Aoyama: "Ich schätze alle Fahrer, die nach Japan gehen"

Mittwoch, 28 September 2011

Der Japaner spricht in einem besonderen Interview über den bevorstehenden Großen Preis von Japan.

Schon am vergangenen Wochenende beim Großen Preis von Aragón, dem 14. Rennen der Saison 2011, hatte ein Fahrer bereits das nächste Rennen im Blick - den japanischen Grand Prix, der am 2. Oktober stattfinden wird.

Es wurde über den Großen Preis von Japan viel gesagt und viel geschrieben, aber Hiroshi Aoyama hat kaum Zweifel an seinem Wunsch, sein Heimrennen zum fahren, und im Interview mit Honda Motor Sports diskutierte der Fahrer vom San Carlo Honda Gresini Team dem Einfluss von Events in Japan auf sein eigenes Leben und seinen Fortschritt diese Saison...

Wo bist du gewesen, als das Erdbeben zuschlug?
"Als das Erdbeben stattfand, bin ich gerade auf dem Weg zum Katar-Rennen gewesen, also gerade im Flughafen zum Abflug. Ich habe es im Fernsehen gesehen und dachte, es wäre eine Art Film. Ich konnte nicht glauben, was da vor sich ging. Ich habe realisiert, dass das alles in Japan passierte und versuchte, meine Familie zu erreichen, aber zu dem Zeitpunkt konnte ich nicht telefonieren. Somit habe ich meinen Flug nach Katar genommen. Als ich in Katar angekommen war, rief ich meine Familie an und konnte sie erreichen. Es war okay. Wir leben etwa 200 Kilometer von Fukushima entfernt in Chiba. Außerdem wohnen wir nur zwei Kilometer von einer Treibstofffabrik, wo es aufgrund des Erdbebens eine große Explosion gegeben hatte. Also hatten sie auch dadurch einige Schäden. Aber wie auch immer, meine Familie war in Ordnung, meine Freunde waren okay, doch ich war ein bisschen beunruhigt und hatte ein merkwürdiges Gefühl, weil ich mich auf das erste Rennen in Katar konzentrieren musste. Ich fühlte, dass ich nicht fahren sollte, weil ich mich nicht gut fühlte. Aber dann dachte ich mir, dass ich das Rennen bestreiten sollte, um für ein paar gute News in Japan zu sorgen, denn das war das, was ich tun konnte. Ich bin kein Profi darin, Leute zu retten, ich bin professioneller Motorradfahrer. Also, das war das, was ich so gedacht habe, und ich bin weiter Rennen gefahren, aber es ist immer noch schwer, weil nach wie vor viele Menschen leiden, die ihre Häuser, ihre Familien verloren haben und es verursacht einen großen Schmerz in meinem Herzen und im Kopf, so dass es Zeit braucht."

Wie konntest du den Ereignissen in Japan folgen, als du in Katar gewesen bist?
"Ich habe versucht, im Fernsehen regelmäßig nachzuschauen, aber es gab viele News zu diesem Thema und es war schwer, herauszufinden, was die neuesten Neuigkeiten waren. Aber ich konnte auch im Internet nachschauen. Das Internet war der Ort, an dem ich gute Informationen bekam. Das Telefon funktionierte die ersten Stunden oder ersten Wochen nicht, weil es keinen Strom gab, aber irgendwie hat das Internet funktioniert, so dass ich meine Freunde und Familie kontaktieren konnte. Ich habe mitgekriegt, was wirklich in meiner Stadt passiert ist. Sie haben vor allem das Atomkraftwerk und andere Dinge gezeigt, meine Stadt dagegen nicht so oft."

Wie sieht es in deiner Stadt jetzt aus?
"Nicht gut. Ich meine, wir hatten keine zu großen Schäden zu beklagen, aber in den ersten paar Wochen hatte meine Familie nichts zu essen und zu trinken. Kein Benzin, nichts. Die komplette Versorgungskette funktionierte nicht mehr, und so glaube ich, dass es selbst für meine Familie ein diesen paar Wochen ziemlich schwer gewesen ist. Vor einem Monat bin ich in Japan gewesen und ich konnte sehen, dass alles gut war. Sie haben Strom, Wasser, Nahrung, Benzin. Alles lief ganz normal, somit war ich sehr glücklich, das zu sehen. Aber wenn man auf der anderen Seite in den nordöstlichen Teil Japans geht, ist es immer noch eine Katastrophe. Ich habe einige Bilder gesehen. Die Autos liegen noch immer falsch herum, Häuser sind komplett zerstört. An manchen Stellen kann man nichts erkennen, keine Häuser, gar nichts. Der Tsunami hat alles mitgenommen. Nicht nur ich, sondern eine ganze Reihe japanischer Fahrer hatte Schwierigkeiten, sich auf das Rennen zu konzentrieren. Es war nicht leicht. Selbst wenn ich jetzt tief darüber nachdenke, ist es nach wie vor schwierig."

