Crutchlow: „Dieses Jahr habe ich sehr viel mehr Zuversicht"

Dienstag, 17 April 2012

Der Monster Yamaha Tech 3-Fahrer erzählt von seinem Start in die MotoGP™-Weltmeisterschaft 2012, den er mit einem beeindruckenden Eröffnungsrennen in Katar einläutete, von seinen Erwartungen für die Saison und seinen Gedanken zur Zukunft.

Wie fühlen Sie sich nach dem Rennen in Katar?
„Gut! Es war gut, das Rennen zu Ende fahren zu können und das erste Rennen abzuhaken. Ich mag nicht glauben, dass wir plötzlich in der Nähe der Spitze liegen, nur weil ich Vierter geworden bin. Es liegt noch ein langer Weg vor uns und man weiß ja nie – im nächsten Rennen könnte es ja sein, dass ich Zehnter werde. Ich möchte nicht behaupten, dass es eng ist, denn ganz offensichtlich liegt zwischen mir und Dovi [Andrea Dovizioso] ein gehöriger Vorsprung zu den Jungs hinter uns, aber die Situation kann sich sehr schnell ändern. Wir könnten ganz leicht wieder zurückfallen, wir könnten ganz leicht ein bisschen näher an der Spitze fahren, man weiß einfach nicht. Ich denke einfach, dass es ein guter Einstieg in das Jahr ist, zumindest sehe ich das so.“

Wie war die Reaktion in Ihrer Heimat?
„Gut. Ich hatte einige positive Presse und die Leute waren darüber erfreut. Ganz offensichtlich gibt es immer Leute, die sich darüber nicht sonderlich freuen, wie etwa Fans anderer Fahrer, was ich aber total verstehe, denn es ist ja so, als wären Sie Fan von Liverpool und ich zum Beispiel von Blackburn! Manche Leute sehen mich gerne vorn, was schön ist. Ich habe ungefähr 2.500 Nachrichten auf meinem Twitter-Account erhalten. Ich konnte sie nicht alle lesen, aber die meisten besagten, ich hätte meine Sache gut gemacht, was erfreulich ist. Das ist besser, als wenn sie mich heruntermachen.“

Obwohl die Wintertests so gut für Sie verliefen, waren viele Leute von Ihrer Leistung in Katar überrascht. Waren Sie selbst überrascht?
„ Ich glaube, dass ich nach der Testerei erwartet habe, unter die ersten sechs zu fahren; ich habe aber nicht erwartet, dass Dovi und ich so viel Vorsprung vor der Gruppe hinter uns haben würden, und genauso wenig hätte ich nie erwartet, dass wir so viel Rückstand auf die ersten drei haben würden. Es ist aber ein guter Start ins Jahr. Wir fahren nicht mit Werksausstattung und die einzigen Motorräder, die mich im Rennen geschlagen haben, waren die der offiziellen Teams. Selbst wenn ich in einem Werksteam fahren würde, könnte ich die Jungs vor mir schlagen? Wahrscheinlich nicht, zumindest nicht beim ersten Rennen des Jahres, also werde ich mich einfach in kleinen Schritten vorarbeiten. Ich glaube, wir haben damit gerechnet, stärker als letztes Jahr zu sein, aber das erste Rennen mit einer soliden Fahrleistung in der ersten Runde zu beenden war gut, nur weiß ich nicht, ob man das hat erwarten können. Ich habe damit gerechnet, besser als im letzten Jahr abzuschneiden, aber das ist auch alles.”

