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Eine Frage der Zeit: Interview mit Ben Spies

Eine Frage der Zeit: Interview mit Ben Spies

Ben Spies hat im wahrsten Sinne des Wortes im Jahr 2013 einige blaue Flecken davongetragen. Nur zwei MotoGP™-Rennen konnte er in dieser Saison bestreiten. Der Ignite Pramac Racing-Fahrer, dessen jüngsten Verletzungen von Indianapolis stammen, sprach exklusiv mit motogp.com.

Nachdem er beim Grand Prix of the Americas unter immensen Schmerzen in der Brust litt und die Auswirkungen einer Schulterverletzung von Malaysia aus dem letzten Jahr immer noch spüren musste, war Spies endlich bereit, in Indy sein Comeback zu feiern - doch dann stürzte er im Freien Training und war sofort wieder außer Gefecht gesetzt. Der Texaner sprach über seine Genesung, die schiere Frustration darüber, nicht in der Lage zu sein, Rennen zu fahren und stellte einige Fahrerlager-Gerüchte richtig ...

Wie fühlst du dich in Bezug auf deine körperliche Verfassung?

Jetzt mal ganz ehrlich, es ist alles viel besser, als vorher. Indy war wirklich hart. Ich kann nicht genug betonen, wie schwer die letzten neun oder zehn Monate waren. Es war auch für viele andere Leute frustrierend: Ducati, Fans und so weiter. Ich will mich nicht selber bemitleiden, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand verstehen kann, wie frustrierend es für einen Fahrer ist. Aber das ist Teil des Spiels. Ich kam nach Indy und fühlte mich gut. Das war das erste Mal, dass ich wirklich wieder 100% Motorradfahren konnte und eigentlich bin ich immer noch dabei, das Bike kennenzulernen. Als ich zu Beginn der Saison gefahren bin, war ich nie 100% und konnte es deshalb nicht komplett verstehen. Ich dachte, wir machen einen guten Job in Indy und dann, mit einem dummen Fehler, stürzte ich auf meine linke Schulter. Auch wenn es ein langsamer Sturz war, hatte ich einen wirklich heftigen Aufprall und eine sehr schlimme Schulter-Separation.

Es war wirklich Pech. Was ist dir durch den Kopf gegangen, als du vom Bike in Richtung Grünstreifen gelaufen bist?

Ich wusste, bevor ich überhaupt angehalten wurde, dass etwas kaputt oder mit meiner Schulter passiert war. Ich dachte zuerst, dass es das Schlüsselbein war, aber sobald ich unter meine Kombi fasste, konnte ich spüren, dass es eine Separation war. Viele Leute sagen, und das bis heute, dass die Schulter ausgerenkt war, aber die Diagnose war eine Seperation von 5 Grad. Schlimmer geht es kaum. Vor langer Zeit hatte ich einmal eine Separation meiner rechten Schulter von 2 oder 3 Grad, und ich war in der Lage, damit Rennen zu fahren, aber bei 5 Grad gibt es keine Möglichkeit. Wir mussten es operieren lassen. Nach all den anderen Verletzungen, der Denkprozess, der dir durch den Kopf geht ... es war einfach demoralisierend. Das war ziemlich schwer hinzunehmen.

Also ist im Moment kein Training möglich ...

Überhaupt nicht. Es ist hart. Ich kann auf einem Liegerad sitzen. Das ist alles, was jetzt möglich ist und das hat gerade erst begonnen. Wie ich schon sagte, als der Sturz passierte, war es sehr frustrierend. Als ich im Medical Centre saß ... die Gedanken, die dir durch den Kopf gehen - das Team, die Fans, alle, die gewartet haben, und mir mit meiner Reha geholfen haben und alle zu Hause - all die harte Arbeit, um wieder zurückkommen zu können. Der Arzt, mit dem ich in Dallas arbeite, ist der Arzt der Dallas Cowboys (National Football League / NFL-Team). Er war wegen einem Spiel nicht da, aber er hatte mich sofort angerufen, um den nächsten Schritt vorzubereiten. Wenn man Probleme, wie wir sie hatten, durchleben muss, war es schön, diese Unterstützung zu erhalten.

Du bist es gewohnt, draußen zu sein und um die Welt zu reisen. Was machst du im Moment - zu Hause sitzen?

Ziemlich viel. Ich verfolge alle Rennen und ich habe versucht, nichts von der Moto3™, Moto2™ und MotoGP™ zu verpassen. Ich habe alles beobachtet, die verschiedenen Fahrer, wer macht welche Fortschritte und welche Motorräder laufen gut. Ich versuche einfach, die Zeit zu vertreiben. Ich glaube, ich bin auf dem Weg, ein recht guter Film-Experte und Kritiker zu werden!

Was denkst du von den Rennen und dem Kampf an der Spitze?

