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Eintagsfliegen

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Wie viele Wetten wurden zu diesem Thema über die Pop-Charts in den letzten Jahrzehnten schon gemacht: One Hit Wonder – ein Tophit in den Musikverkaufslisten und danach nie wieder etwas gehört. Im Grand Prix Rennsport ist es das gleiche mit dem Deutschen Edmund Czihak, der in die gleiche Kategorie fällt wie Right Said Fred und den Bangles an der Spitze der Eintagsfliegen.

Edmund hat nicht nur diesen einen Grand Prix gewonnen, um es noch schwer wiegender zu machen, war es sogar sein Heimrennen am berühmten Nürburgring. So wie der MotoGP-Zirkus heute an den Sachsenring rollt, startete man vor 31 den West Deutschen Grand Prix von 1974 auf dem Nürburgring. Sieben lange und zehrende Runden auf dem anspruchsvollen und gefährlichen 22.835 km langen Nürburgring.

Ende April war noch immer Schnee auf den Bergen der Eifel, als die Piloten bei eiskaltem Wetter ankamen. Dazu kam, dass die Leitplanken, die das komplette Asphaltband an beiden Seiten begrenzen, nur mit einigen tausend Strohballen gesichert waren. Obendrein kombinierten die Veranstalter, gegen alle Regularien, den Grand Prix mit einem Autorennen. Erst nach dem schrecklichen Unfall des britischen Fahrers Bill Henderson, der in eine ungesicherte Leitplanke stürzte, war es den Fahrern zuviel und sie weigerten sich zu fahren. Die Veranstalter brachten noch mehr Strohballen an, jedoch noch immer weit unter 10000, die Anzahl, die von den Fahrern gefordert wurde. Barry Sheene sagte an diesem Tag : "Willhelm Tell würde Probleme haben heute Nachmittag einen Strohballen auf dem Nürburgring zu treffen."

Die deutschen Fahrer wurden vom nationalen Verband gezwungen zu fahren, sonst wären sie ausgeschlossen worden. So fuhr Edmund Czihak auf seiner Yamaha zu seinem einzigen Sieg nach 159.845 Kilometern in einem Rennen bei dem nur vier Fahrer ins Ziel kamen, alle aus Deutschland.

Superbike-WM Star Pier Francesco Chili tat es 15 Jahre später Czihak beinahe nach. Der Grand Prix von Misano in seiner Heimat Italien. Unglücklicherweise wurde der Grand Prix jedoch Grand Prix der Nationen und nicht Italienischer benannt. Frankie besiegt die Top Fahrer auf einer Regennassen Fahrbahn an der Adriaküste nachdem der erste Rennstart wegen Regens abgebrochen wurde. Während sich die führenden Fahrer weigerten weiter zu fahren, weil es kein Regentraining gegeben hatte, entschied sich der Italiener das Rennen zu Ende zu bringen. Die Fans liebten ihn, die anderen Fahrer dagegen waren nicht sehr angetan. Weltmeister Eddy Lawson stand an der Boxenmauer und gab Chili in der letzten Runde ein Zeichen mit einem Finger, dass ganz sicherlich nicht bedeuten sollte, dass es nur noch eine Runde ist. Trotz des Sieges gab Chili zu, dass es kein guter Tag für ihn und den Grand Prix Sport war. Glücklicherweise konnte der beliebte Fahrer noch vier 250 Kubik-Grand Prix und viel Superbike-WM Rennen gewinnen.

Der Neuseeländer Dennis Ireland genoss den gleichen Vorteil unter ähnlichen Umständen in Spa Francorchamps in Belgien 1979. In diesem Jahr war die verkürzte Variante der berühmten Rennstrecke von Spa gerade frisch geteert worden. Nach dem Training hatten alle Werksfahrer abgesprochen, dass der neue Belag viel zu rutschig war. Nur die Privatfahrer starteten beim Rennen. Ireland siegte auf einer Suzuki vor dem Australier Kenny Blake.

Drei Jahr später gewann der Schweitzer Michel Frutschi auf einer Sanvenero mit komfortablem Vorsprung beim französischen Grand Prix auf dem 3.120 langen Kurz von Nogaro, der klar nicht den Standards des Grand Prix Sports entsprach. Schon nach der ersten Trainingssitzung war klar, dass die Topfahrer bei diesem GP nicht starten würden. Und so hatten einmal mehr die Privatfahrer die Chance auf einen nie erwarteten Sieg. In diesem Fall nutzte Frutschi die Möglichkeit.

Aber nicht alle Eintagsfliegen wurden von einem Streik der Werksfahrer begünstigt. Auch die Streckenkenntnis der heimischen Piste brachte einige faszinierende Siege hervor. Bis 1997 wurden die britischen Grand Prix auf der berüchtigten, 60.721 km-langen Strecke auf der Isle of Man abgehalten. Erst danach startete man auf sichererem Gebiet in Silverstone. Phil Carpenter gewann das Rennen 1974 und sicherte sich die maximale Punktzahl. Es waren die einzigen WM-Punkte die er überhaupt ergattern konnte – das 15 Punkte Maximum und dazu einen Sieg. Mick Grant gewann im Jahr darauf auf einer Kawasaki seinen einzigen 500er GP konnte aber später noch zwei 250 Kubik-Grand Prix gewinnen. Der verstorbene Tom Herron siegte beim letzten Rennen 1976 auf der Isle of Man in der 500 Kubik- und in der 250 Kubik-Klasse. Beim irischen Grand Prix von Ulster war es das gleiche auf dem Straßenkurs oberhalb Belfasts. Lokalheld Dick Creith sicherte sich frei Guinness Versorgung auf Lebenszeit mit seinem einzigen Grand Prix Sieg 1965.

Es gab sehr viele Fahrer, die nur einen einzigen Grand Prix in ihrer ganzen Karriere gewinnen konnten, dennoch waren sie bei weitem keine Eintagsfliegen. Piloten wie Alberto Puig, Simon Crafer, Regis Laconi, Kevin Magee standen oft kurz davor mehr als einen GP zu gewinnen. Sie hatten das Pech nur einen Sieg auf dem Konto verbuchen zu können, während Edmund Czihak nur durch Glück Einzug in die Grand Prix Annalen fanden. Wird dies je wieder passieren? Traurigerweise wohl kaum.

Tags:
MotoGP, 2005

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