Im Zwiegespräch mit Casey Stoner

one on one with casey stoner
Freitag, 20 Januar 2012

Der amtierende MotoGP-Weltmeister nahm sich eine Auszeit von seiner Winterpause und teilte mit motogp.com in diesem exklusiven Interview seine Sicht zum Thema Vaterschaft, seine Rivalen, den Wechsel auf 1000ccm-Bikes und wie er seinen Titel 2012 verteidigen will.

Wie war deine Weihnachtspause und dein Empfang zu Hause in Australien?
“Es war ziemlich unspannend, lediglich eine schöne, ruhige Zeit mit Familie und Freunden und eine Möglichkeit von der Hektik wegzukommen. Wir mussten schon früh zurück in die Schweiz, um uns auf das Baby vorzubereiten, daher war es schön ein wenig Zeit zum Entspannen und Erholen zu haben und sich für dieses Jahr vorzubereiten."

Wie geht es deiner Frau Adriana? Ihr beide werdet bald Eltern, seid ihr aufgeregt?
“Adriana geht es super, sie hat keine Probleme und ist bei perfekter Gesundheit. Wir drücken unsere Daumen, dass alles so weitergeht. Wir sind nicht aufgeregt, wir beide haben jetzt lange genug gewartet und momentan scheint es extrem langsam vorwärts zu gehen! Wir wollen in diesen letzten Wochen alles so ruhig wie möglich angehen. Ich hoffe, dass ich bei der Geburt zu Hause bin, denn die sollte zwischen zwei Tests liegen, also drücke ich die Daumen, dass ich da zu Hause bin."

Wie denkst du wird das Leben zwischen Vaterschaft und Rennsport sein?
“Ich kann mein persönliches Leben gut vom Rennsport trennen. Wenn ich auf der Strecke bin, ist Rennzeit und wenn ich weg davon bin gibt es, abgesehen von dem Fakt, dass ich trainieren muss, um dafür fit zu sein, zu Hause nichts, das mich ans Fahren erinnert. Ich will nur mein Leben genießen und sobald das nächste Rennen vor der Tür steht, bin ich bereit dafür und darauf gespannt."

Deine Heimat hier ist die Schweiz. Wie gefällt es dir, hier zu leben?
“Ich denke, dass es ein wunderbares Land ist, wir genießen die Art zu Leben und die Leute, die um uns herum sind. Wo wir leben, haben wir einen kleinen Bach und Wanderwege zum Mountainbike fahren, also können wir, wenn wir hier sind, komplett abschalten, ein bisschen Zeit alleine verbringen und uns ohne Unterbrechungen für jedes Rennen vorbereiten. Es ist eine wunderbare Lebensart hier und wir genießen es, besonders den Winter."

Findest du hier in den Bergen Ski- oder Snowboardfahren besser?
“Ich mag Skifahren mehr, aber ich kann beides. Ich habe kein Problem damit, beides zu tun, aber für die Ski gibt es mehr Orte, zu denen ich gehen kann, ich mag Abenteuer. Das Snowboard musst man immer abschnallen und an andere Orte gehen, während wir uns auf Ski richtig austoben können."

Dein alter Freund Chaz Davies hat die Supersport Weltmeisterschaft gewonnen. Es ist großartig, dass ihr beide im gleichen Jahr WM-Titel geholt habt.
“Es ist fantastisch. Chaz hatte eine schwere Karriere, er hatte nicht viele Möglichkeiten. Ich hatte auch harte Zeiten, aber nie so schlimm wie Chaz. Für ihn ist schön, zurückzuschlagen, weiter nach vorn zu pushen und schließlich die richtige Möglichkeit zu nutzen, um zu zeigen, was er kann. Ich freue mich so für ihn und für uns beide, dass wir die Meisterschaften im gleichen Jahr gewonnen haben - nicht viele hätten besser sein können."