Ich denke, es war großartig. Jorge hat in Silverstone einen fantastischen Job gemacht und ich glaube, dass es etwas war, was er tun musste, um die Meisterschaft am Leben zu halten. Er ist in der letzten Kurve ein großes Risiko eingegangen, aber es hat funktioniert. Márquez war auch fantastisch, trotz ausgerenkter Schulter war er noch in der Lage, solche ein Rennen zu bringen. Jeder sieht, dass er super viel Talent hat und er könnte in diesem Jahr sehr wohl die Meisterschaft gewinnen, aber Jorge holt wieder auf. Marc macht einige Fehler. Ich sage nicht, er macht Fehler in den Rennen, aber alles was noch passieren könnte wäre, dass Jorge entweder für den Rest der Saison perfekt ist, und es könnte im letzten Rennen entschieden werden, oder Marc macht einen Fehler in einem Rennen. Jorge wäre dann sofort da. Marc hat in den Trainings ein paar Fehler gemacht, jeder hat das gesehen. Er ist offensichtlich am Limit und Jorge weiß das. Ich denke, es ist großartiger Rennsport. Wenn Marc aus seinen Fehlern lernt, könnten alle anderen in Schwierigkeiten geraten. Es gibt eine Menge verschiedener Dinge, die passieren könnten, wir müssen nur abwarten, aber es war definitiv spannend - vor allem Silverstone, das war eines der spannendsten Rennen in der MotoGP™ seit langer Zeit. Misano war auch gut, einfach nur Jorge zuzusehen, wie er es zum Sieg geschafft hat. Aber Silverstone war ein tolles Rennen für die Fans oder für einen verletzten Fahrer, der von zu Hause aus zusieht!

Bist du aufgeregt, wie der Rest von uns, wenn du die Rennen siehst oder willst du einfach nur dabei sein?

Ganz sicher. Sobald ich aufwache am Sonntagmorgen mache ich mir zuerst einen Kaffe, gehe dann auf die Couch und schalte das Rennen an. Ich schaue auch immer noch Moto2™ und Moto3™ auf meinem MotoGP™-Account. Ich bin begeistert davon und von der Art und Weise wie Jorge und Marc in Silverstone gefahren sind ... wenn du es am Bildschirm siehst, lässt es dich zusammenzucken und du wirst nervös. Es ist also spannend und die Begeisterung ist definitiv noch vorhanden. Ich liebe es zuzuschauen, aber ich würde viel lieber ein Teil des Spiels sein, das ist sicher.

Die Fahrer planen nun für das Jahr 2014; denkst du viel über die nächste Saison nach?

Momentan ist das Wichtigste, wieder 100% zu werden, aber es wird eine Weile dauern, bis es so weit ist. Diese Woche habe ich wieder eine Termin bei meinem Arzt und er wird entscheiden, wann wir mit der Reha beginnen und wie alles weitergeht. Alle paar Tage spreche ich mit Ducati und sie halten mich auf dem Laufenden in Bezug auf das Motorrad, was wird getestet, was mache ich, und so weiter. So sieht es momentan aus.

Yonny Hernandez sitzt jetzt auf deinem Bike ...

Ich wünsche ihm viel Glück. Es ist eine großartige Chance für ihn - leider auf meine Kosten - aber ich hoffe, er macht einen guten Job. Im Moment beobachten wir die Situation von außen, und warten auf den ersten Augenblick, um wieder zurückkommen zu können. Bis jetzt konnte der Arzt nicht wirklich ein bestimmtes Datum nennen. Wir müssen abwarten und sehen, wie die Erholung voranschreitet, wie die Reha und so weiter läuft. Es wäre schön, wenn ich im letzten Rennen starten könnte, oder am letzten Test vor Ende des Jahres teilnehmen kann. Aber momentan scheint es, dass das ziemlich schwierig wird. Wir müssen abwarten und sehen was passiert.

Der einzig „Positive” daran, dass du in dieser Saison nicht wieder kommst, wäre, dass du mehr Zeit hättest, dich zu erholen ...

Ja, wenn wir dieses Jahr wieder nicht zurückkommen, dann ist das das Ziel. Um das nächste Mal, wenn ich wieder auf ein Motorrad steige, mir keine Sorge über einen Rückfall machen zu müssen oder darüber, dass mehr Reha nötig wäre. Also ich denke, das wäre das einzig Positive.

Es gibt Gerüchte darüber, dass du nicht zu Pramac zurückkehrst (trotz eines Zwei-Jahres-Vertrages bis Ende 2014), wegen einer Nachricht, die auf deinem Twitter-Account veröffentlicht wurde. Willst du uns darüber aufklären?

Die einzige Sache ist, dass mein Verhältnis zu Ducati ausgezeichnet ist. Nichts von dem, was ich gelesen habe, stimmt. Man hört von all diesen verrückten Geschichten, aber das ist im Grunde alles. Zu allen anderen, die meinten, dass meine Schulter ausgerenkt wurde, muss ich sagen, es gibt einen großen Unterschied zwischen einer Ausrenkung und einer Separartion. Das sind im Grunde die einzigen beiden Dinge, die ich gelesen habe, weiter nichts.

Hast du konkrete Ziele oder etwas, auf was du für 2014 hoffst?

Ich hoffe nur, wieder da hinzukommen, wo wir sein müssten, und dass ich wieder 100% bin - ein Gefühl, dass ich seit langer Zeit vermisse. Wenn uns das gelingt, dann weiß ich, was wir tun können, und das Team weiß es auch. In Indy haben wir es bereits zeigen können, trotz dass uns über das ganze Jahr Zeit gefehlt hatte. Aber dann hatten wir Pech. Bevor wir uns irgendein Ziel setzten, ist der erste Schritt, wieder 100% gesund zu werden und dann haben wir genügend Zeit, um uns auf dem Bike weitere Ziele zu setzen.

 

Tags:
MotoGP, 2013, GP APEROL DI SAN MARINO E DELLA RIVIERA DI RIMINI

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