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Lin Jarvis: "Wir haben zwei Fahrer, die um den Titel kämpfen können"

Lin Jarvis: "Wir haben zwei Fahrer, die um den Titel kämpfen können"

Nach dem zweiten positive Test in Sepang traf sich motogp.com mit dem Yamaha Motor Racing Geschäftsführer Lin Jarvis, um seine Ansichten über Yamahas Herausforderungen 2012 und ihre Erwartungen für alle vier Fahrer auf der YZR-M1 zu erfragen.

Wie ist die Grundstimmung bei Yamaha nach den beiden Sepang-Tests?
“Ich würde sagen wir fühlen uns ziemlich optimistisch und heiter, obwohl wir momentan nicht führen, sind wir nah dran. Die vier Yamaha Fahrer haben bei den ersten beiden Tests gut gearbeitet, sie fuhren konstant und schnell, also denken wir, dass wir in ziemlich guter Form sind. Wichtig ist, dass wir konkurrenzfähig sind, wir sind nah an den Honda."

Wie ist die Yamaha Ihrer Meinung nach momentan von den Honda weg?
“Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir die Lücke schon geschlossen. In diesem Jahr starten alle mit neuen Maschinen und den neuen 1000ccm Regeln und der Fakt, dass jeder bei Null startet hat Hondas Vorteil aus dem Ende des letzten Jahres zunichte gemacht und erlaubte uns, wieder bei Null zu starten. Was die Bereiche angeht, in denen wir noch näher herankommen müssen, denken wir ehrlich, dass wir überall nur eine Zehntelsekunde herausholen müssen, sei es beim Bremsen, beim Beschleunigen oder am Grip. Wir müssen das Gesamt-Paket nur noch Feintunen. Wir sind in keinem speziellen Bereich aus der Zone raus, wir müssen nur alles perfektionieren und dann sollten wir mit ihnen mithalten können. In Sepang haben wir eine Rennsimulation durchgezogen, die ziemlich gut war. Wir waren einige der Einzigen, die mehr oder weniger eine komplette Rennsimulation gefahren sind und die bewies, dass wir die schnellen Zeiten fast über die ganze Renndistanz halten können also gibt uns das zusätzlichen Optimismus."

Denken Sie, dass Stoner in diesem Jahr aufzuhalten ist? Können Jorge oder Ben eine richtige Herausforderung darstellen?
“Ja, ohne Zweifel. Ich denke wirklich, dass Jorge und Casey in den letzten beiden Jahren die führenden Fahrer waren und ich denke, dass es in dieser Saison genauso wird. Der Unterschied zwischen den beiden ist geringfügig; es kommt auf die jeweilige Strecke und auf viele andere Umstände an. Casey hatte letztes Jahr ein berauschendes Jahr, er hat keinen Fehler gemacht, Jorge hat das gleiche ein Jahr zuvor gemacht. Also wird es meiner Meinung nach höchstwahrscheinlich von Beginn der Saison an ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Jorge und Casey. Für Ben wird es das dritte Jahr mit Yamaha in der MotoGP. Letztes Jahr hatte er eine etwas ausgedörrte Zeit mit einigen Dingen, die in seiner Vorbereitung, seiner Gesundheit und so nicht perfekt waren, aber er hat mit dem Rennsieg gezeigt, wozu er in der Lage ist. Wir hatten in den letzten beiden Tagen beide Fahrer hier im Büro in Monza und ich würde sagen, sie sind in großartiger Form, körperlich, mental, sie sind unverletzt... Ben hatte am letzten Tag in Sepang 2 einen kleineren Sturz, aber er hat sich komplett erholt und blickt positiv in die neue Saison. Das Bike ist "a posto", wie man in Italien sagt. Die Fahrer sind in guter Form, bereit zu fahren und das Team arbeitet gut. Momentan können wir das erste Rennen kaum erwarten. Wir wissen, dass wir einen weiteren Test fahren müssen, aber ich wäre glücklich, schon morgen Rennen zu fahren."

