Ticket-Kauf
VideoPass-Kauf

Cecchinello: „Miller muss lernen, Elektronik gibt es in kleinen Dosen"

Cecchinello: „Miller muss lernen, Elektronik gibt es in kleinen Dosen"

CWM LCR Honda Teambesitzer Lucio Cecchinello hat im Exklusiv-Interview mit motogp.com über die neue Struktur seiner 2015er Mannschaft gesprochen, über die beiden Fahrer Cal Crutchlow und Jack Miller, sowie über das Technik-Personal.

Lucio, für dich hat ein neues Kapitel begonnen. Als Team Manager kannst du jetzt erstmals sagen, dass zwei Fahrer für dich fahren – und dann auch gleich noch zwei der Besten...
Das ist ein ganz besonderes Gefühl. Beide sind beim Valencia-Test erstmals für uns gefahren. Es ist eine spannende Aufgabe. Auf der einen Seite haben wir mit Cal Crutchlow einen sehr erfahrenen, aber sich noch immer entwickelnden Piloten, auf der anderen Seite mit Jack Miller einen seht jungen Fahrer mit viel Potenzial. Die Beiden vermitteln mir ein Gefühl, was mich für die kommende Saison sehr motiviert.

Miller ist ohne Zweifel ein Talent. Aber direkt aus der Moto3™ kommend, wird er doch sehr hart arbeiten müssen, gerade an der Kraft im Oberkörper. Welches Trainingsprogramm steht für ihn bereit?
Jack hat sich im C.A.R (Centro de Alto Rendimiento / High Performance Centre) in Barcelona einen Test unterzogen, wo er gewisse körperliche Ausarbeitungen machen musste. Die Ergebnisse werden interessant sein. Er ist besser in Form als er selbst gedacht hat. Er fährt drei, vier Mal in der Woche MotoCross, das hat bei der Entwicklung seiner Muskeln, seiner Kraft und der Stärke in den Armen sehr geholfen. Das ist sehr wichtig, wenn man Krämpfen vorbeugen will, die zu den ersten Symptomen gehören, wenn junge Fahrer in die Königsklasse kommen. Er wird weiter an seinen Nackenmuskeln und dem Trizeps arbeiten, was gerade beim Fahren eines MotoGP-Motorrades sehr wichtig ist. Im Moment ist alles unter Kontrolle und wir sind sicher, dass er beim ersten Rennen perfekt in Form sein wird.

Beim ersten Test in Valencia konnte er das neue Honda Kunden-Motorrad für 2015, die RC213V-RS, noch nicht fahren, das war erst diese Woche in Sepang soweit...
Ja, wir haben jetzt mit den Tests der 2015er Open Honda begonnen. Jack hat festgestellt, dass die mehr Power als das 2014er Motorrad hat, welches er in Valencia gefahren ist. Er mag besonders die Power, den Top-Speed und die sanftere, kontrollierbarere Leistungsentfaltung. Dieses Motorrad ist die ‚Fortführung’ der Werksmaschine von 2014, aber das Chassis wurde hinsichtlich des größeren Benzintanks angepasst und hat die Magneti Marelli ECU Software. Und das ist genau der Punkt: Wir versuchen genau herauszufinden, wie diese Software in der RCV funktioniert.

LCR setzt zwei verschiedene Motorräder ein, daher auch zwei verschiedene Technik-Teams. Wir gehst du damit um und wie ist die Struktur unterteilt?
Im Grunde Arbeitet die Mannschaft von Stefan Bradl jetzt für Cal Crutchlow, beim Werks-Motorrad hat es keine Umbesetzungen bei der Mannschaft gegeben. Die Leute, die bei Miller arbeiten, werden von Cristian Gabarrini geleitet, er ist durch uns in die Weltmeisterschaft gekommen und hat 2003 mit Casey Stoner in der 125ccm-Klasse gearbeitet. Seit dem war er bei Ducati und dann wieder bei Honda, immer an der Seite von Stoner. Die anderen Techniker, die mit Miller arbeiten, gehören zur HRC und sind alle Spitzenklasse-Jungs.

Cal Crutchlow: Wird das die Saison, in der er zurückschlägt?
Cal weiß, dass 2015 eine sehr wichtige Saison für ihn wird. Er wird auf einer Werks-Honda sitzen, die der von Márquez und Pedrosa entspricht. Wenn man bedenkt, was er 2013 und in der zweiten Saisonhälfte 2014 geschafft hat, ist er der erste, der hohe Erwartungen haben muss. Hoffentlich bekommt er so schnell wie möglich ein Gefühl für die Honda.
Gleichzeitig müssen wir realistisch sein. Wir wissen, dass die Honda einen besonderen Fahrstil braucht – im Scheitelpunkt der Kurven mögen die Geschwindigkeiten nicht sehr schnell sein, aber am Kurvenausgang sind die beeindruckend. Da musst du gut dabei sein, die Leistung abzurufen, denn sonst driftest du quer raus. Cal weiß das und hat schon gesagt: ‚Wenn ich auf das Podest kommen will muss 80 Prozent der Arbeit dafür von mir selbst kommen’.“

Kannst du die Verträge der beiden Fahrer umreißen?
Als Team haben wir einen Vertrag, der uns auf jährlicher Basis an die HRC bindet. Wir hoffen, dass wir den immer wieder verlängern können, so wie wir das seit unserem Einstieg in die Königsklasse 2006 gemacht haben. Gleichzeitig hat Jack (Miller) für die nächsten drei Jahre einen Vertrag direkt mit der HRC. Wir hoffen, dass wir auch 2016 und 2017 mit Jack arbeiten können. Cal hat einen Zweijahres-Vertrag, der auch Ausstiegsklauseln enthält, sollte eine der Parteien nicht zufrieden sein. Wenn wir das Projekt weiter führen können – was nur dank unseres neuen Hauptsponsors CWM möglich war – mit beiden Fahrern, dann denke ich, dass Cal auch 2016 und darüber hinaus bei uns bleiben würde.

Wie ist der erste Testtag in Sepang gelaufen und was plant ihr mit Miller in den kommenden Tagen?
Zuerst wollen wir Jack ein erstes Vertrauen impfen. Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass ein Rookie, der direkt aus der Moto3 kommt, direkt unglaubliche Rundenzeiten hinbrennt. Das Ziel dieses Tests ist, Vertrauen auf Jacks Rennmotorrad für die kommende Saison zu finden. Das ist besonders für ihn selbst wichtig, er muss verstehen, wie sich das Motorrad unter verschiedenen Bedingungen verhält. Wir haben uns dazu entschieden, die Tests ohne zu viele Elektronik-Hilfen anzugehen. Er soll verstehen, dass die Elektronik eine Hilfe ist, die er in der Zukunft bekommt, aber erst, wenn er sich durch die Extreme des Motorrades selbst gekämpft hat. Sobald er seinen Fahrstil und Körper auf das Motorrad eingewöhnt und das natürliche Limit gefunden hat, werden wir ihm in kleinen Dosen mehr Elektronik geben. Aber zuerst muss er das Motorrad verstehen und lernen, wie er das Biest bändigt.

Tags:
MotoGP, 2015, Jack Miller, Cal Crutchlow, LCR Honda

Weitere Updates, an denen du interessiert sein könntest ›