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20 Tage vor
By motogp.com

"Teil des Wachstums der Fahrer zu sein,ist jedes Opfer wert"

Milena begann in der MotoGP™ in der Logistik und Kommunikation zu arbeiten und wurde 2019 die erste weibliche Teammanagerin des Fahrerlagers

Als Kind schaute sie sich die Grand Prix Rennen an und erzählte dann ihrem Vater, der oft geschäftlich unterwegs war, was auf der Strecke vor sich ging. Jahre später ist Milena Koerner eines der bekanntesten weiblichen Gesichter des Fahrerlagers, eine Inspiration und ein Paradebeispiel für Professionalität und Entschlossenheit. Mit eben jender übernahm sie ab 2019 das MV Agusta Forward Racing Team, ein Team, das an der Moto2™-Weltmeisterschaft teilnimmt.

Aufgewachsen in einer Familie, die sich sehr für Motorradrennen begeisterte, nahmen sie ihre Großeltern 1998 mit auf den Sachsenring, wo zum ersten Mal der DeutschlandGP stattfand. "Ich komme aus einer Stadt, 20 km vom Sachsenring entfernt", sagt Milena. „Es ist eine besondere Strecke, denn um zur Box zu gelangen, müssen die Fahrer einen öffentlichen Bereich durchfahren, in dem die Fans sie aus der Nähe sehen können. Für mich war es damals das erste Mal in dieser Umgebung und ehrlich gesagt hätte ich mir nie erträumen lassen, nach so vielen Jahren hier zu stehen und Teil des Ganzen zu sein.“

Nach dieser prägenden Erfahrung beim Großen Preis von Deutschland entdeckte Milena andere Strecken in ganz Europa und lernte das Umfeld und die im Fahrerlager beteiligten Personen immer besser kennen.

Milena wurde Stammgast auf den Rennstrecken und erhielt ihr erstes Stellenangebot. "Einige Leute, die ich beim Abbau auf den Rennstrecken getroffen hatte, schlugen vor, dass ich einen Job in einem Team suchen sollre, damit ich nicht bezahlen muss, um bei den Rennen dabei zu sein, sondern tatsächlich bezahlt werde, um dabei zu sein. Ich lehnte das erste Angebot ab, weil ich noch in die Schule ging und noch nicht einmal die Prüfungen abgelegt hatte. Aber beim nächsten Grand Prix, zu dem ich gefahren bin, Jerez war das damals, haben sie mir den Job wieder angeboten und diesmal konnte ich es nicht ablehnen."

Und so wurde Milena 1998 Teil der MotoGP™ Welt. „Nachdem ich als Model gearbeitet hatte, war mein erster richtiger Job im Fahrerlager die Arbeit in der Hospitality vom Team Scott.“ Die Weltmeisterschaft begann sich als lustiger und nützlicher Job zu erweisen, denn so konnte sie ihr Studium finanzieren: „Ich habe bereits vor Beginn der Universität im Fahrerlager angefangen zu arbeiten und ich dachte, dass dieser Lebensstil für eine Weile schön wäre, und dann hätte ich im Laufe der Zeit nach einem ernsthaften Job gesucht, aber ich habe ihn genau hier gefunden “, sagt die Teammanagerin mit einem Lächeln.

"Als ich anfing, in der Hospitality zu arbeiten, folgte ich dem Rat von Stefano Bedon, der mir viele Dinge beigebracht und mir jedes Jahr neue Aufgaben übertragen hat." Nach der Erfahrung mit dem Team Scott in der 125er und 250er ging Milena zu dem neu gegründeten Forward Racing Team, wo sie sich mit der Logistik befasste, bevor sie im Tech 3 Team als Marketing Communication Manager in die MotoGP™ wechselte, eine Rolle, die sie fünf Jahre lang innehatte, bevor sie in die Moto2™ zurückkehrte um ein Team zu leiten