In Anbetracht Ihrer Rundenzeiten könnte man meinen, dass Sie vorne hätten mitkämpfen können, wenn Sie Dovi schon früher überholt hätten.
„Ich habe im Rennen ganz zweifellos Fehler gemacht. Ich hatte einen schlechten Start und hätte Dovi früher überholen sollen. Wenn ich ihn in Runde 3 passiert hätte, als ich zu ihm aufgeschlossen hatte, dann hätte ich wahrscheinlich den Anschluss zu den übrigen Jungs finden können. Aber wenn man die neuen Reifen von Bridgestone eine Runde lang extrem beansprucht, dann packt man nicht das gesamte Rennen. Genau davor hatte ich Angst, dass ich – wenn ich die Reifen eine Runde richtig rannehme – das Rennen nicht beenden kann oder am Ende eingeholt werde, und damit hätte ich mich in einer schlechteren Lage als in Wirklichkeit befunden, denn so konnte ich gegen Ende des Rennens immer noch schnell sein. In den letzten Runden haben wir die drittschnellste Rundenzeit gefahren und die Jungs an der Führung waren nicht so viel schneller als ich am Ende des Rennens. Ich hätte also früher ausbrechen und zu ihnen aufschließen sollen, aber hätte ich einen anständigen Start gehabt und wäre mit den Dreien gefahren, dann wäre ich vermutlich sehr viel näher an der Spitze an ihnen gewesen. Ich glaube trotzdem nicht, dass ich auf dem Podium gestanden hätte, also ist es auch egal, ob ich Vierter und ganz dicht an ihnen dran war oder aber Vierter mit viel Rückstand auf sie, ich bin so oder so zufrieden.“

Glauben Sie, dass das M1-Paket bei den 1.000ern eine Verbesserung gebracht hat?
„Bei Dovi und mir müssen Sie ja berücksichtigen, dass wir nicht mit demselben Motorrad fahren wie Jorge und Ben. Ich hoffe nicht, dass wir wieder nur in Katar und den Tests am dichtesten in der gesamten Saison mit Maschinerie an das Werksteam herankommen – aber genau das ist letztes Jahr passiert und passiert eigentlich jedes Jahr, wenn ich ehrlich bin, denn das Werksteam hat ein unerschöpfliches Budget und kann die Entwicklung fortsetzen. Dieses Jahr scheinen wir mit sehr ähnlichen Gegebenheiten zu beginnen. Die anderen haben schon einen kleinen Vorsprung vor uns, was ja durchaus gerechtfertigt ist, da sie das Werksteam sind, aber ich hoffe nicht, dass sie weiter entwickeln, während wir auf der Stelle treten, denn dann wird der Abstand immer größer und wir müssen immer mehr am Limit fahren.“

Ist es für Sie dann wichtig, Ergebnisse in den ersten Rennen zu erzielen, solange die Maschinerie noch relativ ähnlich ist?
„Ich denke schon, aber nicht viele Leute verstehen, dass genau das manchmal passiert – dass der Abstand aus genau diesem Grund zunimmt. Aber die Leute, die Bescheid wissen, wissen das. Dagegen lässt sich nicht wirklich etwas unternehmen.“

Was hat Ihrer Ansicht nach zu Ihrem guten Start in diesem Jahr beigetragen?
„Ich denke, dass ich zu Beginn dieses Jahres mehr Zuversicht hatte. Das Rennen letztes Jahr lief für mich gut, die 1.000-cc-Maschine kommt mir mehr entgegen und ich habe vielleicht etwas mehr Erfahrung mit den rutschenden Reifen als die übrigen Jungs. Es ist mein zweites Jahr, nächstes Jahr will ich in der MotoGP fahren und mein Vertrag läuft zum Ende der Saison aus. Ich habe das Gefühl, dass ich auch aus diesem Grund besser fahre. Ich möchte nicht dazu gezwungen sein, den Leuten das Gegenteil zu beweisen, sondern ich möchte wirklich gerne zeigen, was in mir steckt, wenn es darauf ankommt. Dieses Jahr steht eine Menge auf dem Spiel und ich glaube, dass letztendlich die Kombination aus allem zusammengenommen – ich hatte eine gute Vorsaison – der Grund dafür ist, dass wir dieses Jahr etwas schneller sind. Wenn wir auf 800ern fahren würden, glaube ich trotzdem, dass ich weiter vorne fahren würde als im vergangenen Jahr war. Trotzdem scheinen die 1.000er etwas besser zu sein.“

