Neu auf motogp.com?Hier registrieren

Ticket-Kauf
VideoPass-Kauf

2006 im Rückblick: Porto beendet seine Karriere in der WM

2006 im Rückblick: Porto beendet seine Karriere in der WM

2006 im Rückblick: Porto beendet seine Karriere in der WM

Nach einem turbulenten Beginn seiner Saison traf der argentinische Fahrer Sebas Porto die überraschende Entscheidung beim Katalonischen Grand Prix seinen Rückzug aus der Welt des Rennsportes bekannt zu geben. In einem Interview, das er nach seiner emotionalen Pressekonferenz gegeben hat, erklärt Porto seine Entscheidung und seine Gefühle nach dem Rückzug.

Barcelona war ein komisches Wochenende für dich, oder? An der Wand zu stehen und deinen ehemaligen Rivalen auf der Strecke nach zehn Jahren unter ihnen nun zusehen zu müssen, war sicher nicht einfach.

„Es ist ein komisches Gefühl. Die Wahrheit ist, dass es das erste Mal in meiner ganzen Sport-Karriere ist – fast 13 Jahre in Europa – dass ich mir alles von der anderen Seite, nicht vom Motorrad aus, ansehe. Ein echt eigenartiges Gefühl, aber ich bin innerlich sehr ruhig, weil es meine eigene Entscheidung gewesen ist. Ich habe sie allein getroffen und das habe ich mir ganz genau überlegt. Wenn die Entscheidung von jemandem anderen gekommen wäre, wie dem Team, meiner Familie oder den Sponsoren, dann wäre es ein Gefühl, dass mich jemand gezwungen hätte es zu tun. Aber das war ganz allein meine Entscheidung, auch wenn sie sehr hart war, ich denke, dass es das Richtige war und in ein paar Monaten wird es mir wieder besser gehen."

Hast du es bereits verarbeitet?

"Ja, habe ich. Und ich habe es gut verarbeitet, weil es keine Entscheidung war, die ich über Nacht getroffen habe. Ich habe da einige Wochen drüber nachgedacht und ich habe die Entscheidung erst letzte Woche getroffen. Wenn ich heute auf dem Motorrad gesessen hätte, hätte ich das nicht mehr so genießen können wie zuvor und wenn man es nicht genießt ist es schwierig, weil die Probleme dann immer größer werden."

Es muss schwierig sein unwillentlich auf ein Motorrad steigen zu müssen, ohne Spannung und mit dem Wissen, dass es viele Probleme gibt.

"Das wäre vielleicht passiert, wenn ich mit dem Rennsport weiter gemacht hätte. Bis Frankreich war ich derselbe Fahrer wie immer, die Idee hatte ich glaube ich in Mugello. Ich habe mein Bestes gegeben, ich habe immer mein Bestes gegeben und ich hatte nie irgendwelche komischen Gedanken. Aber das Motorrad und ich haben uns einfach nicht verstanden: ich konnte das Motorrad nicht verstehen und das Motorrad ließ mich nicht so fahren wie ich es zuvor getan habe. Und wenn man dann müde wird und man beginnt an solche Dinge zu denken, muss man cool bleiben und alles analysieren, denn diese Art von Entscheidung zu treffen ist nicht leicht. Aber man muss nun mal Wahlen im Leben treffen und ich denke, dass ich mich so entschieden habe, wie ich mich wirklich gefühlt habe. Ich habe immer versucht Menschen nicht zu betrügen, keine Sachen zu versprechen, von denen ich wusste, dass ich sie nicht erreichen kann."

Wie ging der innere Prozess von statten, durch den du diese schwierige Entscheidung getroffen hast?

"Ich kann mich nicht genau erinnern, wann diese Idee in meinem Kopf zu spuken begann, aber es war mehr oder weniger nach dem Rennen in Frankreich und es kam so wegen einer ganzen Hand voll Dinge. Zuerst habe ich darüber nachgedacht wie viel länger ich dort sein würde, weil sich manche Dinge eben einfach anstauen. Vielleicht waren die letzten schlechten Ergebnisse die, die das Glas zum springen gebracht haben und dann lief einfach das Wasser bei mir über. All meine Opfer, diese ganzen Jahre war ich weit weg von meiner Familie, habe meine Jugend hinter mir gelassen… das macht einem zu schaffen. Der endgültige Faktor, durch den ich gesagt habe „Genug!" war, dass ich nicht mehr so viel Spaß auf dem Motorrad wie vorher hatte. Wenn ich unter diesen Bedingungen weiter gemacht hätte, wäre das ein großes Opfer gewesen, ich hätte etwas erzwungen, das ich nicht mehr wollte und in dieser Welt kann man das Risiko nicht eingehen weniger als 100% dabei zu sein."