Sie haben bereits den Titelkampf von Jorge in diesem Jahr vorausgesagt. Was erwarten Sie von Ben?
“Seine persönliche Erwartung ist es, genauso um den Titel zu kämpfen und für uns ist das genauso. Wir haben zwei Fahrer, die definitiv in der Lage sind, um den Titel zu kämpfen. Ich würde sagen, der Unterschied ist, dass Jorge schon in den letzten drei Jahren bewiesen hat, dass er bereits dort ist, denn er war in den letzten drei Jahren Zweiter, Erster und nochmal Zweiter. Ben ist im letzten Jahr auf die fünfte Position geklettert, also hat er das Potential zu siegen. Ob er das eine ganze Saison lang durchziehen kann - es spricht nichts dagegen. Ich rechne definitiv mit einer Top-3-Potition für Ben am Ende des Jahres, dazu ist er meiner Meinung nach fähig."

Welche Bereiche am Motorrad hat Yamaha verbessert, insbesondere an der 1000cc-Maschine?

"Wir haben einen neuen Motor mit neuem Leistungsvermögen, deshalb ist es schwierig zu sagen, wo wir uns verbessert haben. Ich würde aber sagen, dass wir viele positive Punkte beibehalten haben, für die wir berühmt sind, vor allem das Chassis. Das Motorrad ist sehr gut ausbalanciert und das Fahrgestell ist gut. In der Vergangenheit fehlte unserem Motor vielleicht der letzte Kick und unsere Konkurrenten hatten Triebwerke, die besser beschleunigen. Das Problem ist gelöst. Mit der 1000er steht jetzt mehr als genug Power zur Verfügung. Es geht jetzt um Motoren- und Power-Management sowie ein gutes Chassis, um diese Kraft zu nutzen."

Die Test-Resultate von Crutchlow und Dovizioso waren vielversprechend. Wie wird sich die Saison ihrer Ansicht nach entwickeln?

"Cal hat bei uns viel Erfahrung gewonnen. Ich glaube, in diesem Jahr wird er seinen Nutzen daraus ziehen. Die Maschine und unser gesamtes Paket sind sehr konkurrenzfähig. Ich erwarte, dass Cal besser abschneidet als im Jahr zuvor. Für Cal wird die Konstanz sehr wichtig sein. Er ist sehr schnell und hat sich bei den letzten Tests in toller Form präsentiert. Er muss das bloß bei jedem Rennen zeigen."

"Bei Andrea ist es genau andersherum; Konstanz ist seine große Stärke. Nach dem Wechsel von Honda muss er sich natürlich noch an den Stil der Yamaha gewöhnen, aber der zweite Test hat uns beeindruckt. Nach dem ersten hatten wir noch das Gefühl, dass ihm noch viel Arbeit bevorsteht, bis er sich an die Art und Weise, die Yamaha zu fahren, gewöhnt hat. Die Schulterverletzung vom Motocross hat ihn ebenfalls behindert. Er ist noch nicht bei 100 Prozent, aber mit Platz drei bei den letzten Tests hat er bewiesen, dass er sich auf das Motorrad eingestellt hat. Die hohen Kurvengeschwindigkeiten - die Yamaha ist in Kurven normalerweise schneller als die Honda - sollten ihm entgegenkommen. Deshalb rechne ich mit einer sehr guten Saison von Andrea. Und auch Cal sollte einen Schritt nach vorne machen. Als ein Satelliten-Team ist Tech 3 alles in allem sehr gut aufgestellt."