Haben Sie ihr Training im Winter für die 1.000-cc-Maschinen intensiviert?
„Ich habe immer schon hart trainiert. Ich mag Radfahren, das ist meine große Leidenschaft, aber die ist einfach in allem; ich denke nicht, dass ich in meinem Leben auf Dinge verzichtet habe, sondern ich habe mich einfach mehr darauf konzentriert, Rennen zu fahren und mich nicht zu beschweren. Ich habe, was ich habe, mehr nicht, und ich werde so gut fahren, wie ich kann. Es hat keinen Sinn, zu sagen, „Ich will das, ich brauche das“; man muss einfach das Beste aus den Gegebenheiten und seinen Fähigkeiten machen. Diese Haltung vertrete ich auch in meinem Leben, nicht nur, wenn ich Motorradrennen fahre. Ich bin dieses Jahr sehr viel ruhiger. Letztes Jahr war schwierig, weil ich das Jahr so gut begonnen hatte, besonders mit dem zweiten und dritten Rennen. Dann habe ich den Unfall und einige nicht so gute Rennen und die Saisonmitte war ein Desaster. Ich glaube, ich musste mich einfach sammeln und mein Vertrauen wiederbekommen, denn wenn ich in Höchstform bin, als ich SuperSport-Weltmeister wurde, als ich World Superbike-Rennen gewann und der schnellste Fahrer war, hatte ich das Gefühl, dass sich alles um Vertrauen dreht – und genau das hatte ich Ende letzten Jahres nicht, was mir noch nie passiert ist und ein echter Weckruf für mich war. Ich meine nicht etwa Vertrauen in aufsässiger oder arroganter Art, sondern Vertrauen oder Zuversicht in dem Sinne, dass ich weiß, dass ich es schaffen kann. Das Gefühl habe ich jetzt wieder. Ich will damit nicht sagen, dass ich es verloren hatte, ich glaube, ich brauchte einfach etwas Zeit. Vielleicht brauchte ich auch das Ergebnis in Valencia, um zu wissen, dass ich es immer noch in mir habe, dass nicht viel fehlt. Dann haben wir die 1.000-cc-Maschinen getestet und mein Test mit der 1.000er lief auch gut. Ich denke einfach, wir müssen auf dem aufbauen, mit dem wir dieses Jahr begonnen haben. Wenn wir dieses Jahr eine etwas andere Haltung zeigen, bestreiten, gibt es keinen Grund, warum wir nicht einen Großteil des Jahres im vorderen Bereich aktiv mitmischen können.“

Glauben Sie, dass dieses Jahr Podiumsplätze in Reichweite sind?
„Ja, das möchte ich gerne glauben. Wo und wann kann ich sicher nicht sagen, aber ich habe stets gesagt, dass es mein Ziel ist, an der Spitze mit den Jungs auf privaten Motorrädern zu fahren und wenn ich gelegentlich einige der Werksfahrer schlagen kann, wäre ich sehr zufrieden. Viel mehr lässt sich nicht tun. Ist es möglich, gelegentlich einige der Werksfahrer zu schlagen? Ja, ich glaube schon, aber man muss eben das Beste aus den Gegebenheiten und seinen Fähigkeiten machen und genau das habe ich vor. Andrea hat letztes Jahr als Dritter in der Gesamtwertung abgeschnitten und nur zwei Fahrer haben ihn geschlagen – zwei, die besten zwei Fahrer der Welt, die den Titel letztes Jahr und im Jahr davor gewonnen haben. Auch nur in der Nähe zu Andrea abzuschneiden ist … ich will nicht sagen, dass ich mich damit zufrieden geben will, denn falls Andrea Zehnter ist, würde ich keinesfalls Neunter oder Elfter sein wollen, aber angesichts des Niveau, auf dem Andrea fährt, bin ich zufrieden, mich in seiner Nähe zu bewegen.“

Ist Dovi, Ihr Teamkollege und potenzieller Rivale um einen Platz 2013 bei Tech 3, der erste Fahrer, den es zu schlagen gilt?
„Nein, überhaupt nicht. Die Leute werden das ganz offensichtlich annehmen, aber unabhängig davon, in welcher Position ich mich befinde, erwarte ich nicht, Andrea zu schlagen, darum geht es mir nicht. Wie ich bereits sagte, hat er letztes Jahr den dritten Platz im Kampf um den Weltmeistertitel geholt, während ich viel weiter hinten lag. Er hat ein MotoGP-Rennen gewonnen und viele Podiumsplätze geholt, aber letztendlich ist es ja nicht nur mein Vertrag, der zum Saisonende ausläuft, sondern eine Menge Fahrer, fast alle, werden gegen Jahresende ohne Vertrag dastehen. Ich muss also einfach mein Bestes geben und hoffen, dass sich etwas ergibt. Bis dahin ist es noch lang und ich konzentriere mich jetzt auf meine Arbeit, die darin besteht, die höchstmögliche Platzierung herauszufahren.“