Was würdest du all den Argentiniern sagen, die sich Sorgen um dich machen, bevor du zurückkehrst?

"Lange Zeit war ich fast der einzige Fahrer, der in der Weltmeisterschaft gefahren ist und deshalb sind die Nachrichten eben noch spezieller für mein Land. Aber ich denke, dass es die Menschen generell akzeptiert haben. 90% der Leute verstehen es und unterstützen mich, es gibt auch ein paar Prozent, die es ehrlich gesagt nicht verstehen, weil sie nicht hier sind, die wissen nicht, was diese Welt abgesehen vom Sport bedeutet. Die wissen nichts über die Reisen, die Ermüdung, die Sehnsucht und viele andere Dinge. Und das einzige, was ich sagen kann ist, dass es eine persönliche Entscheidung war, von der ich hoffe, dass sie respektiert wird und auch wenn ich nun aufgehört habe, werde ich doch irgendwie daran weiter arbeiten, dass sich argentinischer Motorradrennsport weiter verbessert. Es ist noch nichts entschieden, aber unsere Idee ist es zusammen mit den Leuten von Repsol einige Projekte weiter zu führen, nach jungen, viel versprechenden Fahrern in Argentinien zu suchen. Ich würde das sehr gern tun, weil ich nicht vollkommen mit dem aufhören möchte, was solange Zeit mein Leben war. Ich denke, dass ich noch immer sehr jung bin und dass ich viele Chancen habe viele Dinge zu tun." Was hat dir Alberto Puig geraten? Hat er dich irgendwie unterstützt?

"Wir alle kennen Alberto, er ist immer sehr direkt. Er sagte mir, dass er es irgendwie verstehen kann, weil es eine persönliche Entscheidung ist und dass er es aber auch nicht verstehen kann, weil er mich als jungen Fahrer mit so vielen Möglichkeiten sieht. Aber er hat ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass er meine Entscheidung respektiert und ich möchte dies nutzen, um mich bei Alberto zu bedanken und auch bei Honda und Repsol YPF, die mich immer unterstützt haben. Wenn man etwas wie dieses entscheidet, ist es nicht leicht so unterstützt zu werden, wie sie mich unterstützt haben. Ich bin sehr dankbar und auch wenn ich es schon viele Male gesagt habe, denke ich, dass ich dieses Jahr im besten Team war, in dem ich je ein Teil gewesen bin, technisch gesehen und auch auf persönlichem Niveau. All diese Jahre mit Repsol YPF zusammen gearbeitet zu haben macht mich sehr stolz und ich konnte danke Repsol YPF Rennen gewinnen und um den WM Titel kämpfen. Ich hoffe wirklich in der Zukunft weiter mit ihnen zusammen arbeiten zu können."

Lass uns ein bisschen weiter zurückgehen. Zehn Jahre in der Weltmeisterschaft, ein Vize-WM-Titel, 7 Siege und 19 Podiumsplätze, 11 schnellste Runden… Welcher ist der Moment, an den Sebastian Porto die besten Erinnerungen hat?

"Es gab viele und sehr gute Momente und es gab auch harte und schwierige Momente. Die Wahrheit ist, dass es schwer ist einen zu wählen. Jeder Sieg ist eine besondere Erinnerung, aber jedes Mal, wenn man ein Rennen gewinnt, hat man nicht viel Zeit das zu genießen, weil das Rennen dann vorbei ist, man genießt seinen Sieg am Sonntag und am Montag denkt man schon wieder an das nächste Rennen. Das ist eine sehr anspruchsvolle Welt, ich denke, dass ich nach einiger Zeit meine Errungenschaften auswerten kann. Ich habe viel erreicht, wenn man bedenkt, dass ich aus Argentinien komme. Ich schaffte es Rennen in der WM zu gewinnen, ich habe einen europäischen Titel erreicht und war Vize-Meister in der WM, das ist das Beste, was ich erreicht habe. Vielleicht würde ich die beiden aufeinander folgenden Siege in Holland, Assen wählen. Dort zu gewinnen, auf einer so historischen Strecke wie Assen, war vielleicht einer der glücklichsten Momente meiner Sportkarriere."