Wir haben gesehen, dass Ben auf dem Satellitenbike bei Tech 3 auf dem Podest landen konnte. Da alle vier Fahrer in dieser Saison mehr oder weniger mit gleichen Maschinen starten, erwarten Sie, dass Cal und Andrea das Gleiche machen können?
“Absolut! Ich denke, das Bike hat das Potential, um auf dem Podium zu landen. Ich habe keinen Zweifel. Es kommt darauf an, wie die Rennen ablaufen, es können so viele Dinge passieren. Aber gleichzeitig dürfen wir den reinen Speed von Casey, Jorge, Ben und Dani nicht unterschätzen, vier wirklich schnelle etablierte Fahrer. Es ist nicht leicht, sie zu schlagen, aber dann ist Andrea wiederum jemand, der das definitiv tun kann, das hat er im letzten Jahr bewiesen, er wurde Dritter in der Meisterschaft, also warum nicht? Podestplätze liegen definitiv in Reichweite und ich denke, dass sogar Rennsiege möglich sind, besonders für Andrea."

Jetzt, wo alle Fahrerverträge für dieses Jahr unter Dach und Fach sind – was sind Yamahas Ziele für 2013? Wollt ihr mit den bisherigen Fahrern weitermachen?
"Jemand fragte mich gestern 'Welche Fahrer haben Sie für dieses Jahr im Auge?’ Ehrlich gesagt gucke ich mir die Beiden an, die wir schon haben. Die Ben/Jorge-Kombination ist exzellent für uns. Beide sind extrem talentiert und extrem schnell. Meiner Meinung nach ist das die beste Kombination, um den Titel zu kämpfen, Jorge oder Casey im Team zu haben. Wir haben Jorge im Team. Deshalb ist meine erste Priorität, ihn zu halten. Hoffentlich hat Ben ein gutes Jahr. Dann können wir auch mit Ben weiter nach vorne gehen. Meine Priorität ist also, dieses Jahr gute Ergebnisse mit unseren beiden Fahrern zu holen und unseren Vertrag mit ihnen hoffentlich auch in Zukunft weiter auszubauen."

Sind Sie beunruhigt, dass Sie Lorenzo nicht halten können, wenn die Yamaha nicht so konkurrenzfähig ist, wie die Honda?
"Es gibt nie Grund sich über etwas Sorgen zu machen, das man nicht beeinflussen oder kontrollieren kann. Wir müssen abwarten und dann weitersehen. Wenn sich Honda aggressiv um unsere Fahrer bemühen sollte, wäre das ein Problem. Aber darüber mache ich mir keine Sorgen - ich hoffe aber, dass das nicht der Fall sein wird."

Gibt es eine Möglichkeit, dass Dovizioso ins Werksteam aufsteigt, wenn er ein gutes Jahr hat?
"Absolut. Auch wenn wir schon die ein oder andere Idee im Sinn haben, ist 2013 noch ein weißes Blatt Papier. Aber alles ist möglich. Wenn sich Andrea gut auf das Motorrad einstellt und eine hervorragende Saison hat, dann ist er meiner momentanen Ansicht nach, der dritte Fahrer. Alles ist möglich. Lasst uns abwarten, wie die Saison losgeht und wer sich zuerst bewegt."

Der letzte Test in Jerez steht vor der Tür. Werden wir dort große Veränderungen sehen?
“Es wird keine großen Änderungen geben. Wir werden feintunen, ein paar neue Dinge ausprobieren, ein paar kurzfristige Einstellungen vornehmen, um grundsätzlich für das erste Rennen bereit zu sein. Wir haben bisher nur zwei Mal in Sepang getestet, also wird es interessant einige Dinge auszuprobieren, die wir für das Jerez Rennen später in diesem Jahr brauchen und einfach nur die Dinge auf einer anderen Strecke auszuprobieren. Zum Beispiel hatte Honda in Sepang einige Chattering-Probleme und ich bin mir sicher, dass sie extrem neugierig sind, ob sie die gleichen Probleme in Jerez auch haben. Verschiedene Strecken geben dir die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven auf Probleme zu bekommen, auf die starken und schwachen Punkte, die du hast, aber es wird keine großen Änderungen geben."

Tags:
MotoGP, 2012, Yamaha Factory Racing

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