Pedrosa: „Ich habe niemandem etwas zu beweisen!"

Pedrosa: “I feel no pressure to prove anything”
Dienstag, 30 April 2013

In einem ausführlichen Video-Interview, das von motogp.com vor dem Red Bull Grand Prix of the Americas geführt wurde, sprach Dani Pedrosa über seine Motivation für die neue MotoGP™-Saison, seinen Wunsch, einen WM-Titel in der Königsklasse zu gewinnen, über seinen neuen Repsol Honda Team-Kollegen Marc Márquez und über seine Interessen abseits der Rennstrecke.

Vor einem Jahrzehnt, im Jahr 2003, gewann Dani Pedrosa den 125ccm-Titel, jetzt bestreitet er seine achte Saison in der Königsklasse und tut dies mit dem gleichen Mut und der gleichen Entschlossenheit wie damals, um seiner ohnehin schon erfolgreichen Karriere den Weltmeister-Titel der höchsten Kategorie hinzuzufügen.

In einem langem Gespräch mit motogp.com, welches am Donnerstag vor dem Rennen in Texas aufgenommen wurde, sprach der Spanier über den Saison-Auftakt in Katar und über die Aufmerksamkeit der Medien um ihn herum.

In Australien im letzten Jahr hast du den WM-Titel verpasst, während Jorge Lorenzo zum zweiten Mal Weltmeister wurde. Wie schätzt du nun, da die neue Saison begonnen hat, das Jahr 2012 ein?

Die Analyse ist sehr einfach. Ich habe die Meisterschaft nicht gewonnen, das war mein Hauptziel. Aber ich habe viele andere Ziele erreicht, die ich hatte. Vielleicht waren sie kleiner als der Titel, aber sie waren auch wichtig, wie meine Herangehensweise an ein Rennwochenende, die Art, wie ich mit dem Team zusammen arbeite, meinen geänderten Fahrstil, um Verletzungen zu vermeiden, für jedes Rennen fit zu sein und gute Rennen auf Strecken zu fahren, die mir nicht so liegen. Insgesamt bin ich mit dem letzten Jahr zufrieden, weil - außer dem 'kleinen Detail' mit dem Titel - ich viele andere Ziele erreicht habe, die ich für mich selbst gesetzt hatte.

Hast du dir, nachdem du den Titel nicht gewinnen konntest, über die Winterpause mehr Druck gemacht und deine Vorbereitungen geändert? Fühlst du dich verpflichtet, in diesem Jahr zu gewinnen?

Nein, denn diese Frage wird mir gestellt, seit ich in die MotoGP kam - vielleicht nicht im ersten Jahr, aber sicherlich seit dem zweiten Jahr. Jedes Jahr will ich genauso Weltmeister werden wie im vorherigen, aber mit jeder Saison muss ich mich mehr anstrengen, um dem Ziel näher zu kommen.

Aber denkst du, dass du es in diesem Jahr wirklich beweisen musst?

Ich habe niemandem etwas zu beweisen! Ich muss niemandem irgendetwas beweisen, außer mir selbst. Um zu sehen, dass sich meine Leistungen, die Arbeit und die Anstrengungen der vielen Jahre, auszahlen ... immer mit dem Anspruch, mich sowohl technisch als auch physisch über den Winter zu verbessern. Es ist ein schwieriger Weg, nicht immer angenehm, man bekommt einige unerwartete Beulen ab. Der Druck zu gewinnen ist immer da, aber es gibt keinen Druck, den Leuten zu beweisen, was man kann. Du lebst dein tägliches Leben und tust das, was dir am meisten gefällt. Das ist das Leben, das ich lebe: nicht, um den Leuten etwas zu beweisen, denn am Ende des Tages weiß ich, was ich kann.

In Katar, am ersten Trainings-Tag, hattest du Probleme mit dem Front-End deiner Maschine; später mit dem Heck. Was genau war das Problem an diesem Wochenende?

Wir konnten einfach kein gutes Setup finden. Die Streckenbedingungen haben sich sehr verändert und aus irgendeinem Grund konnten wir scheinbar nicht denselben Grip wie unsere Konkurrenten finden. Ich habe das Letzte aus der Maschine geholt, was da war, aber ohne Grip konnte ich einfach keinen Vorteil gewinnen.

Die Aufmerksamkeit, vor allem der spanischen Presse, zu Marcs erstem Auftritt in der MotoGP war sehr hoch. Es werden schnell Vergleiche zwischen Teamkollegen gezogen. Er beendete das Rennen auf dem Podium und du nicht. Lastet jetzt ein zusätzlicher Druck auf deinen Schultern?

Marc war sehr gut und er ist ein fantastisches Rennen gefahren. Ich war die ganze Zeit hinter ihm und habe ihn beobachtet, um Energie zu sparen, aber ohne Zweifel hat er einen großen Einstand gegeben. Und ja, Vergleiche werden in der Meisterschaft immer gezogen, aber ich weiß, warum ich Vierter geworden bin und das ist alles (lacht). Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und ich freue mich sowohl für ihn als auch für das Team. Enttäuscht? Ja, weil ich offensichtlich nicht das volle Potenzial des Motorrades herausholen konnte, obwohl ich mein absolutes Maximum gegeben habe. Technisch gesehen war es keine ideale Situation und wir kennen alle das Ergebnis.

