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Menschen aus dem Fahrerlager: Phillip Öttl

Hinter den MotoGP™-Stars, den Hauptakteuren der Motorrad-WM, stehen Hunderte von Menschen, die im Fahrerlager „Hinter den Kulissen” dafür sorgen, dass alles reibungslos funktioniert. In dieser Serie stellen wir Ihnen eine Auswahl der Menschen vor, die auf unterschiedlichen Wegen ins MotoGP™-Paddock gekommen sind, aber auch junge Talente, die erst am Angang ihrer Karriere stehen.

Mit jungen 16 Jahren kann Phillip Öttl aus dem bayrischen Ainring, direkt an der österreichischen Grenze, bereits auf über zehn Jahre Motorrad-Erfahrung zurückblicken. Nachdem der Sohn von Ex-Grand-Prix-Pilot Peter Öttl den Red Bull MotoGP Rookies Cup 2012 auf dem vierten Platz beenden konnte, startete er im Grand Prix von Valencia erstmals in der WM und belegte in seinem Debüt-Rennen einen unglaublichen elften Platz. Im Jahr 2013 wird er im TT Motion Events Racing-Team seine erste Vollzeit-Saison in der Weltmeisterschaft bestreiten.

Phillip, du bist 16 Jahre alt, wie und wann hat deine Rennsportgeschichte begonnen?

Als ich klein war wollte ich schon immer ein Motorrad. Mein Vater meinte, wenn ich fünf bin. Zu meinem fünften Geburtstag war es dann so weit. Eigentlich bin ich zu Beginn immer Motocross und Supermoto gefahren und habe erst 2009 angefangen, Straßenmotorrad zu fahren.

2008 bin ich in der Supermoto gestartet und Österreichischer Meister geworden. Parallel dazu bin ich auch Minibike gefahren. Das hatte mir gefallen und so habe ich 2009 am ADAC Junior Cup mit der 125er-Aprilia teilgenommen. Dort ging es dann relativ schnell und ich bin Gesamt-Zweiter geworden. Dadurch durfte ich dort nicht mehr fahren, denn die Erst- und Zweit-Platzierten müssen aufsteigen und so bin ich ab 2010 zwei Jahre in der 125er-Klasse der Deutschen Meisterschaft und im Red Bull Rookies Cup gefahren.

Dieses Jahr sind wir auch in die Spanische Meisterschaft eingestiegen und sind ein weiteres Jahr im Rookies Cup gestartet.

War dein Vater bei den Rennen immer an deiner Seite und hat dir geholfen?

Ja. Am Anfang war es auch immer nur Spaß. Aber je höher man gestiegen ist, desto emotionaler, ernster und anspruchsvoller wurde es. Der Spaß ist zwar immer dabei, aber wenn man Erfolg hat, dann hat man noch mehr Spaß.

Was sagt deine restliche Familie dazu, dass du dich für eine Rennsportkarriere entschieden hast?

Meine Oma sagt immer, ich soll nicht so viel riskieren. Aber das geht natürlich nicht. Sie haben alle Verständnis dafür. Wenn ich Fußball spielen würde, wäre es wahrscheinlich auch nicht anders. Meine Mutter kommt dennoch nie mit zu einem Rennen. Sie schaut es sich lieber im Fernsehen an. Aber sie freuen sich immer, wenn wir wieder gesund nach Hause kommen.

Wie regelst du das mit deiner Schule? Denn nächstes Jahr fährst du in der WM und du wirst nicht mehr viel Zeit haben.

Wenn die Noten und das Benehmen passen, darf ich auch unterwegs sein. Ich gehe jetzt in die zehnte Klasse der Realschule in Freilassing und werde nächstes Jahr im Sommer meine Abschlussprüfungen machen. Zu denen muss ich eigentlich da sein, es gäbe aber auch einen Ersatztermin.

Möchtest du danach eine Berufsausbildung beginnen?

Das ist sehr schwer zu sagen. Es gibt drei Möglichkeiten. Ich könnte zur Sportfördergruppe der Bundeswehr gehen, weitere Möglichkeiten wären aber auch, die Schule weiterzumachen oder eine Berufsausbildung zu beginnen. Zu dem Thema werde ich mich mit einem Berufsberater zusammensetzen. Im Motorradsport kann es so schnell vorbei sein, wenn du deine Leistung nicht bringst oder verletzt bist. Daher denke ich, braucht man noch ein zweites Standbein.

