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Das Glück ist nicht immer auf der Seite des Tüchtigen

Das Glück ist nicht immer auf der Seite des Tüchtigen

Der Saisonauftakt der MotoGP™ vom letzten Sonntag in Katar ist schon jetzt ein Klassiker. Eigentlich unvergesslich. Außer für Spanier...

19 Jahre lang schon berichtet Matthew Birt für die Motorcycle News von der MotoGP™, kennt die Weltmeisterschaft in- und auswendig. 2015 ist er Teil des motogp.com Teams, um exklusive News im Fahrerlager einzusammeln und seine Meinung dazu zu schildern.

Der Saisonauftakt der MotoGP in Katar am letzten Sonntag war in vielerlei Hinsicht unvergesslich.

Es gab mal wieder einen spannenden Kampf in der Moto3™-Klasse, der auf dem Zielstrich um Millimeter von Alexis Masbou gewonnen wurde.

Erster Sieg von Jonas Folger in der Moto2™, einem hochdramatischen Rennen, direkt im Anschluss der 109. MotoGP™ Sieg von Valentino Rossi, den der Italiener nicht überraschend als einen der besten seiner Karriere bezeichnete.

Eigentlich unvergesslich.

Es sei denn, man ist MotoGP Fan und kommt aus Spanien.

Für die Nation, die in den letzten Jahren die größten Erfolge in der Weltmeisterschaft feierte, war der Auftakt in Katar eines der seltenen Rennwochenenden zum Vergessen.

Erstmals seit dem China Grand Prix von Shanghai vor fast zehn Jahren war keiner der neun möglichen Podestplätze mehr mit einem Spanier Talent.

Dass bei einem MotoGP-Saisonauftakt-Rennen kein Spanier auf dem Podium der Königsklasse gestanden hat, liegt gar bis 2003 zurück.

Niemand hätte beim Katar MotoGP Rennen ein Podest vorausgesagt, auf dem nicht wenigsten einer der Stars wie Marc Márquez, Jorge Lorenzo oder Dani Pedrosa eine Rolle gespielt hätten.

Beginnen wir mit dem amtierenden Weltmeister...

Seine Jagd nach dem 20. Königsklasse-Sieg war nach nur 15 Rennsekunden zu Ende. Márquez musste in der ersten Kurve aufmachen und durch die asphaltierte Auslaufzone fahren, sonst hätte er dort das Hinterrad von Bradley Smiths Monster Yamaha Tech 3 Maschine touchiert.

Als 25. war er allerletzter. Mit seiner natürlichen Aggression und seinem eisernen Willen aber, platzierte er 20 Überholmanöver und kämpfte sich auf Rang fünf zurück.

Doch dann die Top Vier noch zu jagen, war selbst für Márquez nicht möglich. Seine beeindruckende Aufholjagd hatte die Bridgestone-Reifen arg herangenommen. Hinten überhitzte der Gummi, sodass er seine Jagd schließlich einstellte, nachdem er auf den letzten drei Runden fast gestürzt wäre. Elf Punkte für Rang fünf waren definitiv besser als keine.

Die Entscheidung zeigte aber auch eine ganze neue Seite an Márquez. In der Vergangenheit hätte er alle Bedenken in den Wind geschlagen und wäre vermutlich im Kies gelandet. Seine Worte, nicht meine.

Márquez sieht jetzt das größere Bild der Meisterschaft, anstatt für den Ruhm des Moments zu fahren. Sein Manager Emilia Alzamora hat mir bei den Tests im Winter gesagt, dass der Schlüssel zum dritten Márquez-Titel in Folge sein wird, dass er manchmal auch einen Zweiten, Dritten oder schlechteren Platz akzeptieren muss.

In Katar war das schwer zu akzeptieren, gab Márquez zu, aber er hat bei seinem frühen Fehler Schadensbegrenzung betrieben.

Márquez’ Rückschlag lag nur an ihm selbst, doch Lorenzos Kampf um den Sieg wurde durch komische Umstände gestoppt.

Er führte komfortabel, als er plötzlich den Anschluss verlor.

Nachdem er sich das ganze Wochenende über über Grip-Probleme beschwert hatte, schien es ganz normal, dass er die Pace auf den verschlissenen Gummis nicht mehr gehen konnte.

Was man aber weder an der Strecke, noch im TV, sehen konnte, war, dass er nichts mehr sehen konnte!

Ein großes Teil des Schaumstoffes in seinem HJC Helm hatte sich gelöst und war ihm ins Gesicht gerutscht, behinderte die Sicht.

Später tauchten Bilder auf, wie sehr seine Sicht beeinträchtigt worden war und dass er damit noch so nah am Podest bleiben konnte, war mehr als gut.

Ich kann mit vorstellen, dass das Management von Yamaha weniger begeistert davon war. Dieses Jahr feiert das japanische Werk den 60. Geburtstag. Wie hätte man die Feierlichkeiten dazu besser beginnen sollen, als mit einem 1-2 im MotoGP-Rennen?

Yamaha Boss Lin Jarvis hat mir nach dem Rennen gesagt: „Ich möchte Ducati gegenüber nicht respektlos erscheinen, sie haben uns sehr unter Druck gesetzt, aber die Plätze 1-2 waren drin.“

Lorenzos Leiden schienen im Vergleich zu Repsol Honda Rivale Pedrosa aber belanglos zu sein.

