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2015 – Das Jahr der Charakterbildung für Marc Márquez

2015 – Das Jahr der Charakterbildung für Marc Márquez

Mick Doohan, Valentino Rossi, Jorge Lorenzo, Giacomo Agostini – fast alle Größen der Motorrad Weltmeisterschaft mussten durch tiefe Täler...

Die Saison 2015 kann Marc Márquez derzeit nur „unter Ulk verbuchen“. Fünf Rennstürze, Verletzungen am laufenden Band. Es ist das Jahr, in dem der Spanier richtige Rückschläge hinnehmen muss. Nicht einen einzelnen großen wie 2011, als er die letzten Rennen der Moto2™ Saison aufgrund der Sichtprobleme aus lassen musste, sondern Rückschläge am laufenden Band.

Die Saison 2015 wird wohl als das Jahr der „Charakterbildung“ des Marc Márquez in die Geschichte eingehen. Eine Saison, wie sie alle großen Stars gehabt haben. Manche sind daran zerbrochen, viele sind erstarkt daraus hervorgegangen. Bei manchen musste erst so eine Saison kommen, damit sie überhaupt ihren großen Durchbruch schafften.

1992 war ein Australier Namens Mick Doohan auf dem Weg in den Olymp der 500ccm Weltmeisterschaft, der Königsklasse des Motorrad Straßenrennsportes, dem Vorgänger der heutigen MotoGP™. Im Training von Assen stürzte der damals gerade 27 Jahre alt gewordene Doohan so schwer, dass die Ärzte bereits eine Amputation seines Beines in die Wege leiten wollten. Dr. Claudio Costa rette ihm das Bein. Doohan erlebte ein Jahr später, 1993 eine schwierige Saison, in der er nur einen Sieg schaffte, insgesamt sechs Podeste. Es gab Gesamtrang vier – sein schlechtestes Ergebnis seit seinem WM-Debüt 1989, als er Gesamtrang neun holte. Von 1994 an bis 1998 war die Charakterformung abgeschlossen und Doohan wurde fünf Mal in Folge Weltmeister. Als er sich 1999 in Jerez bei einem Trainingssturz erneut mit dem eh schon lädierten Bein unter dem Motorrad verfing und sich dieses wieder brach, hörte die MotoGP™ Legende auf.

Márquez hat eine ähnliche Situation schon durchgemacht. 2011, in seinem ersten Moto2™ Jahr, setzte seine Dominanz ab dem vierten Saisonrennen in Frankreich ein. Fortan sollte er in den kommenden zwölf Rennen elf Mal auf dem Podest stehen. Auf Philip Island kollidierte er auf der Auslaufrunde des Trainings schwer mit Ratthapark Wilairot und wurde dafür für das Rennen mit dem Start vom letzten Platz aus belegt. Eine Woche später stürzte er im freien Training in Sepang wieder schwer, schlug sich den Kopf an und hinter seiner Karriere stand ein großes Fragezeichen: Über Sicht-Probleme klagend, sollte er in jener Saison kein Rennen mehr fahren, wurde aber trotzdem – wie Doohan 1992 – Vizeweltmeister. Jahrs darauf holte Márquez den ersten von drei WM-Titeln in Folge: 1x Moto2™, 2x MotoGP™.

Die Charakterbildende Saison von Valentino Rossi ist unweigerlich das Jahr 2006. Damals musste der Italiener – wie er selbst in seiner Biografie schreibt – etwas Neues lernen: „Verlieren“. Ähnlich wie bei Márquez 2015 startete seine Saison: Am Start zum Saisonauftakt, damals in Jerez, wurde der Italiener von Toni Elias abgeschossen. Rossi konnte zwar noch weiterfahren, holte als 14. aber nur zwei Punkte. Zwar sammelte er bis Saisonende noch fünf Siege, fünf weitere Podestplätze, aber es gab auch drei Nuller: Technische Probleme in China, Le Mans und Laguna Seca sorgten für Ausfälle. Beim Finale von Valencia stürzte Rossi aus Eigenverschulden und holte als 13. nur drei WM-Punkte. Nicky Hayden wurde mit fünf Zählern Vorsprung Weltmeister. Es war das erste Mal nach fünf Jahren, dass Rossi nicht Weltmeister wurde. Zuvor hatte er 2001 den letzten 500ccm Titel auf Honda geholt, danach zwei MotoGP™ Weltmeisterschaften für den gleichen Hersteller und zwei Titel für Yamaha. Im Folgejahr, 2007, mit der Neueinführung der 800er Formel, wurde er erneut geschlagen – durch Casey Stoner auf Ducati. Erst 2008 und 2009 wurde er wieder Weltmeister.