Milena erzählt uns, dass von den vielen Rollen, die sie im Fahrerlager innehatte, jeder Job interessante Aspekte hatte, aber was sie alle verbindet, sind die Beziehungen, die sich entwickeln. "Ich verfolge die Fahrer gerne in ihrem beruflichen Wachstum. Ich habe zum Beispiel einige Zeit mit Cal Crutchlow zusammengearbeitet", erinnert sie sich an die diese spezielle Arbeitsbeziehung. "Am Tag nachdem wir nicht mehr Mitglieder desselben Teams waren, sagte Cal zu mir: "Endlich können wir Freunde sein." Wenn man mit einem Fahrer arbeitet, musst man ihm sagen, dass er Dinge tun soll, die er nicht machen will. Da kann es nicht all zu viel Freundlichkeit geben, es braucht ein gewisses Maß an Distanz, weil er  respektieren sollo, was du ihm sagst. Für mich ist jeder Fahrer etwas ganz Besonderes.“ Dabei fügte sie hinzu: "Aber gleichzeitig ist es unvermeidlich, dass man auch menschliche Beziehungen zu seinen Kollegen aufbaut. Es ist ein ungewöhnlicher Job. Ein Job in dem man die meiste Zeit mit diesen wenigen Menschen verbringt."

Im Jahr 2019 begann Milena eine neue Etappe in ihrer Karriere im Fahrerlager. Sie begann ein Team mit zwei Fahrern mit sehr unterschiedlichen Charakteren und Altersgruppen zu leioten. Dominique Aegerter und Stefano Manzi. „Stefano hat einen sehr wichtigen Schritt gemacht. Wenn ich darüber nachdenke, wie er sich bei den ersten Tests bei uns verhalten hat und wie er sich jetzt verhält, ist es wie eine völlig andere Person. Wenn man diese Veränderungen erkennt und weiß, dass man, wenn auch nur minimal, zu diesem Erwachsenwerden beigetragen hat, ist das wirklich schön. Dies ist der Teil, der an meiner Arbeit am lohnendsten ist.“

Als Milena schon als Teenager ins Fahrerlager kam, bemerkte sie auch eine Entwicklung in ihrem Arbeitsumfeld, denn immer mehr Frauen sind in verschiedenen Bereichen tätig, obwohl sie auch feststellt: "Wir sind immer noch eine Minderheit." Es könnte verschiedene Gründe geben, die Milena erklärt: "Aus geschäftlicher Sicht kann es für ein kleines Team mit einem begrenzten Budget zusätzliche Kosten bedeuten, ein Mädchen zu haben, weil man Kleidung für nur eine Person herstellen muss und auch auf Reisen ein Einzelzimmer gewähren muss.“ Diese Grenzen wurden jedoch ständig von kompetenten und professionellen Frauen wie Milena überschritten, die zu einer echten Ressource für ihre Teams werden.

„Abgesehen von diesen Problemen denke ich, dass Frauen, wenn sie im Fahrerlager arbeiten wollen, alles geben müssen. Denn nur weil etwas schwierig ist, heißt das nicht, dass man aufgeben muss - im Gegenteil, es kann auch eine zusätzliche Motivation sein.“

Darüber hinaus rät Milena, auch die technischsten Aspekte der Motorräder so gut wie möglich zu studieren. „Um respektiert zu werden und Verantwortung übernehmen zu können ist es wichtig, dass das Team sich der Tatsache bewusst ist, dass man sie im Auge behält und sie einen nicht ausnutzen können, nur weil man eine Frau ist."

„Darüber hinaus hat es mir geholfen, verschiedene Rollen im Fahrerlager zu übernehmen, da ich weiß, wo und worauf ich achten muss, um sicherzustellen, dass alles optimal funktioniert. Immerhin habe ich mehr als die Hälfte meines Lebens in dieser Welt verbracht.“

Abschließend fragten wir Milena, wie sie sich beschreiben würde. "Ich bin eine Nervensäge, ein Workaholic und sehr entschlossen." Qualitäten, die es ihr ermöglicht haben, große Fortschritte in ihrer beruflichen Laufbahn zu machen, aber für sie ist damit immer noch nicht genug: „Sind es Qualitäten, die sich auszahlen? Das werden wir sehen, wenn das Motorrad wettbewerbsfähiger ist und die Fahrer glücklich sind. Das ist unser aktuelles Ziel.“

Verpasse nicht die nächste Geschichte der #WomenInMotoGP - Reihe, während wir, ebenso wie Milena Koerner, darauf warten MV Agusta Forward Racing und die gesamte Moto2™ -Weltmeisterschaft wieder auf Kurs zu bringen.

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