ist ein Komfort von Menschen gemocht zu werden, weil diese anerkennen, das man ein gute Arbeit leistet.

Wie lernt man mit so einem Druck zu leben?
Man kann sich nicht vor den Fakten verstecken. Dies ist ein riskanter Sport und es gibt viele Menschen, die dich beobachten, es gibt viel Interesse von außerhalb. Doch der erste Fehler würde sein, das nicht zu akzeptieren. Ich weiß, dass der Druck mit jedem Jahr steigt, aber zur selben Zeit versuche ich das ins Positive zu wenden, das hilft, das Beste aus mir heraus zu holen und nicht nur die Reserve. Druck kann viel Positives bringen. Es bedeutet auch, dass man gut ist, dass man eine Chance darauf hat Weltmeister zu werden, dass Menschen viel von dir erwarten, dass sie kommen und Fahnen mit deinem Namen schwenken… Wenn man so darüber nachdenkt, realisiert man, dass Druck nur etwas Positives sein kann.

Fahrer übermitteln ein Bild des Glamours und der Weltgewandtheit, die wahrscheinlich übertrieben ist. Gibt es auf der Strecke einen anderen Sete als zu Hause?
Man muss etwas von sich selbst zurück halten und etwas Privatsphäre beibehalten, um diese Faszination zu kreieren. Es ist schön, wenn die Menschen mehr über dein Leben, seine Karriere und deinen Lifestyle etc. wissen wollen.

Wenn jemand alles hat sind die Dinge, die sie am meisten schätzen wahrscheinlich die kleinen Details. Welche alltäglichen Dinge vermisst du am meisten?
Um ehrlich zu sein keine. Ich liebe meine momentane Situation, weil ich in meinem Leben durch viele verschiedene Stufen gelaufen bin, es gab Jahre in denen mich keiner kannte, andere in denen die Leute anfingen mich zu erkennen und jetzt. Ich kann mich nicht beschweren.

Motorradrennsport ist ein sehr individualistischer Sport. Macht er sich im Charakter einer Person bemerkbar?
Ich denke mein Charakter hat mich hierher gebracht, nicht anders herum. Ich denke, dass alle Fahrer einen besonderen Charakter haben. Wir sind von Natur aus Individualisten, aber es ist auch schön Menschen um einen zu haben, die dir sagen, was gerade so abgeht.

Bist du abergläubisch?
Nein. Es gab eine Zeit, da habe ich gemerkt, dass ich zu viel Aberglauben habe. Ich habe immer meinen rechten Handschuh und Schuh zuerst angezogen, dass ich nicht stürze, aber dann merkt man, dass es Zeiten gab, in denen ich das nicht getan habe und da ist auch nichts passiert. Ich bin weder in noch außerhalb meines Jobs abergläubisch.

Magst du es Dinge zu planen oder lebst du den Moment?
Ich lebe den Moment – absolut.

Dein Hobby ist Fallschirmspringen, du lebst dein Leben bei 300 km/h... wenn du nicht gerade damit beschäftigt bist Adrenalin auszuschütten, was machst du dann?
Ich genieße den Moment. Ich weiß, dass ich keine 20 mehr bin. Ich wäre es gern, aber der beste Weg sein Leben mit 30 maximal zu genießen ist es zu realisieren, dass man keine 20 mehr ist. Wenn ich mich einmal vom Rennenfahren zurück ziehe, werde ich sehr traurig sein und eine harte Zeit haben, aber ich habe keine Angst davor – irgendetwas werde ich tun. Ich bin sicher, dass ich keine Probleme haben werde, Dinge zu finden, die ich in meiner Zeit anstellen kann.

Wie sollen sich die Leute an dich erinnern, wenn du einmal aufhörst?
Als Oberstes möchte ich, dass sie verstehen, dass ich gekämpft habe, weil sie da waren und mir immer einen Grund gegeben haben, dass ich mich anstrenge. Ich schätze das Interesse, was die Leute in mich haben und ich möchte ihnen sagen, dass ich mein Herz in diese Sache gesteckt habe, weil ich genau wie sie Motorräder liebe.

Tags:
MotoGP, 2005

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