Wie sieht dein Trainingsplan aus?

Ausdauer ist wichtig, Muskelkraft braucht man nicht viel. Ich trainiere mit Rennrad- und Mountainbike-Fahren und Laufen.

Nachdem du im Red Bull Rookies Cup in diesem Jahr den vierten Gesamtplatz erreicht hast, konntest du in Valencia mit einer Wildcard dein WM-Debüt geben.

Wir haben festgestellt, dass wir dieses Jahr in der Spanischen Moto3-Meisterschaft und im Rookies Cup gut dabei waren. Wir hatten eine Wildcard beantragt, aber nie richtig gewusst, ob wir sie bekommen. In Aragón kam dann die Bestätigung, dass es klappt.

Da haben wir natürlich entschieden zu starten, denn wir kennen die Strecke bei allen Bedingungen gut, wir waren zuvor beim Testen dort, hatten also eine gute Vorbereitung und ich denke das Resultat und der Zeitenrückstand in den Trainings spricht für sich.

Nach deinem Wildcard-Start wirst du ab 2013 mit dem TT-Motion-Events-Racing-Team von Daniel Epp und Terrell Thien auf einer Kalex-KTM bereits deine erste Vollzeit-Saison in der Moto3™ bestreiten. Wer hat den ersten Schritt gemacht?

Beim Rookies Cup ist man ja immer im Fahrerlager präsent. Mein Vater führt meistens die Gespräche, da kann ich mich auf ihn verlassen. Er hatte es soweit wie möglich eingefädelt. Wir haben uns in der Mitte getroffen, sie sind auf uns zugekommen und wir sind auf sie zugekommen. Wir haben uns gut einigen können auf zwei Jahre mit der Option für ein drittes. Das ist nicht schlecht.

Ich kann die ganze Mannschaft mitbringen, mit der ich schon drei Jahre zusammenarbeite. Mein Vater hat immer Data-Recording gemacht und dann habe ich noch zwei Mechaniker, Stefan Kirch und Alex Linortner. Das ist ein Vorteil. Ich denke es ist gut, wenn man sich kennt und nicht mit neuen Leuten zusammenarbeiten muss.

Dein Vater hat in seiner aktiven Motorsport-Karriere fünf Grand-Prix-Rennen gewonnen. Ist das ein zusätzlicher Druck für dich?

Nein, überhaupt nicht. Es muss nicht heißen, wie der Vater so der Sohn. Es kann sein, dass ich nie etwas reiße, es kann aber auch sein, dass ich besser werde als er. Ich denke, wir haben das Material und das Zeug dazu, dass wir im ersten Jahr gut dabei sind. Es ist wichtig, dass wir um Punkte fahren können, und ich denke, dass wir das zusammen schaffen können.

Was ist dein Ziel für die Zukunft, wo willst du mal hin?

Ziel für die Zukunft ist natürlich, Weltmeister zu werden. Oder zumindest immer dort zu fahren, wo die Kamera ist, dass heißt weit vorn. Im nächsten Jahr konstant in die Punkte zu fahren, wäre nicht schlecht. Am Anfang vielleicht noch nicht, aber später schon. Warum sollen die Deutschen länger brauchen, als die Spanier.

Ihr seit ja jetzt ein paar deutsche Newcomer. Kennt ihr euch alle gut und seit befreundet?

Ja, Florian Alt kenne ich aus dem Rookies Cup und Amato kenne ich aus der Spanischen und Deutschen Meisterschaft. Wir sind alle auf einer Stufe. Plus-Minus, manchmal ist der eine, manchmal der andere besser. Und ich denke, wir sind alle gut und können irgendwann im Laufe des Jahres auch um Top-10-Plätze kämpfen.

Hast du Idole im Motorradrennsport?

Eigentlich nicht direkt. Mein Vater ist meine Ansprechperson, wenn ich irgendein Problem habe. Wir gehen im Winter zusammen Motocross und Supermoto trainieren. Mittlerweile sind wir beim Motocrossfahren auf einem Level. Es macht einfach Spaß, wenn man jemanden hat, mit dem man abseits und auf der Strecke reden kann. 

 

Tags:
MotoGP, 2013, Philipp Oettl

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