Was denkst du über die neue Saison und darüber mit der Nummer 1 unterwegs zu sein?
“Ich freue mich, mit der Nummer 1 zu fahren. Viele Leute denken, sie birgt einen Bann, aber du bist Weltmeister und du solltest mit der Nummer 1 fahren. Es ist eine weitere Herausforderung für mich und ich mag es. Diese Saison wollte wieder sehr hart werden: wir starten in eine neue Kategorie, also haben wir viel zu testen, um das Bike an den Punkt zu bringen, an dem wir zufrieden sind. Wir haben den letzten Test zufrieden abgeschlossen, aber nicht überglücklich. Wir haben noch immer viel am Bike vorzubereiten. Diese kommenden Tests werden wichtig und wir hoffen, dass wir dabei viele Daten sammeln können."

Welche Änderungen wirst du am Motorrad basierend auf dem Feedback, das du dem Team beim letzten Test in Valencia gegeben hast sehen?
“Es wird leichte Veränderungen am Chassis geben. Mit den neuen Reifen ist das Chattering gestiegen, also müssen wir unser Chassis an sie anpassen, was wirklich frustrierend sein kann. Wir müssen es schaffen, dass das Motorrad besser läuft, denn wenn man von den Bremsen geht, hat das Bike viel Chattering. Beim letzten Schritt, den wir in Valencia gingen, machten wir einen Fortschritt, aber wir brauchen noch immer einen großen Schritt nach vorn. Wir müssen auch die Motorbremse verbessern. Die Beschleunigung ist gut, mit der 1000er hat man viel Gefühl und das macht sie in den Kurven geschmeidiger, was uns einen kleinen Vorteil einräumen sollte."

Der Wechsel auf die 1000ccm in diesem Jahr wird nicht so wie die 990ccm-Ära sein, wie stellst du dir die Änderungen mit dem Schritt auf 1000ccm in diesem Jahr vor?
“Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass die Unterscheide zur 800er so groß sind. Mit der Elektronik, die jeder hat, wird das Durchdrehen der Reifen nicht hoch sein, es wird da sein, aber die Elektronik wird es für einige Fahrer beschränken. Wir fahren auf anderen Reifen, als mit den 990ern, da gab es noch Wettkampf unter den Reifenherstellern, aber nun ist der nicht mehr da. Ich glaube nicht, dass es ganz anders als die 800ccm-Klasse wird, aber wir werden sehen. Ich genieße die 1000er mehr, der Klang ist cooler und sie haben mehr Kraft, es ist schwieriger, sie um eine kleine Strecke zu bringen, besonders in niedrigen Gängen und wir haben Wheelie-Probleme. Bei jeder Schaltung will es hoch, also wird es eine Herausforderung, das zu reduzieren, aber allgemein ist es schön, wieder auf einer 1000er zu sitzen."

Das ist aber nicht die einzige Änderung in diesem Jahr. Wir haben auch die Claiming Rule Team (CRT) Bikes und insgesamt 21 Motorräder in der Startaufstellung. Du hast deine Ansichten über die Zukunft der CRT bereits geäußert, aber denkst du in dieser Saison über sie nach?
“Wir müssen abwarten und sehen, was wird. Wenn man sich die Rundenzeiten ansieht - die sind nicht beeindruckend. Ich bin sicher, es gibt einige Teams, die es hinbekommen und die richtigen Fahrer haben und ziemlich konkurrenzfähig sein dürften, aber da sind auch einige dabei, von denen ich nicht glaube, dass sie konkurrenzfähig sind. Ich denke, sie sind nur draußen, um die Anzahl aufzustocken, worüber ich, um ehrlich zu sein, nicht glücklich bin, aber wenn sie nicht auf konkurrenzfähigen Maschinen sind und sich die Fahrer nicht wirklich beweisen konnten, ist es schwer zu sagen, wie konkurrenzfähig jeder sein wird, aber die Zeit wird es zeigen."

