Verbaler Schlagabtausch zwischen Schwantz und Puig

Montag, 29 April 2013

Eine öffentliche Kontroverse ist zwischen Kevin Schwantz, MotoGP™-Weltmeister von 1993, und Alberto Puig, Manager von Dani Pedrosa, entfacht. Der ehemalige WM-Champion löste den Streit damit aus, indem er behauptete, dass der Repsol Honda Team-Fahrer keine Chance auf den diesjährigen WM-Titel habe. Daraufhin reagierte Puig mit einem offenen Brief an den Amerikaner.

Ursprung der Kontroverse sind Aussagen von Schwantz während des Grand Prix of the Americas-Wochenendes, die in der französischen Zeitung L'Equipe veröffentlicht wurden. Schwantz analysierte die aktuelle Situation von Pedrosa und bezweifelte, dass der Spanier je den Titel der MotoGP™-Weltmeisterschaft gewinnen würde. Darüber hinaus äußerte er sich besonders kritisch über Puig, Manager und langjähriger Berater von Pedrosa.

„Dani fehlt es an nichts,” sagte Schwantz, „er hat eher zu viel - wie Alberto Puig. Dani muss von selbst ein anderes Level erreichen. Er ist wie ein Kind, das nicht befreit werden kann, weil seine Eltern ihn zurückhalten. Ich mag Dani, aber er ist ein Fahrer, der seit acht Jahren bei Honda ist und nichts gewonnen hat. Ich würde mich freuen, wenn er mich vom Gegenteil überzeugt, aber ich glaube nicht, dass das passieren wird.”

Er fuhr fort, indem er den aktuellen MotoGP-Titelträger Lorenzo und Rookie Márquez lobte. „Lorenzo ist zweifellos der Favorit für den WM-Titel und sein Rennen in Katar war einfach lehrbuchreif,” sagte der 48-Jährige. „(Marc Márquez) hat eine wunderbare Persönlichkeit und ein herrliches Talent. Ich habe geliebt, was er in Katar gezeigt hat.”

Schwantz betonte außerdem, dass er hofft, dass Valentino Rossi einen neunten WM-Titel sichern könne, denn die Welt des Motorsports bräuchte solch ein Ereignis.

Doch seine Aussagen über Pedrosa und Puig wurden bereits von den beiden betreffenden Männern beantwortet. Pedrosa fand die Worte des Amerikaners als unfair: „Puigs Arbeit ist es, neue Talente zu finden und er hat bewiesen, dass er weiß, was er tut und er tut es mit Ehrlichkeit. Viele Fahrer, denen er geholfen hat, sind Meister oder Vizemeister geworden.” Auf die Kommentare, die an ihn selbst gerichtet waren, entgegnete Pedrosa: „Ich empfehle dir, dass du meine Karriere-Statistiken überprüfst und dann können wir weiter reden. Ich habe vielleicht nie die MotoGP-Weltmeisterschaft gewonnen, habe aber Dinge erreicht, die viele andere nicht geschafft haben.”

Etwas mehr geradeheraus war Alberto Puigs Brief, der an Schwantz gerichtet ist und der von mehreren spanischen Medien veröffentlicht wurde. Der Brief lautet wie folgt:

'Im Hinblick auf die Äußerungen, die von Herrn Kevin Schwantz während des Wochenendes des Grand Prix von Texas gemacht wurden, glaube ich, dass ich meine Meinung über die Angelegenheit, die sich direkt auf mich bezieht, teilen sollte.

Aus sportlicher Sicht werde ich mich ausschließlich auf Statistiken und Archive begrenzen, so dass wir über 100%ige Fakten sprechen und nicht über Meinungen oder Gedanken von jemandem, der vor Jahren hier war.

Wörtlich genommen, kommentierte Herr Schwantz, dass 'Dani Pedrosa in acht Jahren noch nichts gewonnen hat'.

Nun, lassen Sie uns das analysieren. Für den Anfang behalten wir im Hinterkopf, dass Pedrosa drei WM-Titel (einen in der 125ccm-Klasse und zwei in der 250ccm-Klasse) gewonnen hat, im Vergleich zu dem einen Titel von Schwantz in der 500ccm-Klasse. Ich habe keine Zweifel, nachdem ich selbst ein 500er-Pilot war, dass der eine 500er-Titel wichtiger als die der anderen Kategorien ist - das ist wahr. Doch was Sie nicht tun können ist, von den drei Titeln, die Dani in den kleineren Klassen gewonnen hat, abzulenken. Dani und alle Fahrer, die im Laufe der Geschichte WM-Titel in diesen Kategorien erreicht haben, waren alle große Champions und verdienen, unabhängig von der Hubraum-Klasse, wo sie diese Titel erreichten, den nötigen Respekt.

Um einige Daten zu nennen, könnten wir sagen, dass Pedrosa insgesamt 45 Grand-Prix-Siege erreicht hat, während der Texaner 25 Siege erzielte (also fast doppelt so viele). Von diesen 45 Siegen erfolgten 22 in der Spitzenklasse. Hinzu kommt die Tatsache, dass Pedrosa 113 Podestplätze erlangte - 72 in der MotoGP-Klasse, im Vergleich zu den 51 von Schwantz - und 55 schnellste Runden (35 davon in der MotoGP), im Vergleich zu den 26 von Schwantz.

Im Hinblick auf diese Daten, die eindeutig zugunsten Pedrosas gehen, zu sagen, dass Dani in acht Jahren noch nichts gewonnen hat, ist typisch für jemanden, der nicht weiß, was er redet und es ist zudem sehr respektlos.

