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Alles, was man über Qualifikationsreifen wissen muss

Alles, was man über Qualifikationsreifen wissen muss

Alles, was man über Qualifikationsreifen wissen muss

Michelin´s Motorradrennsport Direktor Nicolas Goubert spricht über die Geheimnisse hinter den Michelin MotoGP Qualifikationsreifen.

Was ist der Unterschied zwischen Michelin Rennreifen und den Qualifikationsreifen, ändern Sie nur die Komponenten?

Der Hauptparameter, den wir ändern sind die Komponenten, aber wir ändern auch die Konstruktion. Qualifikationsreifen sind nicht dafür gemacht lange zu halten, wir wissen, dass unsere Fahrer nur eine oder zwei schnelle Runden mit ihnen fahren, wir müssen uns also nicht allzu viele Gedanken über die Temperatur oder die Ausdauer der Komponenten und des Mantels machen.

Ist der Qualifikationsreifen trotz des Gummis, der benutz wird, nur weicher?

Zuerst muss man mal sagen, dass über weichen und harten Gummi zu reden keinen großen Unterschied macht, denn eigentlich hängt alles von der Temperatur des Gummis selber ab. Man kann einen Gummi haben, der bei niedrigen Temperaturen hart ist und sehr weich bei hohen Temperaturen wird, oder man kann einen Gummi herstellen, der bei niedrigen Temperaturen weich ist und sich bei hohen Temperaturen nicht so sehr verändert, der also härter ist als die anderen Reifen. Was man von einem Qualifikationsreifen braucht ist eine sehr schnelle warm up Performance, und einen Gummi, der weicht und haftbar ist und zwar gleich nachdem der Reifen aus dem Reifenwärmer genommen wird, bei ca. 90 Grad.

Wie unterscheidet sich die Konstruktion eines Michelin Qualifikationsreifens von der eines Rennreifens?

Normalerweise haben die Qualifikationsreifen eine weichere Ummantelung, weil unser Ziel immer ist einen so großen Kontaktpunkt wie möglich zu kreieren und man bekommt eine größere Fläche, wenn der Mantel flexibler ist. Unter den Umständen ist das okay, denn die Lebensdauer macht uns nicht wirklich Sorgen. Natürlich kann man nicht drastisch anders fahren, weil man dafür die Einstellungen des Motorrades verändern müsste und die Teams haben keine Zeit das im Qualifying zu machen. Wir spielen also ein bisschen mit der Konstruktion, aber nicht sehr.

Wie lange brauchen die Michelin Rennreifen und Qualifikationsreifen, um das volle Potenzial zu erreichen?

Das liegt am Streckenlayout, der Oberfläche, dem Wetter und so weiter, aber durchschnittlich würden wir sagen, dass ein Rennreifen 1 oder 2 Runden braucht, bevor er sein maximales Potenzial erreicht hat, während ein Qualifikationsreifen vielleicht nach 3 Kurven schon soweit ist. Wenn wir einem Fahrer einen sehr weichen Qualifier geben, bitten wir ihn während der Runde nicht 100% zu geben, um den Reifen zu schützen, wir bitten ihn nur ein paar Kurven 100% zu geben, bevor er seine erste schnelle Runde startet. Es ist wichtig in diesen Kurven Gas zu geben, um die maximale Geschwindigkeit auf der Start- und Zielgeraden der schnellen Runde zu erreichen.

Machen die Teams irgendwelche Einstellungsänderungen für Qualifikationsreifen?

Die meisten nicht wegen der fehlenden Zeit. Wenn sich aber jemand wirklich auf die Qualifikationszeiten konzentriert, dann würden sie vielleicht die Einstellungen hier und dort ein bisschen verändern, aber die meisten von ihnen nehmen sich nicht die Zeit dafür.

Die MotoGP wird immer knapper und der Reifenkrieg brodelt auf, wird das Qualifying da nicht immer und immer wichtiger?

Ich würde nicht sagen immer und immer wichtiger. Es ist schon wichtig, aber das ist kein Autorennsport, Fahrer können also noch immer Rennen gewinnen, auch wenn sie nicht aus der ersten Reihe starten. Wir haben das bei Valentino (Rossi, Camel Yamaha YZR-M1-Michelin) gesehen und wir haben es in diesem Jahr auch in der Türkei bei Marco (Melandri, Fortuna Honda RC211V-Michelin) gesehen, der aus der fünften Reihe zum Sieg fuhr. Natürlich ist das psychologisch gesehen wichtig für den Fahrer auf der ersten Startreihe zu stehen, aber die Positionen können sich innerhalb einer oder zwei Runden total geändert haben.

Welche Aspekte der Performance verbessert ein Michelin Qualifikationsreifen?

Der Extra Grip verbessert vielleicht die Einfahrt in die Kurve ein bisschen, aber der Hauptunterschied ist der Grip, wenn man maximal überlehnt und am meisten die Traktion in den Kurvenausgängen.