Und für Rossi sollten noch ein paar weitere solcher Charakterbildenden Jahre kommen. 2010 mit der Schulterverletzung vor Saisonbeginn und dann der wohl schlimmsten Verletzung seiner Karriere in Mugello mit dem Schienbeinbruch. Teamkollege Lorenzo wurde Weltmeister, Rossi drehte Yamaha genervt den Rücken. Und dann die zwei Ducati-Jahre: die einzigen beiden Saisons in seiner bis heute 20 Jahre andauernden Weltmeisterschaftskarriere ohne Sieg. Sein Charakter ist in den letzten vier Jahren erneut gereift und 2015 hat er bei bislang 13 von 14 Rennen auf dem Podest gestanden. Er führt die WM an.

Bei Jorge Lorenzo, der unglaublich schnell lernt und so gut wie nie Fehler macht, gab es eine ebensolche „Charakterbildende Saison“ – und zwar gleich bei seinem MotoGP™ Debüt im Jahre 2008. Pole Positions bei seinen ersten drei Rennen in der Königsklasse, die Plätze zwei, drei und eins in den ersten drei Rennen. Dann folgten die Stürze. „Ich hatte keinen Respekt vor dem Motorrad und vor dem, was ich tat“, betont er noch heute. Dies ging so weit, dass sich Lorenzo teilweise auf Krücken auf das Podest hievte oder gar im Rollstuhl hoch getragen werden musste. Im Folgejahr 2009 fuhr er eine unvergessen starke Saison gegen Valentino Rossi und wurde Vizeweltmeister, der erste MotoGP™ Titel folgte dann Jahrs darauf, in der Saison 2010.

Vier Vizeweltmeisterschaften und 13 WM-Titel – alles in Folge, alles in den Klassen bis 350ccm und 500ccm – dauerte es, bis Giacomo Agostini im Jahre 1973 in der Klasse bis 500ccm erstmals „verlor“ – Er wurde WM-Dritter. Seine schlechteste Gesamtplatzierung seit seinem permanenten Einstieg in die Weltmeisterschaft 1965. Ähnlich wie bei Lorenzo vs. Rossi in den Jahren 2009 und 2010, wurde Agostini plötzlich von einem Mann auf dem gleichen Material geschlagen – von seinem MV Agusta Markenkollegen Phil Read. Ähnlich wie Rossi, dem Teamkollege Lorenzo einfach zu stark wurde und der sich von Yamaha unfair behandelt sah, wechselte Agostini damals zu Yamaha, Rossi in der Neuzeit zu Ducati. 1975 war Agostini dann auf Yamaha wieder Weltmeister der Klasse bis 500ccm – Read wurde auf MV Agusta Zweiter.

Geschichte wiederholt sich, wie man an den oben genannten Beispielen sehen kann. Der MotoGP™ WM Titel 2015 ist für Marc Márquez nur mehr mathematischer Natur: 100 Punkte sind bei den Grands Prix von Japan, Phillip Island, Sepang und Valencia noch zu holen, der Rückstand beträgt 79 Zähler.

Wichtig ist jetzt für den Spanier nur, dass er sich wieder sammelt und sich eingesteht, dass eben jeder – der eine früher, der andere später – besiegbar ist.

Tags:
MotoGP, 2015, GRAN PREMIO MOVISTAR DE ARAGÓN, Mick Doohan, Valentino Rossi, Phil Read, Giacomo Agostini, Toni Elias, Jorge Lorenzo, Nicky Hayden, Marc Marquez

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