Vielleicht besteht ja sogar die Möglichkeit für Sie, zum Werksteam zu wechseln?
„ Naja, Yamaha verfügt über zwei fantastische Fahrer und wenn Sie mich jetzt fragen, so wüsste ich nicht, warum man daran etwas ändern sollte. Ich halte also nicht unbedingt nur danach Ausschau, ich bemühe mich vielmehr darum, zu zeigen, was ich jetzt kann, ich versuche, den Leuten zu beweisen, dass ich schnell genug bin. Dieses Jahr muss ich gleichbleibende Leistungen bringen und mein Bestes geben. Bis jetzt ist das der Fall, denn letztes Jahr um diese Zeit in der Rennsaison hatte ich schon sieben Stürze oder so beim Testen, während ich dieses Jahr seit Valencia erst einmal gestürzt bin. Ganz offensichtlich fühle ich mich wohler und zuversichtlicher. Ich bin wirklich zufrieden mit dem Team; das Team hat über den Winter hervorragende Arbeit geleistet und ich bin froh, dass ich ein zweites Jahr mit ihm arbeiten kann. Dieses Team ist in sechs Jahren das erste, mit dem ich um ein Jahr verlängere. Das bringt eine gewisse Kontinuität mit sich und im Prinzip dasselbe Motorrad, nämlich eine Yamaha-MotoGP-Maschine.“

Und jetzt geht es weiter in Jerez, wo Ihre Tests so gut verliefen, und Sie werden sicher versuchen, an den guten Start in Katar anzuschließen …?
„Jerez ist eine schwierige Strecke, eine sehr schwierige Strecke für mich, denn bisher bin ich erst zweimal dort gewesen. Letztes Jahr habe ich dort ein Rennen gefahren und zu Beginn diesen Jahres habe ich dort getestet. Die Tests verliefen ganz klar positiv, aber jetzt ist die Situation eine etwas andere und ich glaube, das Rennen wird schwieriger werden als der Test. Man muss die Strecke gut kennen und wenn die Gegner dort schon 10 Jahre lang gefahren sind, ist es schwierig. Ich glaube, dass Estoril gut für mich laufen wird, ich mochte diese Rennstrecke, als ich letztes Jahr dort war. Das soll nicht heißen, dass mir Jerez nicht zusagt, aber diese Strecke ist nicht meine beste. In Estoril fühlte ich mich gut und ich glaube, dass wir in Estoril etwas dichter dran sein werden als in Jerez, aber letztendlich weiß man nie, was passieren wird. Man wird immer gefragt, was man für das Rennen plant, aber man kann einfach nichts planen, weil es immer anders als geplant kommt. Ich werde bei beiden Rennen einfach mein Bestes geben und danach sehen wir weiter.“

Wie kommen Sie mit der britischen Erwartungshaltung zurecht?
„Das britische Publikum ist großartig, das habe ich immer gesagt, als ich Rennen um die SuperSport-Weltmeisterschaft und die Superbike-Weltmeisterschaft in Großbritannien gewonnen habe; die Fans sind sagenhaft und stehen immer hinter einem. Das Problem ist, dass sie manchmal auch die ersten sind, die Kritik üben, wenn man keine besonders gute Leistung bringt, und das ist nicht ganz einfach. In Großbritannien gibt es nicht die die vielen Generationen von Gewinnern wie etwa in Spanien oder Italien. Das liegt aber nur daran, dass wir nicht mit Grand-Prix-Motorrädern großwerden. Irgendwann wird es soweit sein, denn mit Jeremy [McWilliams] im Jahr 2000 liegt der letzte Podiumsplatz eine Weile zurück. Ich möchte nicht behaupten, dass ich aufs Podium fahren werde, aber ich erhoffe es für die britischen Fans ebenso wie für mich.“

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