Dennoch hat Herr Schwantz Recht damit, dass Dani noch nicht den Titel der Titel gewonnen hat. Aber man muss auch die vielen Schwierigkeiten bedenken, die er im Laufe seiner Karriere überwinden musste, nicht zuletzt in der Art seiner Verletzungen. Ich erinnere Sie daran, dass Sie gezwungen waren, Ihre Karriere wegen einer schweren Verletzung am Handgelenk zu beenden. Dieser besondere Fahrer hat im Laufe der Jahre einige Verletzungen davongetragen, hat aber dennoch alles gegeben.

Herr Schwantz, Dani hat den Titel noch nicht gewonnen, doch lassen Sie mich etwas sagen, was Ihnen nicht gefallen wird. Es wird Ihre Arroganz hervorheben, denn dies ist etwas, was wirklich passiert ist. Sie haben diesen Titel, ja. Aber es hat acht Jahre seit Ihrem ersten Rennen im Jahr 1986 gedauert. Der Grund dafür war, dass Wayne Rainey in Misano stürzte und in diesem Jahr aufhören musste, und Sie den Titel praktisch kampflos gewonnen haben. Sie waren ein großartiger Fahrer - super spektakulär - aber wenn man nur auf die Ergebnisse schaut, dann standen Sie immer im Schatten von Eddie Lawson und dann von Wayne Rainey. Also prahlen Sie nicht zu viel damit, ein Champion zu sein, denn es stimmt, dass Sie nur aufgrund der Umstände gewonnen haben.

Sie erwähnten auch, dass Dani seine Karriere, besser ohne ständig jemanden an seiner Seite zu haben (vor allem, ohne dass ich ihm im Weg stehe), weiter verfolgen solle. Darf ich Sie daran erinnern, dass - in den 80er- und 90er-Jahren, als ein gewisser Herr Schwantz Rennen fuhr - während die meisten Fahrer in der Regel mit einem Freund oder Begleiter durch ganz Europa reisten, er nie einen Schritt ohne seine Eltern (beide) an seiner Seite gemacht hat. Die Wahrheit ist, dass es für damals ungewöhnlich war und eher das Bild eines Jungen abgab, der den ganzen Tag lang seine Eltern brauchte. Wenn Sie jetzt über ihre letzten Worte nachdenken, drängt sich da nicht die Frage auf, ob er, ohne ständig seine Eltern an seiner Seite gehabt zu haben, die ihn beschützten, er vielleicht mehr Titel gewonnen hätte? Denken Sie darüber nach, Herr Schwantz.

Abgesehen davon, muss ich Ihnen sagen, dass ich, seit meinem Rückzug aus dem Rennsport, sehr hart gearbeitet habe, um Fahrer zu fördern. In der Regel mit Dani Pedrosa, aber ich habe auch die Karrieren von Fahrern wie Casey Stoner, Toni Elias, Alvaro Bautista, Marc Márquez und Julian Simon unterstützt. Und alle von ihnen, alle von ihnen, sind Weltmeister geworden.

Sie, Herr Schwantz, haben eine Fahrschule in Texas, die seit Jahren aufstrebenden Fahrern behilflich ist. Bis zum heutigen Tag hat es nicht einer von ihnen geschafft, sich für ein Rennen in Europa zu qualifizieren. Keiner. Also, in diesem Bereich, null Erfolg.

Herr Schwantz, Sie werden sich wahrscheinlich nicht daran erinnern, weil Sie viele andere Situationen wie diese erlebt haben, aber ich erinnere mich ganz genau:

Im Jahr 1994 hatte ich die Ehre, mit Ihnen und mit Michael Doohan in Hockenheim das Podium zu teilen - auf einer ursprünglichen, faszinierenden und brutalen Strecke. Doohan war ein paar Runden vor dem Ziel davongefahren und ich hatte das Vergnügen, mit Ihnen um den zweiten Podiums-Platz zu kämpfen. Ich wurde fair und anständig von Ihnen geschlagen, weil Sie so viel besser als ich waren. Aber ich erinnere mich, dass meine Honda bei diesem Rennen schneller als Ihre Suzuki war und ich dachte, ich wäre in der Lage, Ihren Windschatten zu nutzen, um auf der langen Geraden durch den Wald vorbeizugehen. So war es, bis wir die Schikanen und den Stadion-Abschnitt erreicht hatten und Sie mich beim Bremsen eines Besseren belehrten. Nur ein paar Runden vor Schluss sagte ich unter meinem Helm zu mir: „Was für ein Kerl, er kann so spät bremsen!” Am Ende dieses Rennens, auf dem Podium, war ich voller Respekt und Bewunderung für Sie - für einen Mann, der mich gerade gelehrt hatte, wie man mit einem Rennmotorrad auf der Bremse ans Limit geht.

Ich bin traurig, denn nachdem ich nun Ihren Artikel gelesen habe, der, wie ich denke, voll von Respektlosigkeit gegenüber einem großen Champion wie Dani Pedrosa und vielen anderen, die in den kleineren Kategorien Titel gewonnen haben, ist, mein Respekt, den ich an diesem Tag im Jahr 1994 in Hockenheim für Sie empfand, jetzt komplett verschwunden ist.

Kevin, es war Ihr Moment und Sie haben den Titel der 500ccm-Klasse gewonnen, aber auch Meister können falsch liegen und sollten wissen, wie Dinge richtigzustellen sind, wenn es erforderlich ist.

Alberto Puig

 

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