Analyse der Reifenleistung auf Phillip Island

Dienstag, 18 Oktober 2011

Hirohide Hamashima von Bridgestone spricht über die Reifenleistung beim Iveco Australien Grand Prix.

Der Australien Grand Prix wurde zum fünften Mal in Folge von Lokalmatador Casey Stoner gewonnen, der sich damit auch seinen zweiten Weltmeister-Titel und den ersten für Honda in der 800cc-Ära sicherte. Das Wochenende auf Phillip Island in der Bass-Straße südlich von Melbourne begann mit gutem und trockenem Wetter, doch mit jedem Tag fiel die Temperatur und der Wind nahm zu. Am Renntag kam dann noch drohender Niederschlag hinzu. Regentropfen nässten einige Teile der Strecke ein, während andere im Sonnenschein lagen, was das Grip-Niveau unberechenbar machte. Das führte dazu, dass vier Fahrer aus dem Rennen stürzten. Das Yamaha-Werksduo Jorge Lorenzo und Ben Spies konnte aufgrund von Verletzungen aus verschiedenen Stürzen nicht in den Grand Prix starten und Mapfre Aspar Ersatzfahrer Damian Cudlin musste ebenfalls wegen einer Verletzung zusehen.

Hirohide Hamashima - Assistent des Direktors, Motorsport Reifenentwicklungs-Abteilung

Was für eine Herausforderung stellt Phillip Island für die Reifen dar?
"Es ist eine echt schwierige Strecke, da sie aus Extremen besteht - einerseits verlangt sie relativ wenig, andererseits ist es eine der härtesten Strecken der Saison für die Reifen. Die Außentemperatur ist normalerweise recht niedrig und auch wenn die Streckentemperatur in diesem Jahr recht ordentlich war, so hat der Wind, der vom Meer herüberbläst, einen kühlenden Effekt auf die Reifen. Daher ist die Warm-Up-Leistung wichtig. Für die Vorderreifen ist es in punkto Haltbarkeit ein einfacher Kurs, da es nur einen harten Bremsbereich gibt, also braucht es weichere Mischungen, um guten Grip zu liefern."

"Für die rechte Schulter des Hinterreifens ist die Strecke auch relativ einfach, was die Haltbarkeit betrifft, aber noch einmal, ein gutes Grip-Niveau ist sehr wichtig, deswegen haben wir dieses Jahr den extraweichen Gummi verwendet. Das andere Extrem kommt dann aber in Form der letzten beiden Kurven hinzu, die der linken Schulter der Hinterreifen sehr viel abverlangen, da sie dort die höchsten Reifentemperaturen des Jahres aushalten müssen. Das ist der Grund, warum wir an dieser Strecke eine spezielle Konstruktion für den Hinterreifen brauchen, da es ohne genügend Hitzebeständigkeit und Haltbarkeit Blasenbildung und andere unschöne Nebenwirkungen gäbe."

"Am gesamten Wochenende war der Reifenabbau, abgesehen von den linken Schultern, niedrig. Dort war er wegen der Temperaturen wiederum recht hoch. Vor allem Casey lässt das Heck auf Phillip Island viel rutschen und darin liegt einer seiner Vorteile, doch das führt auch zu einer hohen Abbau-Rate bei seinen Hinterreifen. Daher ist es für uns bei diesem Grand Prix die größte Herausforderung, die Notwendigkeit einer weichen rechten Schulter bei den Hinterreifen mit einer sehr hitzebeständigen linken Schulter auszubalancieren, die genug Haltbarkeit für das Rennen ohne Blasenbildung oder Ausbrüche hat. Wir haben bei den Hinterreifen Anzeichen von hohem Abbau auf der linken Seite gesehen, aber das war nichts außerhalb der Norm oder was wir auf Phillip Island nicht erwarten würden."

Wie sah es dieses Wochenende mit den Rundenzeiten aus?
"Naja, wir haben dieses Jahr für Australien weichere Hinterrad-Slicks ausgewählt, um bessere Warm-Up-Leistung zu haben und wir wissen aus Erfahrung, dass die Fahrer generell für das Qualifying den weicheren Hinterreifen bevorzugen, da er mehr Grip liefert und daher schneller ist. Dieses Wochenende kam Casey im Qualifying auf dem weicheren Hinterreifen unter den Rundenrekord, aber es gab ein paar Faktoren, die jeden Vorteil zunichtemachten, den der weichere Reifen gehabt haben möge. Zunächst war die Strecke in diesem Jahr viel welliger, was viel dazu beitrug, die Fahrer langsamer zu machen, weil sie den Fluss unterbrachen, den die Maschine und die Reifen in die Kurve rein haben. Zudem war wie immer der Wind ein großer Faktor, aber am Renntag war er mit Böen über 50 km/h besonders stark. So starke Winde haben auf einer Strecke, die so flach ist wie Phillip Island, große Auswirkungen. Man muss sich das wie die Auswirkungen von Wind auf einem Links Golfplatz vorstellen. Insgesamt glaube ich, dass die weicheren Mischungen ein Schritt nach vorne waren, da zwar die Rundenzeiten-Verbesserungen verschleiert wurden, sie aber verbesserte Warm-Up-Leistung brachten, als das Wetter jeden Tag kühler wurde.

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