Poncharal: „Angesichts des Materials, ist Cal in einer guten Situation"

Dienstag, 14 Mai 2013

Vor dem Start Richtung Le Mans, sprach Monster Yamaha Tech 3-Chef Hervé Poncharal mit motogp.com über die technische Zusammenarbeit mit Yamaha, über Gerüchte zum Transfer-Markt und über seine Verpflichtungen gegenüber seinen beiden aktuellen Piloten Cal Crutchlow und Bradley Smith.

Es dauerte etwa drei Rennen und benötigte einige lose Zungen, um die Gerüchteküche über den Transfer-Markt zum Kochen zu bringen. Mehrere britische Medien veröffentlichten vergangene Woche, nach einem Treffen mit Cal Crutchlow, dass dessen Platz nach einem überzeugenden Start in die Saison gefährdet sein könnte und als möglicher Ersatz im nächsten Jahr, Pol Espargaró, einer der Moto2™-Titelanwärter 2013, in Frage käme.

motogp.com nahm die Neuigkeit als Anlass, um mit Poncharal über die Situation rund um Crutchlow und über die Tech 3-Projekte zu sprechen. Und auch wenn sich der Brite regelmäßig beklagt, nicht mehr so ​​viele Neuheiten wie Jorge Lorenzo und Valentino Rossi von Yamaha Factory Racing zu erhalten, hat der Chef vom französischen Team eine ganz andere Sicht der Dinge und unterstrich die stetigen Bemühungen der japanischen Marke, mit der Tech 3 seit 1999 zusammenarbeitet.

motogp.com: Wir hören Cal oft erklären, dass er keine neuen Teile von Yamaha zum Testen hat. Was ist Ihre Meinung aus technischer Sicht?

Herve Poncharal: Cal hat momentan ultra-wettbewerbsfähige Technik, wie wir mit den von ihm erreichten Ergebnissen in Katar, Texas und Jerez gesehen haben - und nicht nur in den Rennen, sondern auch in der Qualifikation. Er hatte mehrmals die beste Rundenzeit, im Vergleich zu den Yamaha-Piloten. In der MotoGP sind die Motoren versiegelt und verschlossen, so kann man nicht genau sagen, was drin steckt, aber unsere Motor-Spezifikationen sind fast identisch mit den Werk-Motoren, und wir befinden uns jetzt in der dritten Entwicklungsphase des Chassis seit dem ersten Vorsaison-Test in Sepang. Erstmals testeten wir das Chassis Anfang Februar. Das wurde durch ein Update Ende Februar (für den zweiten Sepang-Test) und danach bei dem Ein-Tages-Test in Jerez letzte Woche durch ein weiteres gefolgt. Ich glaube nicht, dass man sagen kann - und darüberhinaus, glaube ich nicht, dass Cal das sagen kann -, dass wir keine aktive Unterstützung erhalten und keine wettbewerbsfähige Maschinen haben.

Ich erinnere mich immer an Furusawa (Masao, verantwortlich für die Entwicklung der Yamaha M1 zwischen 2004 und 2010), der sagte, dass es nie zwei Werks- und zwei Satelliten-Bikes für Yamaha seien, sondern vier offizielle Bikes. Ich glaube, dass Cal ein Motorrad hat, das dem der offiziellen Fahrer (Lorenzo und Rossi) sehr, sehr nahe kommt. Kann man sagen, es ist genau das gleiche? Nein, aber Leistungen sind subjektiv und vor allem, wenn es um das Chassis geht. Zum Beispiel verwendet Valentino nicht immer das gleiche Chassis wie Jorge. Ein Chassis kann besser oder schlechter zu handhaben sein, abhängig von dem individuellen Empfinden des einzelnen Fahrers. Technisch gesehen ist die Situation, in der sich Cal befindet, meiner Meinung nach sehr gut und er wird sehr stark als Werksfahrer der Yamaha Motor Corporation geschätzt.

motogp.com: Gerüchten zufolge soll Pol Espargaró im nächsten Jahr in der MotoGP mit Tech 3 antreten. Hat Yamaha mit Ihnen über solch eine Möglichkeit gesprochen und würde dieser mögliche Neuzugang, ihr Fahrer-Line-up für die nächste Saison entscheidend beeinflussen?

Ich bin derzeit in Gesprächen mit Yamaha, um den Support-Vertrag zu erneuern, da der aktuelle Deal zwischen Tech 3 und Yamaha Ende 2013 auslaufen wird. Wir sprechen jetzt über eine Verlängerung bis 2014, 2015 oder 2016 ... mindestens zwei Jahre. Wir diskutieren noch über Rahmenbedingungen und daher kann ich natürlich nicht mit den Fahrern sprechen. Es ist noch nicht ganz sicher, welche Technik für 2014 und 2015 zur Verfügung stehen wird. Persönlich habe ich mit Espargaró nie im Namen von Tech 3 gesprochen.