Und die schlechteste Erinnerung oder das bestimmte Etwas, das du vermisst hast?

"Ich sage immer, dass meine schlechteste Erinnerung in diesem Sport das Jahr 1998 war, weil es ein sehr hartes Jahr für mich war. Ich war drauf und dran alles hinzuschmeißen, weil ich kein einziges gutes Ergebnis erreicht habe, denn die Leute, mit denen ich zusammen war, haben mir erzählt, dass meine Sportkarriere vorbei wäre. Ich erinnere mich, es war im späten Januar, die IRTA Tests waren fast ran und ich hatte weder ein Motorrad noch ein Team. Doch dann passierte das Unglaubliche und ich weiß nicht wie, aber es gab ein italienisches Team Edo Racing, die mir eine Yamaha anboten, um in der Saison weiter in der Meisterschaft mitzufahren."

Du standest in deiner sportlichen Karriere vielen Fahrern gegenüber. Welcher stach dabei am meisten raus?

"Ich denke dass es wahrscheinlich Dani Pedrosa war, weil er auch der härteste Rivale war, gegen den ich in der Meisterschaft gekämpft habe. Er war in diesen letzten beiden Jahren ein harter Rivale für uns alle. Manchmal konnte ich zeigen, dass ich schneller sein konnte als er und ich habe einige Rennen gewonnen, aber er war einer dieser konsistent harten und sehr regulären Fahrern und ich denke, dass es nicht viele Fahrer gibt, die diese Qualitäten vereinen. Man kann im Qualifying schnell sein und schnell im Rennen, aber dann muss man auch konsistent sein. Man darf keinen Fehler machen und man muss mental sehr stark sein und ich denke, dass Dani all diese Qualitäten besitzt. Abgesehen von Dani auch Valentino Rossi. Im Moment denke ich, dass sie die einzigen beiden Fahrer sind, die den anderen allen einen Schritt voraus sind."

Und um zum Ende zu kommen, was bedeuten diese Worte für dich Sebas…

Verletzungen

"Fast nichts. Gott sei Dank hatte ich nur ein paar kleine Zwischenfälle in all den Jahren, aber die schlimmste Verletzung, die ich hatte war ein Riss in einer Rippe. Ich habe zwei oder dreimal das Bewusstsein nach einem Sturz verloren, ich denke das war das Schlimmste. Wenn wir aber alle Stürze analysieren, war das wirklich nicht so schlimm."

Fans

"Ich denke, dass die italienischen und spanischen Fans, besonders die spanischen Fans, mich immer unterstützt haben und mir ein zweites zu Hause gegeben haben. Von Menschen geliebt zu werden ist etwas, das ich sehr schätze, besonders diese letzten beiden Jahre, wenn man bedenkt, dass ich der Rivale eines spanischen Fahrers war. Die Leute jubeln einem zu, wenn man im Paddock und auch außerhalb unterwegs ist, während man gegen einen lokalen Fahrer ankämpft, das ist etwas, was ich sehr zu schätzen weiß. Und wenn man die Leidenschaft bedenkt und wie sie allem folgen ist denke ich besonders Jerez eines der besonderen Rennen für mich."

Paddock

"Das Paddock ist wie ein zu Hause für uns alle. Es ist eine Welt, die man sehr intensiv erlebt. Wenn man dort ist, ist es wie in einer anderen Welt zu sein. Man vergisst viele Dinge, wenn man dort ist und man hat vier oder fünf Tage um sich von allem zu verabschieden und sich abzunabeln. Wir alle kennen einander, wir sind immer dieselben Leute, es ist also wichtig miteinander auszukommen, weil man sich bei jedem Rennen wieder trifft und man kann sich nicht wohl fühlen, wenn man mit jemandem Probleme hat. Man muss darüber hinaus professionell sein."

Und zu guter letzt: die Medien

"Sehr gut. Die Medien haben mich immer respektiert und ich muss unterstreichen, dass meine Beziehung zur Spanischen Presse sehr gut ist, weil sie mir ein sehr gutes Gefühl gegeben haben und sie mich immer respektiert haben. Ich kann mich wirklich an keine Zeit erinnern, die hart für mich war oder in der ich kritisiert wurde, sie waren immer korrekt zu mir und sie haben immer über mich geredet und das möchte ich herausheben und vor allem danke ich der spanischen Presse für ihre immer nette Behandlung mir gegenüber."

Tags:
250cc, 2006

Weitere Updates, an denen du interessiert sein könntest ›