Nach seinem Rookie-Jahr: Interview mit Bradley Smith

Montag, 25 November 2013

Marc Márquez mag zwar unglaubliche Höhen erklommen und den Rookie of the Year-Titel der Saison 2013 klar für sich entschieden haben, doch Bradley Smith war ebenfalls sehr zufrieden mit seiner ersten Saison in der Königsklasse. Wir konnten mit dem Engländer ein ausführliches Gespräch führen.

Smith wechselte Anfang 2013 von der Moto2™ in die MotoGP™ und holte als Teamkollege von Cal Crutchlow bei Monster Yamaha Tech3 116 WM-Punkte und beendete die Saison in den Top-10. 13 Mal konnte der Fahrer aus Oxford innerhalb der Top-10 über die Ziellinie fahren, darunter waren drei bemerkenswerte sechste Plätzen in den Grands Prix von Catalunya (Runde 6), Deutschland (Runde 8) und Australien (Runde 16).

Bradley, teile mit uns deine Höhen und Tiefen des Jahres 2013 ...

Ich glaube, mit dem ersten Rennen war ich nicht zufrieden - zu stürzen war definitiv eine große Enttäuschung. Das war wahrscheinlich der tiefste Punkt des Jahres. Ich würde sagen, ich bin mehr glücklich mit den Fortschritten über das Jahr, als mit einem Moment. Aber die kontinuierliche Entwicklung und der letzte Test am Ende der Saison waren gut.

Du warst Teamkollege von Cal Crutchlow; wie sehr hat das dir das geholfen?

In Bezug auf Leistung, würde ich sagen, nicht so viel. In Bezug auf Druck, war es riesig, Cal da zu haben, weil er den Druck weggenommen hat. Die Art, wie er in der Box ist, und die Art, wie er mit dem Team umgeht, schafft eine positive Atmosphäre und das hilft natürlich auch, die Ergebnisse, die das Team und die Sponsoren erwarten, zu erreichen. Mit all seinen Podiumsplatzierungen und guten Ergebnissen zog er wirklich all das Rampenlicht auf sich. Aus dieser Sicht war es egal, was ich tat. Das hat mir wirklich erlaubt, mich auf mich selbst zu konzentrieren, ohne abgelenkt zu werden.

Du hast deinen MotoGP™-Vertrag Ende 2011 unterschrieben, dieser beinhaltete auch ein weiteres Jahr in der Moto2™. Nach der anschließenden harten Moto2™-Saison 2012 wurdest du wegen deinem Aufstieg in die Königsklasse kritisiert. Hast du jetzt das Gefühl, genug getan zu haben, um die Kritiker zum Schweigen zu bringen?

[Lacht] Ich bin mir nicht sicher, ob jemals alle Kritiker zum Schweigen gebracht werden können! Es wird immer Menschen geben, die dich nicht mögen und die an dir zweifeln, aber das ist nichts Neues. Das ist in allen Lebensbereichen das gleiche: im Motorsport, bei einem Bürojob, bei Prominenten, Comedians ... überall! Die einzige negative Sache ist, wenn du es an dich heranlässt und es deine Leistung beeinflusst. Aber ich würde gern annehmen, dass ich die Meinung von ein paar Menschen verändert habe.

Die Situation hat sich jetzt geändert; Pol Espargaró verstärkt das Team und du bist der erfahrenere MotoGP™-Fahrer und der Druck lastet auf deinen Schultern...

Absolut! Aber das ist auch normal. Ich habe immer damit gerechnet. Es ist keine neue Situation und in deinem zweiten Jahr musst du dich der Herausforderung stellen - ich war mir dem für eine lange Zeit bewusst. Es ist schön, Pol in der Box zu haben; jemanden im Team zu haben, der so schnell ist wie er, hilft eine Menge. Ich denke, wir können uns gegenseitig wirklich gut voranbringen. Es wird die extra paar Zehntel herausquetschen.

Nach dem Saison-Finale in Valencia bist du auf dem Ricardo Tormo Circuit geblieben, um den ersten Vorsaison-Test 2014 zu absolvieren. Wie ist es gelaufen?

Der Test war enorm. Das Yamaha das Vertrauen in mich hatte, mir das neue Motorrad zu geben, war super! Es beweist, dass ich zu einem Level aufgestiegen bin, wo ich es verdiene, und das war ein großer Meilenstein für mich, um besser zu werden und eine wirklich konkurrenzfähige Rundenzeit zu erzielen. Das war wirklich wichtig, um mich im Winter fokussiert und mit Selbstvertrauen auf die neue Saison vorzubereiten. Das hilft immer.

Deine vielleicht größte Entscheidung für die Vor- und Nachsaison wird sich um deinen Aufenthaltsort drehen: Bleibst du in deiner Wahlheimat Andorra oder wirst du für eine gewisse Zeit nach England zurückkehren?

Natürlich liegt ein bisschen Zeit zwischen jetzt und dem ersten Test 2014 in Malaysia. Es hängt sehr von meinem Trainingsprogramm ab. Andorra ist ein fantastischer Ort, vor allem im Winter. Seit dem Ende der Saison habe ich ein paar fantastische Wochen dort verbracht und ich werde es kaum erwarten können, wieder dort hin zurückzukehren. Aber natürlich ist es auch schön, Familie und Freunde in Oxford zu sehen, denn dazu bleibt über das Jahr kaum Zeit, dank der chaotischen Welt der MotoGP™! So oder so, dieses Jahr werde ich nicht nach Amerika reisen, um dort die Sonne zu genießen. Ich bin ein wenig enttäuscht, aber ich werde mich mehr auf mein Training in Europa konzentrieren.

Siehst du dir in deiner Freizeit oft die Rennen der vergangenen Saison an?

Dieses Jahr konnte ich nicht so viel schauen, aber es wäre schön, die Clips von mir und den anderen Yamaha-Fahrern anzusehen. Man kann viel von den Videos lernen: was einen in den Rennen erwartet, wie sich alles weiterentwickelt, mit Blick auf die Rundenzeiten und so weiter. Die Qualifikation und die ersten fünf Runden der Rennen sind entscheidend. Daher glaube ich, gibt es eine Menge, was man von Videos schauen lernen kann. Man muss immer seine Hausaufgaben machen!

Wie sehen momentan die Ziele von Bradley Smith für die MotoGP™-Saison 2014 aus?

Mit den Satelliten-Bikes zu kämpfen. Es ist nicht das, was Cal gemacht hat, er hat offensichtlich Podiumsplätze erreicht und in diesem Jahr viele gute Dinge vollbracht. Von dieser Seite her ist es wahrscheinlich ein Schritt zurück: mit Bautista (GO&FUN Honda Gresini) und Bradl (LCR Honda MotoGP) zu kämpfen. In einigen Rennen will ich besser als sie sein, genau wie sie einige Male besser als ich sein werden.

Die wichtigste Frage von allen: wie kann sich ein super fiter, professioneller MotoGP™-Fahrer zurückhalten, zu Weihnachten zu viele Pralinen und Kuchen zu essen ...?

[Lacht] Es ist tödlich! Aber letztendlich ist es ein Lebensstil. Wir haben das Glück, dass wir ein Motorrad haben, das uns rund um die Rennstrecken trägt. Ich bin sicher, dass andere Sportarten noch schlimmer sind; vor allem für Jockeys muss Weihnachten ein Albtraum sein! Ich habe Glück, dass zwischen Weihnachten und dem Beginn der Saison ein paar Wochen liegen. Wenn ich also ein bisschen über die Stränge schlage, werde ich genügend Zeit haben, um es abzuarbeiten!

 

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