Manche Fahrer sind auf abgefahrenen Qualifikationsreifen besser als andere, warum ist das so?

Ich würde sagen, dass der Gebrauch von Qualifikationsreifen eine sehr spezifische Übung ist. Manche Fahrer mögen es nicht ihr Motorrad/Reifen Paket gleich von der ersten Runde an voll auszunutzen. Normalerweise sind das die Jungs, die nicht so gut auf Qualifikationsreifen sind, sie ziehen es vor langsam auf die maximale Geschwindigkeit zu kommen. Valentino ist ein gutes Beispiel. Ich will nicht sagen, dass er nicht gut auf Qualifikationsreifen ist, denn er ist immer und überall gut, aber wenn man sieht, was er auf Rennreifen kann, könnte man denken, dass er auf Qualifikationsreifen unschlagbar ist. Aber er mag es nicht 100% zu geben, wenn er sich mit dem Motorrad und den Streckenbedingungen nicht wohl fühlt. Es gibt ein paar Jungs, die scheinen mit Qualifiern Vorteile zu haben, vielleicht Loris Capirossi (Ducati Marlboro Team Desmosedici) und es scheint als ob Casey (Stoner, LCR Honda RC211V-Michelin) das Potenzial dazu hat. Wenn auch immer Casey raus fährt, egal ob auf Qualifikationsreifen oder Rennreifen, kann man sich sicher sein, dass er diese Reifen von Anfang an maximal ausfährt.

Warum produziert Michelin keine Regen-Qualifikationsreifen?

Die wären zu einfach herzustellen. Vielleicht haben einige unserer Rivalen schon Regen-Qualifier hergestellt! Aber wir sehen nicht vor das zu tun.

Wie sieht es mit Vorder-Qualifier aus, werden wir die in der Zukunft sehen?

Hier muss ich wieder sagen, dass es nicht sehr schwierig wäre einen Vorder-Qualifier herzustellen, aber die Fahrer bräuchten Zeit sich auf verschiedenen Strecken daran zu gewöhnen und ihnen voll zu vertrauen. Fahrer finden es immer ein bisschen anstrengender die volle Performance aus einem Vorderreifen heraus zu holen. Wir haben noch nie Vorder-Qualifier benutzt, aber Capirossi benutzte immer den weichsten Vorder-Rennreifen, der da ist beim Qualifying, als er noch 500ccm für Sito Pons gefahren ist. Er hatte Vertrauen in diesen Reifen, weil er ein oder zweimal mit ihm gefahren ist. Aber wenn Fahrer Vorder-Qualifikationsreifen benutzen wollten und hätten die Möglichkeit sich mit ihnen wohl zu fühlen, wäre es sicher ein Vorteil. Wir wollten noch nie zuviel Energie in Qualifikationsreifen stecken. Wir haben um genau zu sein noch nie ganz zufrieden mit dem ganzen Konzept der Qualifikationsreifen. Sie verbessern vielleicht die Rundenzeiten in der Qualifikation, aber die reduzieren auch die Zeit, die die Fahrer für die Arbeit am Renn Set up haben, was viel wichtiger ist. Wir benutzen Qualifier, weil wir das um konkurrenzfähig zu sein tun müssen, aber die verbessern nicht die Show für die Fans und sie erhöhen auch nicht die Sicherheit. Wenn ein Fahrer auf einem Qualifikationsreifen draußen ist, von dem er weiß, dass er nur eine gute Runde fahren wird, wird er einfach alles tun, um jeden langsameren Fahrer in dieser einen Runde zu überholen.

Wann begann Michelin Qualifikationsreifen zu benutzen?

Wir haben zuerst begonnen sie in der Superbike WM zu benutzen, nach der Einführung der Super Pole (was den Fahrern nur eine Qualifikationsrunde erlaubt). Wir haben sie nicht in den GPs gebraucht, bis einige unserer Fahrer anfingen sie zu benutzen. Wir haben 1999 mit den 500ccm angefangen Qualifier zu benutzen.

Wie viele Qualifier haben Sie für jeden Michelin Fahrer?

Wir begannen mit zwei Reifen pro Fahrer, pro Event, aber dann haben wir mitbekommen, dass einige unserer Mitstreiter ihren Fahrern mehr Qualifiers gegeben haben, wir riskierten also nicht auf die erste Reihe zu kommen. Seit der Mitte des letzten Jahres geben wir jedem Fahrer drei Qualifier, auch wenn nicht alle Fahrer immer alle Reifen nutzen. Manchmal geben wir einem Fahrer, der versucht mit etwas Extra Grip ein Problem zu lösen oder mehr Informationen braucht einen Qualifier. Beim Spanischen GP haben wir Casey Stoner am Samstagmorgen einen Qualifier gegeben, weil er zuvor noch nie einen benutzt hatte, er musste also wissen, wie das sein würde.

Tags:
MotoGP, 2006

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