Wer glaubst Du, werden Deine Hauptrivalen in der kommenden Saison sein?
“Mein Hauptrivale wird Jorge (Lorenzo), er war Erster 2010 und Zweiter 2011, er wird immer da sein und mitkämpfen. Alle Fahrer die mit einer Werksmaschine unterwegs sind und auch Andrea (Dovizioso) wird mit Yamaha Tech 3 – es werden die gleichen Leute sein. Leider wird mit Marco (Simoncelli) einer fehlen, der wäre sicher ganz vorn mit dabei gewesen. Wir werden sehen wer die beste Saison zusammenbekommt, das variiert jedes Jahr.”

Was erwartest Du von Ducati?
“Sie haben gesagt, dass sie die Maschine zu 90% auf den Kopf gestellt haben, aber schon Mitte letzten Jahres. Sie haben die Maschine von vorn bis hinten umgekrempelt und an sich hat sich nichts dadurch geändert. Ich hoffe für Ducati, dass sie es hinbekommen und eine konkurrenzfähige Maschine zu Stande bekommen, denn es ist auch wichtig für die Weltmeisterschaft. Egal was die Fahrer wollen, wir brauchen so viele Hersteller an der Spitze wie möglich. Yamaha und Honda wollen diesen Wettkampf. Leider sind Kawasaki und Suzuki ausgestiegen, wir brauchen wirklich alle Maschinen an der Spitze.”

Wen schätzt Du als großes Talent ein, wer könnte in Zukunft vorn mitmischen?
“Marc Marquez kann man nicht übersehen, er konnte in den letzten zwei Jahren extrem beeindrucken und er konnte zeigen dass er ein sehr würdiger Weltmeister ist. Wenn er von seiner Augenoperation zurück kommt wird sich zeigen, ob er diesen Schrecken gut weggesteckt hat. Es ist schwer auszumachen wo das Niveau ist, viele sind lange in der 125cc gefahren und dort an der Spitze. Ich glaube Viñales macht einen ausgezeichneten Job, aber es ist nicht leicht einzuschätzen wie gut sie dann in der MotoGP wären und wie weit nach oben sie klettern.”

Es gibt Gerüchte das Marquez Dein nächster Teamkollege werden soll. Was sagst du dazu?
“Ich mag Marc sehr, er ist ein eigener Charakter. In der Vergangenheit hat er ein paar Fehler gemacht, aber er hat die richtige Einstellung zum Rennsport. Er lernt schnell und er orientiert sich immer nach vorn, Stillstand mag er nicht und das ist sehr beeindruckend. Es ist egal wer mein Teamkollege ist, du trittst immer gegen die gleichen Leute an, ob nun aus deinem Team oder nicht, am Ende musst du sie alle schlagen. Hoffentlich wird Marc eines Tages zu ihnen gehören.”

Viele Leute sagen bereits, dass 2012 dein Jahr wird. Wie ist dein Gefühl im Vergleich zum letzten Jahr?
“Ich denke, das Jahr könnte in vielerlei Hinsicht ein bisschen komplizierter werden. Wenn wir das Bike schon zu Beginn der Saison richtig gut hinbekommen, könnte es gut für uns laufen. Aber wie wir im zweiten Rennen letztes Jahr gesehen haben, können wir auch schnell eine Schritt zurückgehen und dann waren wir diejenigen, die eine harte Verfolgungsjagd aufnehmen mussten. Wir mussten eine perfekte Saison ohne weitere Fehler abliefern, wenn wir noch einen weiteren gemacht hätten, dann hätte es für uns schwierig werden können. So wie die Meisterschaft heute läuft hängt es davon ab, wer zu Beginn der Saison alles beisammen hat und wer keine Fehler macht, Wenn du heutzutage einen Fehler machst, dann ist es sehr schwer, sich davon wieder zu erholen. Wir sind zuversichtlich, was die Saison angeht, aber wir müssen zur Hälfte sehen, wo wir stehen und wie viel mehr wir pushen müssen."

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