Fühlst du dich für den Rest der Saison gewappnet? Hast du nach Katar reinen Tisch gemacht?

Nein, es geht nicht darum, die Löschen-Taste zu drücken, denn ich bin genau der Gleiche wie in Katar und genau der Gleiche wie im letzten Jahr und während der Vorsaison. In Katar waren die Bedingungen einfach nicht die Richtigen für uns.

Reden wir ein wenig über deine Interessen abseits der Rennstrecke: wie bekommst du deine zwei Leben unter einen Hut und wie verbringst du deine Freizeit, auch wenn du viel Zeit fürs Reisen opfern musst ...

Wie fast jeder weiß, bin ich ein ruhiger Mensch. Mein Leben außerhalb des Rennsports ist sehr entspannt - ich mag es nicht, im Rampenlicht zu stehen. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, will ich einfach nur ein Teil der Gruppe sein, ohne darüber zu reden, was ich tue.

Hast du ein Hobby, das wir noch nicht kennen? Was machst du gern, wenn du gerade nicht trainierst?

Nun, zum Beispiel mag ich Windsurfen. Ich würde auch sagen, Radfahren, obwohl ich es nicht wirklich als ein Hobby bezeichnen würde, weil ich es viel als Training nutze! Auf der anderen Seite bin ich süchtig nach Filmen - ich liebe es, ins Kino zu gehen oder auch nur Filme zu Hause zu schauen, mit Freunden. Spazieren ... (Pause) ... gut, wenn es ein schöner Tag ist, dann vielleicht ja, aber nur um zu Fuß zu gehen oder von Geschäft zu Geschäft zu laufen, davon bin ich kein großer Fan!

Manchmal gibst du dich in Interviews recht wortkarg. Dies wird manchmal von den Leuten so interpretiert, dass du einen schlechten Tag hattest, dich selbst schützen willst oder einfach nur extrem schüchtern bist. Kannst du uns sagen, warum das so ist?

Natürlich. Es ist kompliziert zu beantworten, denn es gibt nicht nur einen Grund für das 'warum' (lächelt). Zunächst einmal: ja, ich bin ein schüchterner Kerl. Aber in der Regel muss man alles erklären, wenn jemand eine Frage stellt. Ich möchte gern jedes einzelne Detail erklären, aber manchmal halte ich meine Geheimnisse lieber zurück, weil Journalisten Fragen stellen wie: (imitiert die Stimme eines Journalisten): „Welchen Gang haben Sie dort benutzt?” Dies sind Dinge, sozusagen aus meiner Waffenkammer, die kann ich nicht jeden wissen lassen, denn die könnte ich zu meinem Vorteil nutzen! Hinzu kommt, dass wir während der Interviews nie allein sind - wie zum Beispiel nach den Sitzungen. Man ist immer von einer Menschentraube umringt, daher kann ich keinen netten Plausch mit nur einer einzigen Person halten. Es stehen jede Menge Leute um mich herum - einige fragen mehr, manche weniger - daher ist der allgemeine Druck viel höher, als bei einem persönlichen, individuellen Gespräch.

Mit Blick auf das nächste Rennen in Jerez ... Du sagtest zuvor, dass du nicht gerne im Mittelpunkt stehst, aber in Spanien hast du viele Fans, die dich unterstützen werden. Inwieweit genießt du den Grand Prix von Spanien, in Bezug auf die Menschen und die Unterstützung, die du dort erfährst? Ist es schwieriger, weil man sich schlecht konzentrieren kann?

Das ist eine gute Frage (lacht)! Es ist sicherlich etwas Besonderes, die Atmosphäre ... das motiviert einen. Es ist ein wenig, als würde man schweben, wenn die Fans einem zujubeln. Ich fühle mich dort zu Hause, vom ersten Moment an, wenn ich am Donnerstag auf die Strecke komme. Das Beste ist, wenn das Rennen startet, denn all die Fans wollen, dass ein spanischer Fahrer den spanischen Grand Prix gewinnt - sie feuern dich alle an. Das Schwierigste ist, durch das Fahrerlager zu kommen - es ist immer überfüllt mit Menschen, die ein Foto mit dir wollen oder dich nach einem Autogramm fragen. Natürlich gefällt mir das, aber manchmal kannst du einfach nicht anhalten, weil du zum Mittagessen gehen musst oder auf die Toilette, oder zu einem Interview, zu dem du möglicherweise sowieso schon zu spät kommst. Wenn du dann nicht anhältst, um den Fans eine Freude zu machen, werden sie sauer auf dich, denn sie wissen natürlich nicht, dass du es eilig hast. Am Ende gibt das ein negatives Bild ab, obwohl du es gar nicht schlecht gemeint hast, daher ist das für mich definitiv der schlimmste Teil des gesamten Wochenendes.

 

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