Wie lange, glaubst du, wird Japan brauchen, bevor es sich vollständig erholt hat?
"Oh, das wird ein paar Jahre dauern, vielleicht zehn. Ich weiß es nicht. Sicherlich eine Menge Zeit. Selbst wenn man Dinge wie Häuser und Straßen wieder aufbauen kann, die Menschen sind noch immer untröstlich, und das ist der schwierigste Teil. Wir haben Glück gehabt, weil viele Länder versucht haben, uns zu helfen, indem sie viele Sachen und etwas Geld herbrachten. Wir hatten als Land viel Glück und ich möchte allen Menschen, die den Menschen in Japan geholfen haben, danke sagen. Was ich jetzt tun kann, ist, weiter Rennen zu fahren und mein Bestes in den Rennen zu geben und gute News nach Japan zu bringen, so dass ich die Leute etwas aufmuntern kann, die im Inneren leiden. Und aus diesem Grund möchte ich sagen: 'Lasst uns nach Japan gehen und ein MotoGP-Rennen abhalten!' Eine unabhängige Organisation (ARPA) hat die Situation in Japan unter die Lupe genommen und gesagt, dass es okay ist, dass wir fahren können. Und jetzt wird das Rennen stattfinden. Ich bin darüber sehr glücklich. Es gibt immer noch Leute, die zweifeln und nachdenken. Ich kann ihre Situation vollkommen verstehen, aber wenn sie nach Japan gehen sollten, wäre ich sehr glücklich. All die Jungs, die mit nach Japan gehen, schätze ich sehr."

Es gab in Mugello ein Meeting, bei dem alle MotoGP-Fahrer außer dir ein Dokument unterzeichneten, in dem sie um mehr Informationen baten...
"Ja, das habe ich nicht unterschrieben, weil ich weiß, dass alles OK ist und wir hinfahren können. Die japanische Regierung hat gesagt, es ist OK. Danach sagten auch Italien, Spanien und Amerika, man kann nach Japan fahren. Das bedeutet also, es ist in Ordnung. Dem vertraue ich, deswegen habe ich das Dokument nicht unterzeichnet. Das ist eine schwierige Situation für Europäer. Ich bin Japaner, ich habe dort ein Haus, also fahre ich auch nach einer Katastrophe nach Hause. Wäre ich auf der anderen Seite, würde ich sicher auch darüber nachdenken. Aber ich will dieser Information glauben und wir können auch sicher hinfahren. Die Motorsport-Fans machen die Leute glücklich. Das ist das Wichtigste."

In Indianapolis sagten einige Fahrer, sie hätten noch nicht entschieden und würden das bis Misano machen. Was denkst du darüber?
"Naja, das ist schwierig. In so einer Situation kann niemand niemanden zu etwas drängen. Es hängt von deiner Sicht der Dinge ab. Wenn du dieser Information glaubst, dann musst du keine Angst haben, du kannst ohne Sorge anreisen. Wenn du das nicht glaubst, dann hast du sicher Angst. Das Leben in Japan geht weiter, das heißt aber nicht alles. Sicher sind die Dinge auf dem Mindest-Niveau, damit man nach Japan fahren kann. Ich würde sagen, bitte glaubt das und fahren wir nach Japan, um unser Rennen zu zeigen."

Wenn wir die sportliche Seite ansehen, was war die größte Veränderung vom Vorjahr zu diesem Jahr?
"Naja, ich habe das Team gewechselt. Und das aktuelle Team hat viel Erfahrung. Die Maschine wird auch etwas besser und ich kann etwas einfacher fahren. In Assen hatte ich die Chance, für das Repsol-Team zu fahren und das war eine sehr schöne Erfahrung. Aber leider stürzte ich und brach mir einen weiteren Rückenwirbel. Daher fiel es mir danach schwer, die Maschine zu fahren. Aber ich versuchte, weiterzumachen, doch es war sehr, sehr schwierig. Jetzt fühle ich mich wieder viel besser, mein Rücken ist viel besser und ich kann auf der Maschine mehr angreifen. Darüber freue ich mich sehr. Jetzt haben wir noch ein paar Rennen, also will ich zeigen, was ich kann. Und ich glaube, mit dieser Maschine, die ich im Satelliten-Team fahre, kann ich stark sein und weiter vorne mitfahren."

Wie lange hat es gedauert, bist du dich wieder bei 100 Prozent gefühlt hast?
"Naja, noch bin ich nicht bei 100 Prozent, aber sagen wir 80. Diese Verletzung ist wirklich hart."

Wie beeinflusst dich das auf der Maschine?
"Ich bin blockiert. Ich kann mich nicht so bewegen, wie ich das will, also war das schwierig. Aber ich fühle mich besser auf der Maschine. Das ist sehr wichtig, denn so kann ich etwas mehr angreifen. Mir scheint, dass mir im zweiten Jahr in der MotoGP alles leichter fällt. Natürlich ist das Team anders und die Maschine anders abgestimmt. Alles fällt etwas leichter und ich kann auch etwas schneller fahren."

Freust du dich schon auf die 1000cc RC212V im nächsten Jahr?
"Ich weiß noch nicht, was nächstes Jahr mit mir passiert, aber wenn ich die Gelegenheit habe, die 1000er zu probieren, dann würde ich sicher ja sagen. Dafür möchte ich meine allgemeine Position aber auch verbessern."

Auf welche Rennen freust du dich am meisten?
"Sicher Motegi (lacht). Vor Motegi habe ich noch ein Rennen, also will ich ein gutes Gefühl auf der Maschine finden, einen gutem Rhythmus erlangen und ich will mit guter Motivation und Energie nach Japan."

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