Ein Stück Schaumstoff kann ersetzt werden, aber ob man an Pedrosas Körper noch etwas reparieren kann, bleibt offen.

In den Trainings hatte er starke Leistungen gezeigt, sich als Zweiter für das Rennen qualifiziert. Da gab es aber noch keine Anzeichen dafür, welch Tortur und Schmerzen das Rennen mit sich bringen würde, wo er Sechster wurde.

In einer emotionalen Pressemitteilung erklärte er nach dem Rennen, dass er noch immer mit den Unterarmkrämpfen zu kämpfen habe, die ihn schon ein Jahr lang behinderten und einschränkten. Eine Lösung ist bisher nicht gefunden worden.

Das „Arm-Pump-Syndrom“ trifft jeden Fahrer hart und Mitten ins Herz, denn eine wirkliche Heilungsmethode gibt es nicht.

Was kommt jetzt für Pedrosa?

Dass er beim nächsten Rennen in Austin dabei sein wird, scheint derzeit mehr als unwahrscheinlich. Der Circuit of the Americas hat eine ganze Reihe von brutal harten Bremszonen und körperlich anstrengenden Highspeed-Kurven, die die Unterarmkrämpfe ganz sicher wieder auf den Plan rufen.

Manche sagen, dass sich Pedrosa eine Weile Ruhe gönnen wird, um sich von diesem Problem zu erholen, welches nicht mit einer weiteren Operation behoben werden kann.

Aber er hat gerade erst fünf Monate Pause und den Winter hinter sich und trotzdem schon wieder Probleme mit diesen Krämpfen. Ihm war dieses Problem natürlich bekannt, auch bei den Tests im Winter. Er hat das für alle geheim gehalten, außer für die HRC.

Manche sagen, dass er nicht ganz freiwillig wird aufhören müssen, in seinem eigenen Repsol-Blog von heute morgen sagt er, dass er in den kommenden Tagen eine Entscheidung treffen wird.

Der Blog wurde unter der Überschrift „A Difficult Moment“ (Ein schwieriger Moment) veröffentlicht.

Und Pedrosa hatte davon schon so einige in seiner Karriere. 2008 und 2013 führte er die Weltmeisterschaft an, verletzte sich aber. Beide Male verlor er nach Stürzen auf dem Sachsenring in Deutschland den Anschluss.

Auch in anderen Saisons kamen Verletzungen dazu. 2011 war er früh im Titelrennen, ehe er in Le Mans mit Marco Simoncelli kollidierte und das Schlüsselbein einmal mehr brach.

Nur wenige Monate zuvor hatte er sich in Japan im Training, als das Gas klemmen blieb, verletzt und war aus dem Titelkampf gefallen. Pedrosa hat in seiner Karriere immer wieder bewiesen, dass er unter unglaublich schweren Schmerzen fahren kann und dass er von Verletzungen und Rückschlägen zurückkommen konnte, wie kaum ein Zweiter.

Mental aber muss er kräftig angeschlagen sein, er fragt sich jetzt, ob er jemals wieder auf dem höchsten Level wird fahren können.

Die heutigen MotoGP-Motorräder sind schneller und anstrengender zu fahren, als jemals zuvor.

Sie wiegen 158 Kilogramm und drücken 270 PS ab. In Katar haben Pedrosa und die anderen Piloten auf der Zielgeraden von fast 350 km/h auf 100 km/h abbremsen müssen. Das sind rund 250 km/h in weniger als 200 Metern!

Welch körperliche Anstrengungen dazu notwendig sind, sind solch sterblichen Menschen wie mir unbegreiflich, aber es zeigt, welche Anforderungen die heutigen Maschinen an den menschlichen Körper stellen.

Ein solches Bike mit 99,9 % Fitness zu fahren, ist hart. Eines in Pedrosas Zustand zu fahren, mit Taubheit und Kraftlosigkeit im rechten Arm, ist praktisch unmöglich. Dass er damit in Katar trotzdem Sechster wurde, ist nicht nur ein Beleg seines Talents, sondern auch seiner Hartnäckigkeit und Entschlossenheit in den ungewöhnlichsten Umständen Erfolge zu haben.

Es wäre für Pedrosa mehr als grausam, wenn er aufhören müsste.

Seit seiner zweiten Weltmeisterschafts-Saison 2003 hat Pedrosa jedes Jahr wenigstens ein Rennen gewonnen.

Aber der ganz große Sieg gelang ihm nie. Der ewige Zweite, wenn man so will - Pedrosa war drei Mal MotoGP Vize-Weltmeister, aber nie Weltmeister. Und das, obwohl er in der ewigen Bestenliste der Grand Prix Sieger auf Platz cht liegt.

Er hat gezeigt, dass er einer der schnellsten Fahrer der Neuzeit ist.

Er hat auch gezeigt, dass das Glück nicht immer auf der Seite des Tüchtigen ist.

Tags:
MotoGP, 2015, COMMERCIAL BANK GRAND PRIX OF QATAR, Dani Pedrosa, Marc Marquez, Jorge Lorenzo, Movistar Yamaha MotoGP, Repsol Honda Team

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@calcrutchlow

vor 2 Jahre

With some great friends in Qatar at weekend … they made a fantastic job !