Das Yamaha und Espargaró miteinander gesprochen haben, steht fest. Er ist einer der talentiertesten jungen Fahrer in der Moto2. Marc Márquez, Andrea Iannone und Bradley Smith haben bereits den Sprung in die MotoGP gemacht und so wäre das auch für ihn ein logischer Schritt im nächsten Jahr. Der Weg zu Honda ist versperrt, denn sie haben bis Ende 2014 vier Fahrer unter Vertrag: zwei bei Repsol Honda, einen bei Gresini und einen bei LCR. Wenn Espargaró im nächsten Jahr in der MotoGP antreten will, wird er es offensichtlich mit einer anderen Marke tun müssen und so ist es ganz natürlich, dass er mit Yamaha verhandelt. Ich kenne keine Details dieser Gespräche; ob etwas vereinbart wurde, etwas fast vereinbart ist oder ob es noch eine Menge zu sortieren gibt. Was ich weiß ist, dass Yamaha vier Motorräder hat und dass einige denken, dass Espargaró Cals Platz einnehmen könnte, da Cal Crutchlow der einzige Fahrer ist, der nur für dieses Jahr einen Vertrag hat. Die aktuelle Situation ist, dass wir Mai haben, dass ich einen Vertrag mit Cal für 2013 habe und dass Yamaha einige Verhandlungen begonnen hat - nichts weiter. Ich mag Cal und werden ihn mit Informationen auf dem Laufenden halten, um ihm einfach so viel Zeit wie möglich zu geben, um auf dem Fahrer-Markt attraktiv zu bleiben - sei es, um bei Yamaha zu bleiben oder woanders hinzugehen.

Auf der anderen Seite, als wir Mitte 2012 neu verhandelt hatten, sprach Cal mit uns, befand sich aber auch in Gesprächen mit Ducati. Er sagte mir, Ducati würde seine Priorität sein, genau wie es Andrea (Dovizioso) getan hat, da beide vollwertige Werksfahrer sein wollten. Ducati entschied sich für Andrea und Cal blieb am Ende bei uns, aber er war bereit, Mitte 2012 zu gehen und verlängerte seinen Vertrag mit uns für nur ein Jahr, um sich für 2013 auf dem Fahrer-Markt Möglichkeiten offen zu halten und um zu versuchen, ein Werksfahrer zu werden, was ein Traum für ihn sein würde. Hätte er für zwei Jahre unterzeichnet, wäre er jetzt nicht in dieser Situation. Für ihn ist Tech 3 vielleicht Plan B, aber jeder Fahrer schafft seine eigene Situation und es ist wahr, dass Cal ein wenig ungestüm ist. Allerdings gibt einen Markt da draußen und Yamaha steht es frei, seine eigenen Entscheidungen zu treffen.

motogp.com: Und was ist mit den Verträgen zwischen Tech 3 und seinen beiden aktuellen Fahrern?

Im Moment habe ich zwei Fahrer: Cal Crutchlow und Bradley Smith. Wir befinden uns immer noch im ersten Teil der Saison 2013 und darauf konzentrieren wir uns zu 100%. Ich habe Sponsoren, die in mein Team investiert haben, um Ergebnisse zu sehen und von ihnen zu profitieren. Das ist auch mein Ziel und ist das, was zu diesem Zeitpunkt die Priorität hat, mehr als mich zu fragen, in welche Richtung der eine oder der andere gehen wird, oder ob ich diesen oder jenen Fahrer ins Team nehmen würde.

Jetzt steht der Frankreich-Grand-Prix kurz bevor, was ein sehr wichtiges Rennen für uns ist und nicht nur, weil wir französisch sind - denn immerhin haben wir keinen französischen Fahrer im Team. Es ist auch wichtig, weil dieses Rennen von Monster Energy gesponsert ist, von unserem Titelsponsor, sowie der Tatsache, dass Frankreich ein großer Markt für Black & Decker, Stanley und DeWalt sowie Motul und Yamaha Motor France ist. Wenn man all dies bedenkt, liegt unser Fokus auf diesem Rennen. Die Medien lieben es, über künftige Verträge zu sprechen, aber dieses Rennen ist im Moment wichtiger für uns.

 

Videos:

Alle Videos für dieses Event ansehen

Fotos:

Mehr News öffnen

Aktuelle News

  • MotoGP™
  • Moto2™
  • Moto3™
Werbung
Paddock Girls MotoGP VIP VILLAGE™